Wissen
Schweiz

Wie abhängig machen Schlafmittel? Sucht Schweiz warnt: Die Aufhörversuche erfolgen oft zu spät

8 Fakten zum Schlaf- und Beruhigungsmittelkonsum.YouTube/watson

Wie abhängig machen Schlafmittel? Sucht Schweiz warnt: Die Aufhörversuche erfolgen oft zu spät

23.06.2015, 20:5724.06.2015, 10:19

Über drei Prozent der Bevölkerung nehmen täglich oder fast täglich Schlaf- oder Beruhigungsmittel ein – und dies oft länger als ein Jahr lang. Vor allem ältere Menschen und Frauen greifen zu den Pillen. Sucht Schweiz warnt vor dem Abhängigkeitspotenzial solcher Medikamente.

Das Suchtpotential von Schlaf- und Beruhigungsmitteln wurde bislang unterschätzt – darauf macht Sucht Schweiz aufmerksam.
Das Suchtpotential von Schlaf- und Beruhigungsmitteln wurde bislang unterschätzt – darauf macht Sucht Schweiz aufmerksam.Bild: Tetra images RF

Sorgen bereitet der Organisation, dass Betroffene häufig Benzodiazepine oder ähnliche Medikamente einnehmen, wie sie am Dienstag mitteilte. Bei längerer Einnahme bergen diese ein hohes Abhängigkeitsrisiko und teilweise gravierende Nebenwirkungen, wie Sucht Schweiz schreibt.

Unbestritten sei, dass die Mittel in vielen Fällen wirksam und hilfreich sind. So kommen sie etwa bei Schlaf- und Angststörungen sowie bei der Vorbereitung von chirurgischen Eingriffen zum Einsatz. Bei einer Langzeiteinnahme könnten aber etwa Störungen der Bewegungskoordination sowie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsprobleme auftreten. Ältere Menschen haben ein höheres Risiko zu Stürzen.

Therapie rechtzeitig beenden

Forschende von Sucht Schweiz machen in einem Beitrag in der französischen Fachzeitschrift «Dépendances» auch auf die Probleme beim Absetzen psychoaktiver Medikamente aufmerksam. Dies sei bisher unterschätzt worden.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Aufhörversuche oft zu spät erfolgen und nicht mehr einfach zu bewerkstelligen sind. Das Ende der Therapie müsse frühzeitig vorbereitet werden. Problematisch ist ein abruptes Absetzen nach längerer Zeit, da schwere Entzugssymptome auftreten können.

Ärztinnen, Apotheker und Patientinnen bräuchten mehr Informationen praktischer Art, folgern die Forscher. Der Medikamentenmissbrauch sei immer noch ein Tabu. Daneben sei auch eine strengere Verschreibungspraxis zu prüfen.

Die Veröffentlichung basiert auf Daten aus dem Suchtmonitoring Schweiz. Dieses wurde 2011 vom Bundesamt für Gesundheit lanciert. Es soll repräsentative Daten der Schweizer Wohnbevölkerung zum Thema Sucht und Konsum psychoaktiver Substanzen zusammentragen. (viw/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Unter den Apenninen treibt ein «tektonischer Reissverschluss» Erdbeben an
Geologische Analysen zeigen, dass sich unter dem Apennin-Gebirgszug die Erdkruste spaltet. Dieser Prozess ist der entscheidende Motor für die Erdbeben in Italien.
Erdbeben sind eine Geissel Italiens – im Schnitt kommt es in unserem südlichen Nachbarland alle vier Jahre zu einem Erdbeben mit einer Magnitude von 5,5 oder höher. Der italienische Stiefel liegt auf einem tektonischen Pulverfass – hier stossen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Im Süden der Halbinsel schiebt sich die Afrikanische Platte unter die Europäische, während im Osten der Adriatische Sporn gegen Norden drückt.
Zur Story