Halloween-History-Porn: Grusel in 27 Wahnsinns-Bildern
Falls euch einige Bilder bekannt vorkommen, das kann sein, wir haben sie teils aus alten Grusel-Porns gefischt, um sie euch hier noch einmal in neuer Aufmachung zu servieren.
Katholizismus oder Metal?
Saint-Maximin-la-Sainte-Baume, Frankreich:
Der angebliche Schädel von Maria Magdalena, ausgestellt in einem funkelnden Reliquienschrein in der Basilika Saint-Maximin-la-Sainte-Baume.
Maria Magdalena ist eine der bekanntesten Frauen im Neuen Testament, als Begleiterin und Unterstützerin von Jesus beschrieben, als seine Geliebte oder – nach der eigenwilligen Lesart von Papst Gregor dem Grossen im Jahr 591 – als bekehrte Prostituierte.
Im Philippus-Evangelium, einem später verfassten Text, der nicht zum biblischen Kanon zählt, steht etwas von einem Kuss, aber wohin Jesus ihr den genau hingedrückt haben soll, kann leider nicht entziffert werden, weil ausgerechnet diese Stelle der Handschrift beschädigt ist. Züchtige Theologen lesen ihn aber sowieso symbolisch, als ganz und gar unschmierige Weitergabe von Erkenntnis.
In der Bibel wiederum lesen wir bloss, Jesus habe Magdalena sieben Dämonen ausgetrieben. Und dass sie die Allererste gewesen sei, die dem wiederauferstandenen Sohn Gottes begegnet ist. Darum galt sie der Kirche schon früh als «Apostelin der Apostel», die den anderen die frohe Kunde zu überbringen hatte.
Und darum hat sie auch diesen von vier Engeln getragenen, vergoldeten Schrein verdient, in dem man ihren Schädel eingebettet hat, hinter einer Glasscheibe und umkränzt von langem, goldenem Haar.
Ob es wirklich ihre Überreste sind, weiss niemand, weil die Kirche den Schrein fest verschlossen hält und damit eine genaue Datierung und DNA-Analyse verunmöglicht.
Dafür wird der Schädel mitsamt dem prunkvollen Schrein einmal im Jahr, um Magdalenas Festtag am 22. Juli, in einer Prozession durch die Strassen der provenzalischen Gemeinde getragen.
Hirnfressende Amöbe
Hier unter dem Rasterelektronenmikroskop. Die Naegleria fowleri ist ein winziger Einzeller, der in warmen Seen, Teichen oder Flüssen sein Dasein fristet. Auch in Industrie-Abwasser und schlecht gechlorten Pools kann er vorkommen, wo er sich Bakterien einverleibt. Ausser er findet seinen Weg in einen Menschen. Das geschieht ausschliesslich und auch nur in äusserst seltenen Fällen durch die Nase: Wenn man in besagtes Gewässer springt, taucht oder sich eine Nasenspülung mit Wasser gönnt, in dem die Amöben leben, können sie entlang des Riechnervs ins Gehirn vordringen.
Die primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) – eine Art eitrige Hirnhautentzündung – äussert sich mit Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von Krampfanfällen, Halluzinationen und Koma – und endet in über 97 % der Fälle mit dem Tod.
Das, was nach Mund und Augen der Amöbe aussieht, sind in Wirklichkeit sogenannte Fresskelche, mit denen sie Stücke aus den Nervenzellen des Gehirns herausbeisst. Nicht allein dieses Anknabbern (Trogozytose) ist das Tödliche, sondern die Abwehrreaktionen des eigenen Körpers, der in seiner Verzweiflung massenhaft Abwehrzellen ins Gehirn schickt. Dadurch schwillt das Gehirn gefährlich an, der Druck im Kopf wird so gross, dass lebenswichtige Gehirnareale eingeklemmt werden – Atmung und Kreislauf versagen.
Einsames Haus für zwischendurch
Alien-Frauenheilkunde
Leipzig, Königreich Sachsen, 1895:
Augenscheinlich waren die Gynäkologen und ihre Patientinnen im späten 19. Jahrhundert keine Menschen. Zumindest nicht im Lehrbuch «Die Heilgymnastik in der Gynaekologie und die mechanische Behandlung von Erkrankungen des Uterus und seiner Adnexe» (1895) von A. Jentzer und Maurice Bourcart aus Genf.
Es beschreibt eine Methode, Gebärmuttersenkungen mit Massagen und gezielten Übungen zu behandeln – und damit mit Berührungen, die man zu jener Zeit als unschicklich empfand.
Besser also, man stellte die Beteiligten gleich als geschlechtslose Aliens dar.
Orte des Endes
Schottland, 2009:
Der schottische Künstler Philip Braham macht keine Postkartenfotografie. Er hat Orte fotografiert, an denen sich Menschen das Leben genommen haben. Er schreibt, dass er von den Fällen aus der schottischen Presse erfahren hatte, in der dafür typischen verschlüsselten Sprache, die von «keinen verdächtigen Umständen» im Zusammenhang mit der Entdeckung der Leiche oder vom Fehlen von «Hinweisen auf Fremdeinwirkung» redet.
