Wissen
International

Welche Länder die russischen Scheinreferenden abnicken könnten

Welche Länder die russischen Scheinreferenden abnicken könnten

22.09.2022, 05:5322.09.2022, 05:53

Russlands Präsident Wladimir Putin reagiert auf die Niederlagen im Osten der Ukraine. Er unterzeichnete gestern Morgen eine Teilmobilmachung von Reservisten. Laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu handelt es sich dabei um 300’000 kampferprobte Russen, die schon bald im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden sollen.

Ebenfalls als Reaktion gelten die angekündigten Referenden – in der Folge aufgrund der irregulären Verhältnisse Scheinreferenden genannt. Innerhalb weniger Tage, vom 23. bis 27. September, soll in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten das verbliebene Volk über einen Beitritt zu Russland abstimmen. Dies in den Gebieten Donezk und Luhansk im Osten, aber auch Cherson und Saporischschja im Süden.

Präsident Wladimir Putin und Nachtwölfe-Chef Alexander Saldostanow auf der Krim.
Wladimir Putin und Nachtwölfe-Chef Saldostanow 2010 auf der Krim. Bild: Keystone/EPA

Enden die Scheinreferenden mit dem von Moskau erwünschten Resultat, wird Putin die Möglichkeit nutzen, das Kriegsnarrativ in Richtung «Selbstverteidigung» zu drehen: «Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht wird, werden wir zum Schutz Russlands und unseres Volkes unbedingt alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Das ist kein Bluff», kündigte er heute an. Dr. Claudia Major, Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik in der Stiftung Wissenschaft und Politik in Deutschland, erklärt gegenüber dem «Stern»: «Wenn sie das als russisches Territorium benennen, nach solch einem Pseudo-Referendum, dann könnte Russland den Einsatz von Atomwaffen rechtfertigen».

Die internationale Gemeinschaft verurteilt Moskaus Massnahmen beinahe geschlossen und aufs Schärfste. Doch es gibt Ausnahmen. Als mögliche Kandidaten, die aus dem Konsens ausscheren könnten, stechen vor allem zwei Staaten heraus: Nordkorea und Syrien.

Nordkorea und Syrien sind die einzigen Staaten, welche die Unabhängigkeit von Luhansk und Donezk offiziell anerkennen. Die beiden Oblaste im Donbass riefen im Mai 2014 zur Volksabstimmung. In beiden Regionen (Luhansk 96 %, Donezk 89 %) wurden die Unabhängigkeitsreferenden angenommen. Der Urnengang fand ohne internationale Beobachtung statt. Bis der erste Staat ausser Russland den Status anerkannte, dauerte es aber bis 2022. Im Februar dieses Jahres erklärte der syrische Aussenminister Faisal Mekdad, Syrien unterstütze Wladimir Putins Entscheidung, die Republiken Luhansk und Donezk als unabhängig anzuerkennen. Im Juli 2022 zog Nordkorea in einem Schreiben nach. In beiden Fällen brach die Ukraine die diplomatischen Beziehungen ab.

Eine etwas breitere Unterstützung gibt es bei der Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet. Zu diesem Schritt – oder wenigstens zu offiziellen, aber nicht verbindlichen Wortmeldungen in die Richtung – haben sich Staatspersonen der folgenden Länder bewogen: Armenien, Belarus, Bolivien, Burundi, Kambodscha, Kuba, Laos, Myanmar, Nicaragua, Nordkorea, Sudan, Syrien, Venezuela und Simbabwe.

Bild
bild: shutterstock/watson

Nach der russischen Besetzung der Krim sprach sich im März 2014 die wahlberechtigte Bevölkerung der Krim per Referendum zum Beitritt zu Russland aus. Laut den Organisatoren der Abstimmung haben sich 95 Prozent der Bevölkerung entsprechend entschieden. Elf Tage später, am Tag, als das Referendum von den Vereinten Nationen als ungültig erklärt wurde, anerkannte Nicaragua die Krim als russisches Staatsgebiet. Im Dezember desselben Jahres besuchten Offizielle aus Simbabwe als erste Nicht-Russen seit der Annexion die Krim. Dies, um Ratschläge zu erteilen, wie mit internationalen Sanktionen umzugehen sei.

(tog)

Prominenter Student – Rapper Yung Hurn auf dem ETH-Campus

Video: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ukraine-Krieg: die Akteure im Überblick
1 / 14
Ukraine-Krieg: die Akteure im Überblick
Durch Russlands Angriff auf die Ukraine in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar, ist die jahrelange Ukraine-Krise von einem blossen Konflikt zum Krieg geworden. Wer die wichtigsten Beteiligten sind, erfährst du hier:Wladimir Putin ist seit 2000 (mit Unterbrechung von 2008 bis 2012) Präsident von Russland. Er sieht die Stabilität seines Systems seit den frühen Jahren seiner Präsidentschaft durch den Westen bedroht und will verhindern, dass die Ukraine Nato-Mitglied wird und eine westlich orientierte Demokratie aufbaut. Am 24. Februar befahl Putin schliesslich den Angriff auf die Ukraine. Offizielle Leitmotive für den Krieg sind die «Demilitarisierung und Entnazifizierung». ... Mehr lesen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie fallende Sterne – Video zeigt, wie Brandbomben ukrainisches Dorf zerstören
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Studie zeigt: Deshalb sind Softdrinks so ungesund
Cola, Limo, Energydrinks: Der Konsum von zuckerhaltigen Softdrinks ist hoch. Ebenfalls hoch ist das damit verbundene Diabetesrisiko.
Süsse Getränke sind für viele Menschen eine der Hauptquellen für zugesetzten Zucker. Nur wenigen ist bewusst, dass Softdrinks nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern langfristig auch das Diabetesrisiko in die Höhe treiben. Studien zeigen, dass der Verzicht auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 senken kann.
Zur Story