Wegen Hitzesommer sind viele Rinder zu mager – nun zahlen die Schlachthöfe weniger
Die Klimakrise führt in der Schweiz dazu, dass die Kühe magerer sind als in anderen Jahren. Und in dieser ausserordentlichen Lage senken die grössten Schlachthöfe des Landes ihre Preise – ausgerechnet für die mageren Rinder und Kälber mit wenig Fett.
Darüber berichtet die «NZZ am Sonntag». «Wir haben viel zu wenig Futter für unsere Tiere», sagt der junge Landwirt Leo Fankhauser. Dass sie für diese abgemagerten Tiere nun sehr viel weniger Geld bekommen, findet Landwirt Thomas Balmer «eine Schweinerei».
Die Rede ist von den Tieren der Kategorie X – Tiere, die kaum mehr als Haut und Knochen sind, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Bis zu vier Franken pro Kilogramm sollen die Grossschlachthöfe Bell und Micarna seit Kurzem für die Tiere der untersten Kategorie bezahlen. Bell gehört zu Coop, Micarna ist eine Migros-Tochter.
«Das ist Wahnsinn und kein fairer Preis mehr», sagt der Landwirt und EDU-Nationalrat Andreas Gafner. «Da nützt man die Notsituation der Bauern aus, die ihren Tierbestand reduzieren müssen.»
Denn in der aktuellen Lage, in der vielen Bauern aufgrund der Hetzer das Futter ausgehe, bliebe ihnen gar keine andere Wahl, als die Tiere zu verkaufen. Selbst wenn sie abgemagert sind.
«Man nützt die Situation der Bauern brutal aus», sagt auch der Grünen-Nationalrat Kilian Baumann. Auch er ist Landwirt und steht der Vereinigung der Kleinbauern vor. «Die Schlachthöfe zeigen null Solidarität mit ihren Lieferanten in einer Notlage», sagt er.
Die Schlachthöfe verteidigen sich. «Es gibt zurzeit einfach sehr viele X-Kühe, die auf den Markt kommen», sagt Davide Elia von Bell. Sie würden alles tun, um alle Tiere abnehmen zu können und dieser «ausserordentlichen Lage» gerecht zu werden.
Ähnlich klingt es bei Micarna. Das Geschäft mit den mageren X-Tieren sei alles andere als profitabel. Sie werde einen Teil dieser zusätzlichen Kosten selbst tragen und nicht an die Produzenten weitergeben, versichert Micarna. «Wir sind uns bewusst, dass diese Situation viele Bauernfamilien ausserordentlich belastet.»
(her)