Braham begann, die Orte zu dokumentieren und behandelte sie wie heilige Stätten. Weil sie Bedeutung hatten für die Menschen, die sie für ihr Ende ausgewählt hatten. Ganz egal, ob sie nun durch Liebe, Stolz, Schuldgefühle oder Enttäuschung in die Verzweiflung getrieben worden waren.
Hexentanz
Paris, Frankreich, 1920:
Das Bild zeigt eine Szene aus dem französischen Stummfilm «Le Lys de la vie» (1920) der US-amerikanischen Tänzerin Loïe Fuller und ihrer Partnerin Gabrielle Sorère.
Stigmata
Konnersreuth, Bayern, Deutsches Reich, ab 1926:
Therese Neumann (1898–1962) war eine deutsche Bauernmagd, die regelrechte Wallfahrten auslöste. Gläubige umstanden am Karfreitag Resls Bett, um zu sehen, wie das Blut aus ihren sogenannten Stigmata rann, den angeblichen Wundmalen, die den Kreuzigungsverletzungen Jesu entsprechen. Sie weinte Bluttränen und blutete aus Handflächen, Füssen, aus einer Wunde an der Seite und aus neun Stellen am Kopf, die kranzförmig angeordnet waren. Dabei fiel sie in einen tranceartigen Zustand, in dem sie Visionen der Passion Christi empfing und dabei aramäische Worte sprach.
Das überzeugte vor allem einen pensionierten evangelischen Pfarrer, während ein römisch-katholischer Pfarrer es für das Ergebnis suggestiver Befragungen durch den Ortspfarrer hielt.
Sprich, Resl von Konnersreuth spaltete die Menschen weit über Bayern hinaus in mehrere Lager. Die einen hielten sie für eine Heilige, die anderen für eine Betrügerin, die dritten nannten sie eine «Hysterikerin», vermuteten also etwas, das man heute als dissoziative Störung bezeichnen würde.
Als sie 1962 an Herzversagen verstorben war, kamen über 10'000 Menschen an ihre Beerdigung. Über 40'000 Gläubige schrieben Briefe, in denen sie ein Seligsprechungsverfahren für Therese Neumann forderten, das die katholische Kirche 2005 begann, aber bis heute nicht abgeschlossen hat.
2006 kam eine rechtsmedizinische Studie zum Schluss, dass das Blut, das die noch lebende Resl in eine Kompresse geblutet hatte, auch tatsächlich von ihr stammte. Es war also kein Tierblut. Was aber bloss bewies, dass es ihr eigenes Blut war, nicht aber, wie die Blutung zustande gekommen war.
Der Kriminalbiologe Mark Benecke untersuchte seinerseits die Blutspuren auf ihren Kleidern und Fotos genauer, inspizierte deren Form und Lage und befand, dass diejenigen der Augen platziert und unnatürlich wirkten. Seine Nachstellungen ergaben, dass das Blut aus den Handflächen stammen und von da unter die Augen – die selbst keinerlei Verletzungen aufgewiesen hatten – geschmiert worden sei. Da ihre Handwunden sowieso dauerhaft entzündet waren, sei es für sie leicht gewesen, sie zur gebotenen Stunde zum Bluten zu bringen.
Die Mumien von Venzone
Italien, Venzone, 1950er:
«Il Gobbo di Venzone», der Bucklige von Venzone, war der erste, den man bei den Reparaturen am Dom Sant'Andrea 1647 versehentlich in seinem Grab störte. Vollständig ausgetrocknet lag er da, auf 15 Kilogramm geschrumpft, aus dem 14. Jahrhundert stammend. Danach fand man weitere Mumien; alle aus der Zeit zwischen 1348 und 1881 und alle perfekt konserviert.
Ein Werk der Natur, das man sich bis heute nicht eindeutig erklären kann; ein Forscher machte einen speziellen, Wasser entziehenden Gräberpilz dafür verantwortlich, ein anderer hielt den gut entwässerten Kalksteinboden für den Wundertäter, der hohe Gehalt an Calciumsulfat im Boden galt als dritter Mumienmacher.
Für die Menschen in Venzone spielte das aber sowieso nicht so eine Rolle. Für sie waren die Mumien keine Forschungsobjekte, sondern vielmehr Vorfahren und Hüter ihres Heimatortes, mit denen sie ihr Leben teilten. Jack Birns hat jene eigentümliche Beziehung in seinen Fotos fürs Life-Magazine festgehalten.
Eine Legende besagt, Napoleon habe sich bei seinem Durchmarsch gewünscht, hier begraben zu werden, um der Nachwelt erhalten zu bleiben.
Albino-Schwertschluckerin auf einer Kirmes
Maryland, USA, 1970:
Das Foto stammt von der US-amerikanischen Fotografin Diane Arbus, die aus der Modefotografie ausbrach, um Menschen zu fotografieren, die durchs gängige Schönheits- und Normalitätsraster fielen. Zirkusmenschen, die grösser oder kleiner waren als der Durchschnitt, Varietékünstler und Transfrauen, Nudisten, Zwillinge, andere exzentrische Individuen.
