Lugano reitet auf einer Erfolgswelle – langsam, aber sicher der grösste Meisterkandidat
Wie bereits am vergangenen Sonntag in Sion zeigte der FC Lugano am Donnerstagabend gegen Servette keine herausragende Leistung, hatte aber das Glück des Tüchtigen auf der eigenen Seite. Während die Grenats in der ersten Halbzeit einen Elfmeter verschossen, traf in der 94. Minute ausgerechnet Neuzugang Albian Ajeti.
Neues Stadion verleiht Flügel
Der Jubel im neugebauten Cornaredo war nach dem 1:0 grenzenlos und auch Trainer Mattia Croci-Torti sprintete zur Mannschaft, die vor der Fankurve feierte. Nach dem fünften Sieg im fünften Spiel ist Lugano wieder Leader und dies mit einer absolvierten Partie weniger als Titelfavorit YB.
Bei den Tessinern scheint aktuell alles zu passen und das neue Stadion scheint ihnen zusätzlich Flügel zu verleihen. Der Zuschauerschnitt steigt und auch Croci-Torti merkt, dass in Lugano eine Euphorie herrscht. «Ab der 75. Minute haben sie uns unglaublich angefeuert. Bei einem Spiel unter der Woche 5755 Zuschauer zu haben, bedeutet, dass die Leute an diese Mannschaft glauben», sagte der langjährige Trainer der Luganesi an der Pressekonferenz nach der Partie.
Nicht nur jedes Meisterschaftsspiel konnte Lugano im neuen Stadion gewinnen. Es siegte auch in den Heimspielen der Conference-League-Qualifikation und gewann das Cupspiel gegen das unterklassige Vedeggio.
Routinierte Schlüsselspieler und geschickte Transfers
Der Kern der Mannschaft ist auf die neue Saison hin ähnlich geblieben und Spieler wie Renato Steffen oder Anto Grgic scheinen sich in der Schweizer Sonnenstube durchaus wohlzufühlen. Dazu hat sich der Super-League-Leader auch richtig verstärkt. Zwar zahlte Lugano beispielsweise für den 18-jährigen Dereck Moncada gemäss Transfermarkt drei Millionen Euro, aber der Youngster aus Honduras schlug voll ein.
Durch einen Geniestreich im Rückspiel der Conference-League-Playoffs schoss Moncada die Tessiner gegen Maccabi Tel-Aviv in Unterzahl in die Ligaphase. Auch in der Meisterschaft brilliert der Offensivspieler und traf in fünf Einsätzen bereits dreimal.
Wie sehr beim dreifachen Schweizer Meister aktuell alles zusammenpasst, zeigt auch das Beispiel von Albian Ajeti. Erst in dieser Woche wechselte der Stürmer von Ligakonkurrent Basel in den Süden und traf gleich nach seiner Einwechslung in der Nachspielzeit. Im gesamten bisherigen Kalenderjahr traf der 29-Jährige zuvor erst einmal in einem Pflichtspiel.
Besondere Partie wartet auf Ajeti
Auch wenn Ajeti gemäss Croci-Torti noch nicht bei hundert Prozent ist, hat er schon für positive Eindrücke gesorgt. Der Trainer sagt über den Neuzugang: «Wir brauchen Leute, die hierherkommen wollen und hungrig sind. Albian hat bewiesen, dass er diesen Hunger hat, und heute hat er gezeigt, dass er im Sechzehner spielen kann.»
An diesem Sonntag kehrt Ajeti bereits nach Basel zurück, wo der FCB auf den souveränen Leader trifft. Über 90 Minuten wird der elffache Nationalspieler nicht zum Einsatz kommen, aber nach seinem Traumdebüt hat er wohl genügend Argumente für weitere Minuten gesammelt.
Lugano weiss im Meisterrennen die Statistik hinter sich: Dass ein Team in der Super League mit fünf Siegen in die Saison gestartet ist und danach nicht den Pokal in die Höhe stemmen konnte, ist bereits einige Jahre her. In der Spielzeit 2013/14 konnte YB ebenfalls die ersten fünf Partien für sich entscheiden, beendete die Saison aber nur auf dem dritten Platz und hatte am Schluss 13 Zähler weniger auf dem Konto als der Meister FC Basel.
