Zwei Minuten? Fehlanzeige! So schlampig putzt die Schweiz die Zähne
Zwei Minuten, zweimal täglich – das predigt jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt seit der Primarschule. Trotzdem hält sich ein grosser Teil der Schweiz nicht daran, wie eine neue Studie im Auftrag von Oral-B zeigt. Und ausgerechnet die Generation, die sonst jeden Lebensbereich optimiert, patzt am meisten.
Die Zahlen: 54 Prozent putzen nach wie vor von Hand, nur 28 Prozent nutzen eine elektrische Rotationszahnbürste, 17 Prozent eine Schallzahnbürste. Hauptgrund für die Handzahnbürste: schlicht Gewohnheit (53 Prozent), gefolgt von der Überzeugung, damit genauso gründlich zu putzen (39 Prozent).
Wer elektrisch putzt, nimmt es nachweislich ernster: Nur 20 Prozent bleiben regelmässig unter der empfohlenen Putzzeit, bei Handzahnbürsten sind es 29 Prozent.
Bei der Zahnseide harzt es generell: Nur gut ein Viertel der Befragten nutzt sie täglich. Auch hier zeigt sich der Röntgenblick auf die Putzgewohnheiten: Wer elektrisch putzt, greift deutlich häufiger zur Zahnseide (33 Prozent) als Handzahnbürsten-Nutzerinnen und - Nutzer (21 Prozent) – wer sich schon bei der Bürste Mühe gibt, tut das offenbar auch beim Rest der Routine.
Besonders auffällig: die Generation Z. 36 Prozent der 16- bis 29-Jährigen bleiben meist unter zwei Minuten – bei den 60- bis 74-Jährigen sind es nur 16 Prozent. Auch beim Gründlichkeits-Anspruch hinkt die Jugend hinterher (47 gegenüber 69 Prozent), Zahnfleischbluten bei jeder Reinigung berichten 16 Prozent der Jungen, aber nur 2 Prozent der Älteren. Ironie am Rande: Ausgerechnet die technikaffine junge Generation greift nicht häufiger zur elektrischen Bürste – der Preis schreckt ab.
Auch geografisch gibt es ein Gefälle: In der Westschweiz putzen 36 Prozent meist unter zwei Minuten, in der Deutschschweiz sind es 21 Prozent. Die Handzahnbürste ist in der Romandie mit 65 Prozent deutlich verbreiteter als in der Deutschschweiz (51 Prozent).
Zahnarzt Daniel Grotzer ordnet das Ganze auch gesundheitlich ein: «Schlechte Zahnpflege ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern ein systemisches Gesundheitsrisiko» – sie wirke sich auf Entzündungswerte, Herzinfarkt-Risiko, Blutzucker und Immunsystem aus.
Geputzt wird vor allem abends: 72 Prozent putzen vor dem Schlafengehen, aber nur 47 Prozent direkt nach dem Aufstehen oder nach dem Essen. Vor einem Date greifen nur 32 Prozent zur Bürste – Frauen deutlich häufiger als Männer.
Apropos Date: Mundgeruch ist für nur rund jede vierte Person überhaupt ein Grund, zwischendurch nochmals zur Bürste zu greifen (24 Prozent) – dabei bewerten Frauen und Männer das Thema komplett unterschiedlich. 61 Prozent der Frauen werten schlechten Atem als Zeichen von Nachlässigkeit, bei den Männern sind es nur 51 Prozent. Generell fallen die Urteile der Männer milder aus: Mundgeruch, stark verfärbte oder auch extrem weisse Zähne bewerten sie tendenziell weniger streng als Frauen. Nur bei schiefen Zähnen und Zahnlücken ist es umgekehrt – da zeigen sich die Frauen toleranter. (pre)
