12 Grad wärmer? Wie stark Klimaanlagen Städte wirklich aufheizen
Klimaanlagen sind laut der Professorin für nachhaltige und resiliente Städte an der Universität Nottingham, Lucelia Rodrigues, keine nachhaltige Lösung während Hitzewellen. Das sagte sie in einem Interview mit Channel 4 News.
Zwar würden sie Innenräume abkühlen, die Wärme aber gleichzeitig nach draussen abführen. Dadurch verstärken sie laut Rodrigues den städtischen Wärmeinseleffekt, wodurch die Temperaturen in Städten um bis zu 12 Grad steigen könnten. Zudem würden Klimaanlagen den Klimawandel weiter verschärfen.
Behauptungen stossen auf Widerspruch
Auf der Plattform X widersprechen User Rodrigues' Aussagen. Dass Klimaanlagen die Aussentemperatur in Städten um 10 bis 12 Grad erhöhen, werde von Studien nicht gestützt. So hätten etwa Untersuchungen aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gezeigt, dass es tagsüber praktisch keinen und nachts einen Temperaturanstieg von rund einem Grad gebe. Eine Studie aus Tokios Bürovierteln komme auf einen Effekt von 1 bis 2 Grad.
Klimaanlagen können schmale Strassen bis zu 10 Grad aufheizen
Wie stark Klimaanlagen ihre Umgebung tatsächlich aufheizen, hängt laut dem Stadtplaner und Designer Clément Gaillard von den örtlichen Gegebenheiten ab. So habe eine Studie aus dem Jahr 2020 geschätzt, dass die Klimatisierung von ganz Paris die Lufttemperatur im Stadtzentrum während einer Hitzewelle nur um 0,25 bis 0,75 Grad erhöhe.
Eine Studie von 2025 komme jedoch zum Schluss, dass in sehr schmalen Strassen mit zur Strasse gerichteten Klimaanlagen lokal Temperaturanstiege von bis zu 10 Grad möglich seien – je nach Windrichtung.
Gaillard führt die unterschiedlichen Ergebnisse auf verschiedene Untersuchungsmethoden und einen unterschiedlichen räumlichen Massstab zurück: Während Stadtmodelle den durchschnittlichen Effekt für eine ganze Stadt berechnen würden, zeige die neuere Studie, dass die Auswirkungen von Klimaanlagen auf öffentliche Räume stark von den Gegebenheiten in einzelnen Strassen abhängen würden.
Der hohe Temperaturanstieg gelte zudem nur, wenn die Schläuche der Klimaanlagen zur Strasse ausgerichtet seien. Wenn die Aussengeräte auf Dächern installiert seien, falle der zusätzliche Erwärmungseffekt dagegen gering aus.
Gaillard betont, dass Klimaanlagen zwar einen wichtigen Beitrag zum Hitzeschutz leisten würden, bei ihrer Planung jedoch auch Auswirkungen auf das Stadtklima und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum berücksichtigt werden sollten.
