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Pyroplastik
Turner et al., Science of the Total Environment (2019)

Von blossem Auge nicht von normalen Steinen zu unterscheiden: Pyroplastik. Bild: Turner et al., Science of the Total Environment

Pyroplastik – diese neuentdeckte Form von Plastikmüll sieht aus wie Steine



Plastikmüll ist eine Plage, derer wir uns in den letzten Jahren verstärkt bewusst geworden sind. In den Ozeanen treiben riesige Mengen Plastik – und manches davon wird Jahrhunderte brauchen, um sich zu zersetzen. Als wäre das noch nicht schlimm genug, schlagen nun Wissenschaftler im Fachmagazin «Science of the Total Environment» Alarm: Sie sind auf Plastikmüll gestossen, der sich kaum von Steinen unterscheiden lässt – und der teilweise mit Schwermetallen belastet ist.

Der Umweltwissenschaftler Andrew Turner von der University of Plymouth untersuchte die eigenartigen «Steine», nachdem Umweltschützer aus Cornwall ihn darauf aufmerksam gemacht hatten. Nach einem Aufruf in den sozialen Medien erhielt er zahlreiche Exemplare von solchen «Plastiksteinen», die er «Pyroplastik» nennt. Sie waren vor allem an der südwestlichen Küste von England, aber auch an den Küsten von Schottland, Irland und sogar an der kanadischen Westküste gefunden worden – mitunter selbst an Orten, an denen man keine Steine erwartet hätte.

Pyroplastik entsteht vermutlich durch die Verbrennung von Plastik (daher der Name), wobei die verformten und verfärbten Reste danach durch starke Verwitterung allmählich das Aussehen von Steinen annehmen. Im Gegensatz zu diesen schwimmen manche Plastiksteine aber auf dem Wasser. Und sie zersetzen sich – im Vergleich zu geologischen Zeiträumen – in relativ kurzer Zeit, wobei Mikroplastik entsteht. Dieses sammelt sich im Organismus von Meeresbewohnern an und gelangt auch in den menschlichen Körper.

Entstehung von Pyroplastik.
Turner et al., Science of the Total Environment, 2019

Durch Verbrennung und Verwitterung entsteht aus Plastik Pyroplastik. Bild: Turner et al., Science of the Total Environment

Die chemische Analyse der Plastiksteine zeigte, dass Pyroplastik nahezu vollständig aus Polyethylen und Polypropylen besteht, den zwei am häufigsten verwendeten Kunststoffen. Daneben fand Turner aber auch Spuren von Blei, oft zusammen mit Chrom. Dies dürften Reste von giftigem Bleichromat sein, das vor Jahrzehnten dem Plastik zugesetzt wurde, um leuchtende Farben zu erzeugen.

Da diese toxischen Substanzen dem Plastik zumindest in den Industrieländern schon lange nicht mehr beigegeben werden dürfen, ist ihr Vorhandensein im Pyroplastik ein Indiz dafür, dass es schon vor längerer Zeit in die Umwelt gelangt ist. Problematisch ist jedoch vor allem, dass solche giftigen Stoffe in die Nahrungskette gelangen können.

Sorgen bereitet Turner aber auch, dass wir womöglich die Menge des angespülten Plastikmülls massiv unterschätzen – weil wir einen Teil davon gar nicht als solchen erkennen, sondern für Steine halten. «Weil sie wie geologisches Material aussehen, könnte man über hunderte von ihnen hinweggehen und es gar nicht bemerken, sagte der Forscher dem Magazin «National Geographic».

(dhr)