Eines der ikonischsten Bilder der Künstlerin ist «Identical Twins» aus dem Jahr 1967.
Und vielleicht versinnbildlicht es am besten, was Arbus umtrieb:
Hier als das andere im Gleichen erkennbar.
Und wiederum an diese beiden Mädchen in Kubricks «Shining» (1980) erinnernd …
Genitalwarzenkette
Aus dem Mütter Museum, Philadelphia, USA:
Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Sie hat niemals einen Hals geziert. Die Genitalwarzen aus dem 19. Jahrhundert wurden auf eine Schnur aufgefädelt, um sie besser studieren zu können. Die damalige Behandlung dieser fiesen Condylomata acuminata – auch Feigwarzen genannt – umfasste eine Injektion mit Kokain zur Schmerzlinderung und anschliessende Anwendung von Salpeter- oder Chromsäure, um sie wegzuätzen.
Moderne Behandlungen umfassen die Betäubung mit einem Lokalanästhetikum und die anschliessende Entfernung durch eine Operation, eine Kryotherapie (Vereisung), eine Elektrokoagulation oder eine Laserbehandlung.
Puppen
Paris, Frankreich, 1930er:
Hans Bellmer (1902–1975) sollte eigentlich Ingenieur werden und NSDAP-Mitglied wie sein tyrannischer Vater. Beides wollte er nicht und so verliess er Berlin, wo er als Werbegrafiker gearbeitet hatte, um sich in Paris voll und ganz der Kunst zuzuwenden. Er umgab sich mit Surrealisten und Dadaisten und begann damit, lebensgrosse Puppen aus Holz, Metall und Gips zu bauen, die er zerlegte und immer wieder neu zusammensetzte, so dass daraus verdrehte, verdoppelte Frauenkörper entstanden, erotisch aufgeladene, geschundene Frauenkörper, die er dann fotografierte. Seine Serie «La Poupée» lasen manche Zeitgenossen als Angriff auf das Körperbild der Nationalsozialisten, als eine künstlerische Dekonstruktion dieses gesunden, jungen Ideals. Den Nazis selbst galt seine Kunst als entartet.
Von feministischer Seite wurde und wird bis heute heftige Kritik an seinem Werk geäussert: Es sei gewaltverherrlichend, frauenfeindlich und sexualisiere einen kindlichen Körper – das Frauenbild der Surrealisten erschöpfte sich auch weitgehend in der gar nicht so avantgardistischen Vorstellung der femme enfant – einem jungen, verspielt kindlichen, irrationalen, schönen und mehrheitlich nackten Wesen, das als Muse die Kreativität und Schaffenskraft des Mannes anregt.
Hans Bellmer selbst sagte:
Als die Fotos 1934 erschienen, machten sie ihn in Paris auf einen Schlag berühmt.
Inspiriert worden ist der Künstler von E. T. A. Hoffmanns Erzählung «Der Sandmann» (1816), in der sich der Student Nathanael in Olimpia verliebt, eine wunderschöne junge Frau, die fortlaufend bloss «Ach, ach!» seufzt, besonders wenn er ihr seine schwärmerischen Gedichte vorträgt. Während die anderen alle merken, dass ihre Bewegungen zu mechanisch, ihr Verhalten ohne jede Lebendigkeit ist, sieht Nathanael ihr wahres Automatenwesen erst, als sie beim Streit um sie in ihre hölzernen Bestandteile zerbricht. Dann verfällt er endgültig dem Wahnsinn.
Ebendiese Spiegelfunktion erfüllen wohl auch Bellmers Puppen: Sie sind reine Projektionsfläche männlichen Begehrens, ohne eigene Innerlichkeit.
Totenmaske
USA, 1955:
Die Maske sollte die Gesichtsverletzungen der Verstorbenen bei ihrer Beerdigung verbergen.
Kriegsspiele
Barcelona, Spanien, 1936
Wenn Kinder Erschiessungskommando spielen. Das Bild spiegelt die Schrecken wider, die sie während des Spanischen Bürgerkrieges miterlebt haben müssen. Geschossen hat es der katalanische Fotograf Agusti Centelles Osso, auch der spanische Robert Capa genannt, in Anlehnung an den berühmten ungarisch-US-amerikanischen Kriegsreporter.
Doppelfehlbildung
Wyoming, USA, um 1950:
Ein ausgestopftes Lamm, das mit einem Kopf und zwei Körpern geboren wurde.
Galgentafel
Bolling Field Militärflugplatz, Washington D.C., USA, 1946:
General Henry H. Arnolds morbid dekorierter Esstisch – vermutlich eine Anspielung auf die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes, die sich in Nürnberg vor Gericht verantworten mussten.
Familienbild
Palm Beach, Florida, USA, 1996:
Donald Trump mit seiner damals 15-jährigen Tochter Ivanka in Mar-a-Lago.
