Klopp schiesst gegen FIFA-Trinkpausen: «Ich frage mich, wem das eigentlich dient»
In der 22. und 67. Minute war es jeweils wieder so weit: Schiedsrichter Jesus Valenzuela pfiff beim Spiel zwischen Australien und der Türkei (2:0) zur offiziellen dreiminütigen Trinkpause. Diese wurden von der FIFA für diese WM eingeführt, offiziell, um die Spieler vor der Hitze zu schützen.
Nur: Bei diesem Spiel am Samstagabend (Lokalzeit) betrug die Temperatur in der kanadischen Stadt Vancouver angenehme 21 Grad. Das Dach des BC Place war zudem geschlossen – angenehmere Spielbedingungen kann es eigentlich nicht geben. Dass die FIFA trotzdem auf den Unterbrechungen besteht, zeigt, dass es dabei eben nicht zwingend um die Gesundheit der Spieler geht, wie der Weltverband das behauptet. Sondern darum, insbesondere den nordamerikanischen TV-Anstalten zusätzliche Werbemöglichkeiten zu bescheren.
Dieser Meinung ist zumindest die deutsche Trainerlegende Jürgen Klopp. «Der Fussball wird von Managern in klimatisierten Büros als Geisel gehalten», wetterte der 58-Jährige bei Magenta TV. Die FIFA-Initiative werde als «edles Schwert gegen die Hitze» präsentiert, sei aber nichts anderes als ein goldener Käfig für Sponsoren, sagt Klopp. «Als ich die Spieler während dieser Pause einfach dastehen sah, fragte ich mich, wem das eigentlich dient. Den Spielern? Den Fans? Oder doch den Werbetreibenden?»
Der frühere Trainer von Liverpool und Borussia Dortmund, der mittlerweile im Sold des Energydrinkherstellers Red Bull steht, ärgerte sich vor allem darüber, dass durch die Zwangspausen der Spielfluss unterbrochen werde: «Wir bauen Dämme, damit die Werbung durchkommt.» Das sei gefährlich für den Geist des Spiels, klagte Klopp. «Früher war der Fussball das Hauptereignis, aber jetzt droht er, zur Hintergrundmusik zu werden.»
Im TV spricht natürlich niemand Klopp darauf an, dass er selbst Werbebotschafter für diverse Marken ist. Trotz dieser Rolle warnt der Ex-Trainer: «Fussball sollte nicht zur Unterbrechung zwischen Werbespots werden.»
Tatsächlich ist es so, dass insbesondere der US-amerikanische TV-Sender Fox Sports die dreiminütigen Unterbrechungen gnadenlos dafür nutzt, um Werbung zu senden. Und dabei hat er auch gegen Regeln verstossen. Die FIFA-Richtlinien schreiben vor, dass TV-Sender spätestens 30 Sekunden vor dem Ende der Trinkpause aus der Werbung zum Livebild zurückkehren müssen. Beim Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika schaltete Fox aber gleich zwei Mal erst zum Spiel zurück, als dieses bereits wieder lief. (abu)
