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«Querdenker» wollte sich nicht impfen lassen, jetzt liegt er im Spital

«Querdenker»-Professor wollte sich nicht impfen lassen, jetzt liegt er im Spital

Einer der ersten Wissenschaftler, die die Corona-Pandemie kleingeredet haben, japst auf Bildern aus einem Krankenhaus nach Luft. Einsichtig zeigt er sich dort nicht.
08.09.2021, 08:5608.09.2021, 08:56

Der Wirtschaftsprofessor, «Querdenker» und Impfgegner Werner Müller ist schwer an Covid-19 erkrankt. Seine Meinung über die Pandemie und den Umgang damit ändert er aber nicht. «Macht weiter», sagt er in einem Beitrag von «Spiegel-TV» an die Adresse von Demonstranten. Müller war mit dem Arzt Bodo Schiffmann sowie den pensionierten Professoren Sucharit Bhakdi und Stefan Homburg Gründer eines Vereins, der hinter Millionen Flugblättern mit Desinformation zu Corona und Impfung steckt.

Der TV-Beitrag wurde am 2. September auf der Covid-Station des Klinikums Darmstadt gedreht. Als das Kamerateam im Krankenzimmer filmte, trug der 61-jährige Müller eine Nasenbrille, mit der ihm konzentrierter Sauerstoff zugeführt wurde. «Spiegel-TV» berichtet, dass sich sein Zustand zumindest bis zu diesem Montag weiter verschlechtert hatte.

Im Beitrag erklärte Müller, dass er den Verzicht auf eine Impfung nicht bereue: «Da möchte ich nicht Versuchskaninchen sein.» Auf seiner Internetseite prangt eine Grafik mit dem Schriftzug «Nicht geimpft», die an den gelben Stern erinnert, mit dem das NS-Regime Menschen als Juden zwangskennzeichnete.

Arzt: «Jetzt haben wir vermeidbare Fälle»

In einem Beitrag namens «Selbst erkrankt», den er offenbar noch im August schrieb, berichtete er, er habe sich bei seinem Sohn angesteckt. Er behauptete, zur Linderung seiner Hustensymptome vom Arzt keine Hilfe bekommen zu haben, weil die «Medizinlobby» ihre Impfstoffe verkaufen wolle und dazu Druck auf Nichtgeimpfte aufgebaut werden müsse.

In dem Beitrag schrieb er, es habe nie eine bedrohliche Situation gegeben. Die «Vermeidung einer Belästigung» sei nach seinen Wertvorstellungen aber keine Rechtfertigung für den Einsatz «gesundheitlich bedenklicher Gentechnik-Präparate».

Das dürfte schwer zu ertragen sein für die Ärzte in der Klinik. Pneumologe Cihan Celik antwortet ihm: «Wir sind seit anderthalb Jahren im Auge des Orkans, wir kriegen jetzt momentan die vermeidbaren Fälle. Der medizinische Nutzen der Impfstoffe überwiegt ganz klar die Risiken.» Der junge Oberarzt war selbst schwer an Corona erkrankt, berichtete in einem eindrucksvollen Interview in der «FAZ» davon und ist auch sonst oft in den Medien. Auf Twitter zollen ihm Nutzer Anerkennung dafür, dass er die Aussagen des Corona-Verharmlosers so ruhig ertragen könne.

Celik erklärt, Müller habe eine Covid-Lungenentzündung mit Infiltraten auf beiden Seiten, ein Zeichen für einen schweren Verlauf: «Wir passen ganz genau auf Sie auf.» Es sei ihm wichtig zu sagen: «Sie bekommen natürlich trotzdem die bestmögliche Therapie.»

Müller hatte im Frühjahr 2020 ein Schreiben mit dem Titel «Die Schäden einer Therapie dürfen nicht größer sein als die Schäden der Krankheit» koordiniert, das der AfD im Bundestag als Vorlage für eine Anfrage diente. In seinen Blogbeiträgen hatte er sich weiter radikalisiert. Die Hochschule Mainz, die ihn 1997 zum Professor für Rechnungswesen und Controlling berief, hat ihm nach seinen Angaben untersagt, auf seiner Seite Verbindungen zur Hochschule anzugeben.

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