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Warum sich grosse Greifvögel kaum in Städten niederlassen

Warum sich grosse Greifvögel kaum in Städten niederlassen

10.08.2023, 07:27
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Während sich etwa Falken seit geraumer Zeit auch in Grossstädten in unseren Breiten auf die Jagd begeben, machen grössere fliegende Beutegreifer wie Adler trotz schwindender, natürlicher Lebensräume bisher einen weiten Bogen um urbanere Lebensräume.

Steinadler
Mag keine Städte: der Steinadler.Bild: shutterstock.com

Im Fachblatt «Scientific Reports» belegen Forschende dies nun anhand von Daten aus Australien. Die Wissenschaftler plädieren dafür, den Lebensraum von grossen Greifvögeln, die in Städten nicht Fuss fassen können, besonders zu schützen.

Dass es zum Beispiel grössere Adler oder Eulen in stark von Menschen geprägten Umgebungen nicht leicht haben, ist ein fast weltweites Phänomen. Das liegt an der dort spärlicher verfügbaren Beute und an der intensiven Verfolgung durch Menschen über Jahrhunderte hinweg, sodass nur scheue Individuen in zurückgezogenen Lebensräumen überlebten.

Einzig der Kronenadler schaffte es bisher, sich in Süd- und Ostafrika auch in Städten in grossen Zahlen breit zu machen. Teils kommt er in dicht besiedelten Gebieten bereits häufiger als im Regenwald vor.

Grossangelegte Untersuchung

Petra Sumasgutner von der Universität Wien hat die aktuelle Studie mit Kollegen aus Australien durchgeführt. Mit an Bord war u.a. auch die Leiterin der Konrad Lorenz Forschungsstelle der Universität Wien in Grünau im Almtal (OÖ), Sonia Kleindorfer. Für die Untersuchung griff das Team auf einen riesigen Vogel-Beobachtungsdatensatz zurück, in dem auch 276'674 Sichtungen von 24 Beutegreifern verzeichnet sind.

In der Analyse wurden die Daten mit Informationen über das Ausmass an künstlicher Beleuchtung in den Gebieten kombiniert, um einzuschätzen, wie urban die untersuchten Regionen sind. Derartige Untersuchungen wurden für die Südhalbkugel noch kaum durchgeführt, schreiben die Expertinnen und Experten in der Arbeit.

Die Ergebnisse passen jedoch mit Beobachtungen in Nordamerika und Europa zusammen. Der häufigste städtische Greifvogel in Österreich ist der Turmfalke (Falco tinnunculus), der von Sumasgutner und ihrem Team in einer Langzeitstudie in Wien seit 2010 erforscht wird.

In der aktuellen Studie zeigte sich nun, dass je grösser die Tiere sind, diese umso seltener in städtischer Umwelt anzutreffen sind. Die Forscher unter der Leitung des BirdLabs der Flinders University in Adelaide (Australien) sehen bei 13 untersuchten Greifvogel-Arten eine relativ grosse Toleranz gegenüber Städten. Elf meist grössere fliegende Beutegreifer scheinen diese hingehen zu meiden.

Seltene Adler- und Falkensichtungen

Gut im verbauten Gebiet kommen demnach vor allem die Östliche Schleiereule (Tyto javanica), die milanartigen Brahminenweihen (Haliastur indus) und Keilschwanzweihen (Haliastur sphenurus) oder der Australische Baumfalke (Falco longipennis) bzw. der Wanderfalke (Falco peregrinus) zurecht. Am seltensten materialisierten sich Sichtungen der grossen Arten Australiens, wie dem Keilschwanzadler (Aquila audax) und dem Habichtfalken (Falco berigora).

Generell tun sich in Australien Beutegreifer mit einem Gewicht zwischen 172 und 370 Gramm im verbauten Gebiet leichter. Greifvögel mit einem Gewicht zwischen 548 und 847 Gramm zeigten gemischte Reaktionen auf dieses Umfeld. All das zeige klar, dass verschiedene Spezies sehr unterschiedliche Fähigkeiten haben, vom Menschen beeinflusste Lebensräume zu besetzen, schreiben die Wissenschafter.

Weil der Mensch vielen eigentlich recht anpassungsfähigen Beutegreifern immer mehr von ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet nimmt, wäre es daher laut den Forschern umso wichtiger, deren Lebensräume besser zu schützen. Bei mehr als der Hälfte der Greifvogel-Arten weltweit werden mittlerweile abnehmende Bestände registriert. Das ist auch deshalb höchst problematisch, da die Jäger wichtige Funktionen im Ökosystem einnehmen, indem sie etwa die Verbreitung von Seuchen erschweren. (sda/apa)

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