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In Seoul gibt es einen erneuten Ausbruch (Symbolbild).
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Wie die Partynacht eines Südkoreaners die Angst vor einer zweiten Welle entfacht

Südkorea gilt als Musterland bei der Bewältigung der Coronakrise. Nun weckt eine einzelne Partynacht eines 29-Jährigen die Angst vor einer zweiten Welle. Und die Schwulen-Szene muss als Sündenbock hinhalten.
11.05.2020, 09:5111.05.2020, 12:20

Was ist passiert?

Südkorea erlebt derzeit einen Mini-Ausbruch an neuen Coronafällen. Über das Wochenende meldete Südkoreas Zentrum für Seuchenkontrolle (KZSK) einen Anstieg von täglich bis zu 34 neuen Fällen – und das, nach einer Woche mit 0 inländischen Neuansteckungen.

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Grund dafür ist die Partynacht eines 29-Jährigen in einem multikulturellen Viertel Seouls: Itaewon – oder «Homo-Hill» wie es teils genannt wird. Es ist ein Ort der Freiheit, wo die strengen Zwänge der koreanischen Gesellschaft abgelegt werden können.

Der Mann hatte die Freitagnacht vor einer Woche in den gerade wiedereröffneten Clubs in Itaewon durchgefeiert. Am darauffolgenden Donnerstag wurde er schliesslich positiv auf das Coronavirus getestet.

Am Sonntag präsentierte das KZSK die Rechnung: 75 Personen haben sich in Itaewon angesteckt. Es könnten aber weit mehr sein: Die Behörden rechnen damit, dass der 29-Jährige potentiell mit bis zu 2000 Menschen in Kontakt geriet.

Wie weiter?

Aber wie viele haben sich wirklich angesteckt? Man weiss es nicht. Denn das Erfassungssystem sei fehlerhaft gewesen. Park Wan-soon, der Bürgermeister von Seoul, sagte, dass man deshalb mehr als 1300 Personen nicht ausfindig machen könne.

Am Samstag folgte dann die Reaktion: Die Stadtregierung von Seoul gab bekannt, dass alle Clubs und Bars der Stadt geschlossen werden. «Wir haben keine andere Wahl, weil wir den Eindruck haben, dass die Empfehlungen an Betreiber zur Selbstkontrolle nicht ausreichend sind, wenn man die Anfälligkeit der Eingangserfassung in den Clubs bedenkt», sagte Park gemäss Korea Times.

Einen strengen Lockdown hat Südkorea nie erlebt. Viele Geschäfte und Cafés blieben offen, die Strassen waren gut bevölkert. Möglich war das dank dem umfassenden Ermittlungs- und Testsystems der südkoreanischen Behörden. Und: Die Südkoreaner zeigten grosse Disziplin und hielten die Hygienemassnahmen ein – in Südkorea hat man aus vergangenen Erfahrungen mit hochansteckenden Viren gelernt.

Südkoreas Präsident Moon Jae In.
Südkoreas Präsident Moon Jae In.
Bild: AP

Präsident Moon Jae In mahnte in einer Rede am Wochenende, bei der Wachsamkeit gegen den Covid-19-Ausbruch nicht nachzulassen: «Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist.» Zugleich versuchte er, die Bürger zu beruhigen. Es gebe keinen Grund, «aus Furcht stehen zu bleiben». Die Corona-Situation in Südkorea sei zuletzt in eine Phase der Stabilisierung eingetreten.

Was sind die Folgen?

Der aktuelle Ausbruch weckt aber auch Ängste in der homosexuellen Community in Südkorea. Denn: Die potentiellen Virenherde in Itaewon sind sämtlich einschlägige Schwulen-Clubs.

Der Fall habe «regelrechte Panik» in der Schwulenszene ausgelöst, erzählt Künstler Heezy Yang, der sich in der Szene engagiert. «Wir wissen darum, welche Folgen etwa die HIV-Epidemie in unserer Community hatte. Und auch während Mers haben verschiedene Gruppen versucht, Stimmung gegen Homosexuelle zu machen.»

Das birgt auch ein zusätzliches Risiko: Die Clubbesucher, die sich nun bei den zuständigen Stellen melden, riskieren ein Zwangs-Outing. Denn: Die Behörden veröffentlichen jeweils die persönlichen Daten jedes Neuinfizierten. Zwar anonymisiert, aber mit Angabe des Alters, der Nationalität, des Wohnbezirks und der Bewegungsabläufe während jener Nacht. Aktivist Yang dazu: «Die Betroffenen könnten ihre Arbeit, Familie, Freunde verlieren», man könne sich glücklich schätzen, wenn sich keiner von den Betroffenen das Leben nehme.

Yang befürchtet, dass nun die Schwulen zu den Sündenböcken einer möglichen zweiten Welle werden, berichtet die «BZ Basel».

Bittere Ironie der Geschichte: Die Ressentiments gegen Schwule kommen hauptsächlich von den grossen Freikirchen des Landes – also jenen Organisationen, die selbst Opfer von Hassattacken wurden, weil sie sich zu Beginn der Krise weigerten, ihre Gottesdienste abzusagen. Und so für 60 Prozent der Fälle (Januar bis März) verantwortlich waren. (jaw)

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