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 27.08.2019 02:15
    Highlight Highlight An den abgelegensten Stränden findet man PET Flaschen, Plastikfetzen, alte Reifen, Fetzen von Fischernetzen, Fässer usw. Viele große Touristenorte entleeren nachts ihre Klärtanks ins Meer. Wir Menschen machen aus unseren Meeren eine Kloacke.
  • Em Den 26.08.2019 22:58
    Highlight Highlight Es gibt zwei Sachen, die mich extrem aufregen:
    1. Wo sind alle Leute, die hier und sonst wo über Plastik motzen? Wenn ich einkaufen gehe, fühle ich mich wie ein Depp, da ich meistens der Einzige bin, der Gemüse und Früchte in eine selbstgebrachte Tasche steckt. Vor allem ältere Leute nehmen für jedes Produkt ein separates Plastiksäckli.
    2. Alle machen sich lustig über FFF und Greta. Sie fordern nicht nur Verzicht auf Fliegen und Fleisch sondern auch weniger Konsum und Verbote für Plastiksäckli. Aber ja, man kann nichts machen.
  • Cirrum 26.08.2019 21:34
    Highlight Highlight Unglaublich wie wir unsere Welt mit hemmungslosem Konsumismus in kurzer Zeit zerstören. Mit Sachen die uns nicht mal nachhaltig glücklich machen.. Viel mehr gibt die Natur und ihre Schönheit, aber für die scheinen viele blind zu sein und leben bedenkenlos, oberflächlich und egoistisch..
  • landre 26.08.2019 18:37
    Highlight Highlight Na ja, man lernt schon in der Unterstufe dass Materie sich den Einflüssen anpassen muss, "Pyroplastik" oder die schön runden Steinen am Meer, See oder Fluss inbegriffen. Die chemischen "Mikro" Einflüsse sollten uns aber mindest so besorgen oder beschäftigen.
  • plaga versus 26.08.2019 18:03
    Highlight Highlight Da kommen eine Menge Probleme auf meine Kinder zu. Hoffentlich irgendwie lösbare...
    • hiob 26.08.2019 18:25
      Highlight Highlight deine kinder werden es noch schön haben, aber sie sollten nicht selber kinder kriegen. der menscheit zu liebe müsste kinderkriegen illegal werden. aber wird eh nicht passieren.
  • hiob 26.08.2019 17:58
    Highlight Highlight glaubt irgendjemand allen ernstes noch, dass die menschheit die nächsten paar hundert jahre überlebt? so zu denken muss wahnsinnig schön sein.
  • Rasti 26.08.2019 17:56
    Highlight Highlight Überraschts jemanden? In der 2. Klasse wurde uns schon Schlacke gezeigt, die wie Steine aussah...
  • Ich bin so klug 26.08.2019 17:47
    Highlight Highlight Alle handelsüblichen Kunststoffe ausser PE & PP haben eine höhere Dichte als Wasser, deswegen schwimmen auch nur diese beiden (Ausser mit Füllstoffe wie z.B. Glas oder Steinmehl / andere Kunststoffe geschäumt oder mit anderwärtigen Hohlräumen).

    Die Meldung dünkt mich jedoch nicht neu, vor ~25 Jahren, als ich Kind war, sind mir die gläsernen Sandsteine und die schwarzen "Kaugummis" im Sand aufgefallen.
    • α Virginis 26.08.2019 23:09
      Highlight Highlight Die schwarzen "Kaugummis" waren wohl Schwerölrückstände der Schiffsdiesel.
      Kenne ich aus meiner Kindheit, sind total lästig die Dinger.
      Diese gibt es allerdings beinahe kaum mehr, dafür haben strengere Vorschriften gesorgt.
      Leider haben wir beim Plastik offensichtlich viel versäumt. Trotzdem, ich hoffe, dass wir das irgendwie in den Griff kriegen. Wie, kann ich auch nicht sagen, da ich kein Wissenschaftler bin, der sich mit der Materie befasst, aber ich bin eben ein unverbesserlicher Optimist ;))
    • Tillo Reilly 27.08.2019 07:21
      Highlight Highlight Die schwarzen Kaugummis sind Erdöl.
  • Klaus07 26.08.2019 17:25
    Highlight Highlight Grossbritannien hat von 1948 bis 1982 alles was leicht und mittelstark Radioaktiv verstrahlt war im Nordatlantik verklappt und ist für 41,2% des weltweiten Atommülls im Meer verantwortlich. Möchte nicht wissen wieviel Plastik- und Industrieabfall genau so entsorgt wurde. Was damals als einfache und kostengünstige Lösung empfunden wurde, rächt sich jetzt.
    • Bündn0r 26.08.2019 20:24
      Highlight Highlight So weit weg must du gar nicht gehen.
      Platz zwei, wenn auch nur im Atlantik und nicht weltweit, belegt die Schweiz. (Mit ca 10%, GB ist unangefochtene Nr. 1)
      Auch wir verklappten von 1969 bis 1993 wie die Weltmeister.
  • banda69 26.08.2019 17:12
    Highlight Highlight Eine Hiobs-Botschaft nach der anderen.


    Und die SVP diffamiert Menschen denen die Umwelt am Herzen liegt. SVP ist, wenn Geld, Macht und Gier vor Mensch und Umwelt kommen.
    • Rasti 26.08.2019 17:55
      Highlight Highlight Ich glaube die Phase des SVP-bashings ist jetzt auch schon wieder seit einer Weile vorbei. Mir sind ja in einem Land mit freier Meinungsäusserung...
    • banda69 26.08.2019 22:33
      Highlight Highlight @rasti

      Man kann nicht oft genug darauf hinweisen wofür die SVP steht.
  • Bau Mol Ain 26.08.2019 16:56
    Highlight Highlight Da wurde wieder ein Stein ins Rollen gebracht.
  • Basswow 26.08.2019 16:53
    Highlight Highlight Darwin Award für alle? 🤷🏽‍♂️🙈
  • Rainer Winkler. 26.08.2019 16:33
    Highlight Highlight mir sind gsi. meddl

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