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2000 Jahre alte Schildkröte – warum ihre Überreste so besonders sind

Bei Ausgrabungen in Pompeji haben Forscher Überreste einer 2000 Jahre alten Schildkröte gefunden. Ihr Panzer ist nach dem Ausbruch des Vesuvs fast unbeschädigt – genauso wie ihr Ei, welches sie vor ihrem Tod nicht legen konnte.
27.06.2022, 17:3427.06.2022, 18:19

Forscher entdeckten Panzerstücke und das Köpfchen einer fast 2000 Jahre alten Schildkröte. Und mittendrin: ein Ei. Ein Schildkrötenei, welches nie gelegt wurde – und sich immer noch in der Schildkröte befand.

Es ist kein gewöhnlicher Fund, den Archäologen bei Ausgrabungen in der einstigen antiken Stadt unerwartet gemacht haben. Denn: «Der Fund wirft ein neues Licht auf die letzten Jahre Pompejis und die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Erdbeben», sagt Gabriel Zuchtriegel, der an den Ausgrabungen beteiligt war.

Die Entdeckung einer 2000 Jahre alten Schildkröte.
Die Entdeckung einer 2000 Jahre alten Schildkröte.bild: facebook/Pompeii - Parco Archeologico

Die kleine Landschildkröte lebte laut den Forschern nach dem Erdbeben im Jahr 62 n. Chr. in der süditalienischen Stadt, als diese allmählich wieder aufgebaut wurde. Die Schildkröte soll heimlich in eine Werkstatt eingedrungen sein, um sich dort eine Höhle zu graben – und ihr Ei zu legen.

Das Schildkrötenei, welches nie gelegt wurde.
Das Schildkrötenei, welches nie gelegt wurde.bild: facenbook/Pompeii - Parco Archeologico

Todesursache im Zusammenhang mit der Geburt

Dieser Versuch soll allerdings misslungen sein, was möglicherweise ihren Tod verursachte, teilt die italienische Anthropologin Valeria Amoretti mit. «Die Tatsache, dass die Schildkröte ihr Ei noch zurückhielt, zeigt, dass sie umgekommen ist, noch bevor sie einen sicheren Platz gefunden hat», erklärt Archäologe Gabriel Zuchtriegel.

«Die Schildkröten sterben lieber, als dort Eier zu legen, wo die Umgebung nicht angenehm ist.»
Archäologe Gabriel Zuchtriegel

Laut den Wissenschaftlern besitzen Schildkröten eine besondere Eigenschaft: Sie können Eier zurückhalten – wenn sie keinen geeigneten Platz finden können, um sie auszutragen. Dies könne dann tödlich enden, da die Tiere dann «lieber sterben, als ihre Eier in einer ungeeigneten Umgebung auszutragen».

Die Überreste des Schädels.
Die Überreste des Schädels.bild: facebook/Pompeii - Parco Archeologico

Es sei nicht die erste Entdeckung von Schildkröten in Pompeji, doch normalerweise seien diese in Gärten gefunden worden, teilte das Archäologenteam mit. Diese Schildkröte suchte Unterschlupf in einer Werkstatt, als die Stadt wegen des Erdbebens in Trümmern lag und viele Häuser wiederaufgebaut wurden.

Der Fund fotografiert aus der Vogelperspektive.
Der Fund fotografiert aus der Vogelperspektive.bild: facebook/Pompeii - Parco Archeologico

Niemand hatte die Schildkröte zu dieser Zeit entdeckt. Und genau dies macht sie so besonders.

Seit 79 n. Chr. unter Trümmern

«Dieser Fund erlaubt uns, über Pompeji nach dem Erdbeben nachzudenken», so Zuchtriegel. «Offenbar waren bestimmte Orte so wenig genutzt, dass wilde Tiere umherstreifen, eindringen und versuchen konnten, ihre Eier abzulegen».

Später wurde aus dem Gebäude ein öffentliches Bad, das durch den Vulkanausbruch im Jahr 79 n. Chr. wieder zerstört wurde. Als der Vesuv explodierte, begrub der Vulkan die Stadt und die Schildkröte unter Trümmern. (cst)

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8 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sprachrohr
27.06.2022 17:53registriert Juli 2020
«Offenbar waren bestimmte Orte so wenig genutzt, dass wilde Tiere umherstreifen, eindringen und versuchen konnten, ihre Eier abzulegen».

Vielleicht waren manche Römer auch einfach hinreichend tierlieb, um eine aufgefundene verirrte, harmlose Schildkröte nicht gleich zu Suppe zu verarbeiten. Oder sie wollten ihr sogar bewusst ein Plätzchen überlassen. Oder sie sperrten sie versehentlich oder bewusst ein, so dass sie keinen geeigneten Eiablageort mehr fand. All das machen wir ja heute auch nicht anders, oder?
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Konserve
27.06.2022 20:18registriert Mai 2022
„Die Schildkröte soll heimlich in eine Werkstatt eingedrungen sein, um dort jemandem ein Ei zu legen.“

Es handelte sich demnach also um eine kriminelle Schildkröte, mit subversiven Absichten. Dieser Gabriel Zuchtriegel scheint eine blühende Fantasie zu haben, aber die habe ich auch. Ich finde sein Nachname klingt irgendwie phallisch. :-)
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