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Coronavirus: Wie weiter ohne Sommerfestivals?

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Vor dem Abgrund: Wie weiter ohne Sommerfestivals?

Sommerfestivals sind in diesem Jahr kaum denkbar. Der Bundesrat hat mit seinem Nicht-Entscheid die Situation noch verschärft.
20.04.2020, 09:1520.04.2020, 09:15
Stefan Künzli / ch media

Ein Sommer ohne Festivals in Nyon und Montreux, ohne Blue Balls oder das idyllische Open Air am Waldrand – wir können es uns immer noch nicht so richtig vorstellen. Denn die Sommerfestivals gehören inzwischen zur DNA des Schweizer Sommers wie das abendliche Bier in Sommerbeiz oder der Badi-Besuch. Und was jetzt?

Festival goers cheer as US singer Lizzo performing on the stage of the Auditorium Stravinski during the 53rd Montreux Jazz Festival (MJF), in Montreux, Switzerland, Thursday, July 11, 2019. The MJF ru ...
Wann sind musikalische Grossveranstaltungen wie hier Jazzfestival Montreux wieder möglich?Bild: KEYSTONE

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber inzwischen ist es sehr unwahrscheinlich geworden, dass wenigstens ein Teil der sommerlichen Musikfestivals stattfinden wird. Könnten die hygienischen Vorgaben und die Abstandsregeln überhaupt eingehalten werden? Schwierig bis unmöglich!

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Es ist eine Tragödie für Publikum, Künstlerinnen und Künstler, Technikfirmen, Bühnen- und Zeltbauer und und und. Ein Drama für die Veranstalter, den kleinen, idealistischen Feierabend-Veranstalter wie den hochprofessionellen Festival-Organisator.

Rechtliche Grundlage für «höhere Macht» fehlt

Festivals brauchen Planungssicherheit, einen Vorlauf von bis gegen zwei Monaten. Der Bundesrat hat mit seinem Nicht-Entscheid die Unsicherheit, und damit das Leiden aber nur verlängert. Der Vorverkauf steht still, die hohen Kosten der Vorbereitung bleiben, die Aufbauarbeiten sind teuer. Kein Wunder haben deshalb jetzt schon Juli-Festivals kapituliert.

Die Branche hätte sich eine klare Vorgabe gewünscht. Sogar ein behördliches Verbot wäre besser gewesen. Denn sie hätte eine rechtliche Grundlage geschaffen, um gegenüber all den Forderungen, Verpflichtungen und Abmachungen «höhere Gewalt» geltend zu machen. Die Empfehlungen des Branchenverbands SMPA wurden nicht erhört.

Die Veranstalter fühlen sich dementsprechend übergangen und sprechen von «einem Supergau». Jetzt müssen ein Grossteil der Verpflichtungen erfüllt werden, ohne Aussicht, das Geld wieder eintreiben zu können. Die Regierung hat es mit seiner vertröstenden Botschaft verpasst, eine sinnvolle Exitstrategie zu präsentieren. In einer Branche notabene, die uns nicht nur mit kultureller Nahrung versorgt, sondern auch ein immer wichtigerer Wirtschafts- Tourismus- und Standortfaktor ist.

Am 8. Juni ist es zu spät. Ein Schnitt jetzt, ein konsequentes Verbot wie es andere Länder wie Belgien, Deutschland und Österreich verordnet haben, wäre definitiv die bessere Lösung gewesen.

Das behutsame Vorgehen des Bundesrats mag in anderen Branchen verständlich sein, hier ist es falsch. Denn mit dem Nicht-Entscheid des Bundesrats wird jetzt unnötig Geld verbrannt. Und das in einer Hoch-Risikobranche, die mit den kleinen Margen so oder so über dem Abgrund balanciert.

In der Schweiz, im Land mit der grössten Festivaldichte, droht der Kahlschlag. Wie viele Open Airs und Festivals aufgeben müssen, kann heute noch niemand sagen. Es hängt vom Verlauf der Pandemie ab. Erste, düstere Prognosen, die von einem Verbot für Grossveranstlungen bis Ende 2021 rechnen, lassen aber Schlimmstes erahnen. Die Festivallandschaft Schweiz wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein.

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