Robin Hood soll sich darin versteckt haben: Jetzt ist Englands wohl berühmteste Eiche tot
Die «Major Oak», wie die Eiche genannt wird, ist wohl tot. Diesen Frühling bildete sie zum ersten Mal keine Blätter, weshalb Experten glauben, dass der Baum abgestorben ist.
Die Eiche wird auf rund 1200 Jahre geschätzt und gehört zu den grössten im Land. Sie zog über die Jahrhunderte Millionen von Touristen an, weil sie auch mit der Legende um Robin Hood in Verbindung gebracht wird. Demnach soll der König der Diebe den hohlen Stamm der Eiche als Versteck genutzt haben. Dieser Hohlraum ist durch einen Pilz entstanden.
Zum Touristenmagnet wurde die Eiche, nachdem ein ehemaliger britischer Soldat, der in der Nähe des Waldes wohnte, sie in einem Buch erwähnte. Das war 1790. Und vielleicht auch der frühe Anfang vom Ende.
Der Mensch meinte es gut
Eine eindeutige Todesursache gibt es nicht. Die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), die sich um den Wald kümmert, glaubt jedoch an verschiedene Ursachen. Die folgenschwersten dürften die hohe menschliche Aktivität und gut gemeinte bauliche Massnahmen rund um die Major Oak gewesen sein.
Erst 1970 wurde um die Eiche, deren Stamm einen Umfang von rund elf Meter hat, ein Zaun errichtet, damit niemand mehr in den Hohlraum kriechen konnte.
Doch die Menschen, die den Baum besuchten, hatten den Boden so platt gedrückt, dass das Regenwasser schlechter versickern konnte. Jüngste Untersuchungen zeigten, dass der Boden nährstoffärmer und dichter, die Wurzeln kleiner und schwächer waren als bisher angenommen.
Im Laufe der Jahre wurde auch versucht, dem Baum zu helfen, indem grössere Äste gestützt wurden – mit Metallverstrebungen, Beton und Abdeckungen. Gemäss RSPB wurde damit spätestens 1904 angefangen. Auch wenn das gut gemeint war, dürfte auch das zum Niedergang beigetragen haben. Man wusste es einfach nicht besser, als man Wunden am Baum mit Bleiplatten und später mit Fiberglasplatten verdeckte oder Löcher am Fuss des Stamms mit Beton füllte. Der Baum wurde auch mit giftiger, feuerhemmender Farbe bestrichen.
Durch den Klimawandel ausgeprägte Hitzewellen und Trockenheitsphasen in den jüngsten Jahren dürften dem Baum schliesslich den Rest gegeben haben.
Zwar gab es in den letzten Jahren noch Bemühungen, den Boden künstlich zu bewässern und aufzulockern, doch diese Massnahmen kamen wohl zu spät. Schon im vergangenen Jahr nahm die Dichte an Blättern ab.
Aus dem Fall der Robin-Hood-Eiche will man nun Lehren für andere Naturgebiete ziehen. Zudem ist die Geschichte der Eiche noch nicht zu Ende erzählt: Auch wenn der Baum tot ist, wird er noch über Jahre dort stehen. Während er langsam verrottet, dient er verschiedensten Arten als Lebensraum.
Ausserdem wurden schon in der Vergangenheit aus Eicheln und Stecklingen des Baumes Setzlinge gezogen und in der ganzen Welt gepflanzt. Diese sollen nun umso dringender geschützt werden.
Für Robin-Hood-Fans ist es ein herber Schlag. Erst 2023 haben zwei Männer in Northumberland einen Bergahorn gefällt, der durch den Film «Robin Hood – König der Diebe» weltbekannt wurde. Auch er mutierte zu einem Touristenmagnet. Die beiden Männer wurden 2025 zu Gefängnisstrafen verurteilt. Vor Gericht hatten sie angegeben, den Baum in «betrunkener Dummheit» gefällt zu haben.
