Grossbritannien
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epa06239884 Conservative, Member of Parliament for North East Somerset, Jacob Rees-Mogg (C) attends the second day of Conservative Party Conference in Manchester, Britain, 02 October 2017. The conference will run from 01-04 of October 2017.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Jacob Rees-Mogg (Mitte) und zwei Fans am Parteitag der Konservativen. Bild: EPA/EPA

Britisch bis zur Peinlichkeit: die neue konservative Hoffnung Jacob Rees-Mogg

Der Hoffnungsträger der Konservativen wäre zum Lachen, wenn die Situation auf der Insel nicht zum Weinen wäre.



Der Brexit auf der Insel hat zu einem politischen Nervenzusammenbruch geführt. In der «Financial Times» beschreibt Philip Stephens die Lage wie folgt:

«Offene Intrigen gegen eine geschwächte Premierministerin, Bürgerkrieg im Kabinett, die regierende konservative Partei ist zerfressen von sich bekämpfenden Fraktionen, die Labour-Opposition wird angeführt von einem Bewunderer von Fidel Castro, das Parlament befindet sich in Geiselhaft eines Referendums, im Herzen der Regierung herrscht Paralyse – all dies ist der Stoff, aus dem die alltägliche Politik gemacht wird.»

In den Medien wird die glücklose Premierministerin Theresa May vorgeführt. So schreibt der «Economist» in seiner jüngsten Ausgabe: «Seit ihrem Wahldesaster hat Mrs. May mehrere letzte Chancen verpasst. Sie hat die Kommunikation nach der Brandkatastrophe des Grenfell Tower falsch angepackt. Sie hat sich durch eine Rede gestottert, in der sie sich als Premierministerin neu lancieren wollte. Und als sie ihr Kabinett umbilden wollte, verweigerten ihr einige Minister die Gefolgschaft.»

FILE In this Friday, June 9, 2017 file photo, Britain's Prime Minister Theresa May listens as the declaration at her constituency is made for in the general election in Maidenhead, England. As a new round of talks opens between Britain and the European Union, Prime Minister Theresa May is under mounting pressure to take sides in the Conservative Party's war over Brexit. (AP Photo/Alastair Grant, File)

Allen Kredit verspielt: Premierministerin Theresa May. Bild: AP/AP

Diese gnadenlose Beschreibung der Situation stammt nicht aus obskuren Pamphleten der Opposition, sondern aus Publikationen, die zu den führenden nicht nur der Insel, sondern der Welt gehören.

Das Chaos und die schwache Premierministerin haben dazu geführt, dass sich die Konservativen sehnlichst eine neue Führungsfigur wünschen. Bisher ohne viel Glück. Aussenminister Boris Johnson hat zwar Ambitionen, er hat jedoch sein politisches Kapital, das er sich einst als Bürgermeister von London verdient hat, verspielt.

Rees-Mogg ist die Fleisch gewordene rote Telefonkabine.»

Economist

Mittlerweile gilt Johnson als Dummschwätzer. «Er rudert bloss mit den Armen und brabbelt etwas von ‹die Kontrolle zurückgewinnen›», spottet ein Kabinettskollege.  Daher rückt ein gewisser Jacob Rees-Moog ins Rampenlicht, eine mehr als exzentrische Figur.

epa06483503 British Foreign Secretary, Boris Johnson arrives to a cabinet meeting on Brexit at 10 Downing street in London, Britain, 29 January 2018.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Möchtegern-Churchill: Boris Johnson. rBild: EPA/EPA

Der steinreiche, ehemalige Rothschild-Banker erscheint als Phänomen einer längst vergangenen Zeit, einer Zeit, in der Grossbritannien die Weltmeere beherrschte und London der Nabel der Welt war.

Politische Verdienste hat Rees-Moog keine. Er ist der Sohn eines ehemaligen Chefredaktors der altehrwürdigen «Times», neben dem selbst Margaret Thatcher in Sachen Neoliberalismus eine Sonntagsschülerin war. Er selbst fällt dadurch auf, dass er immer wieder an TV und Radio erscheint und sich dabei energisch gegen einen «Brino» wendet, einen «Brexit in name only».

Rees-Mogg ist nicht nur ein militanter Verfechter eines harten Brexit, er ist auch ein gläubiger Katholik, hat sechs Kinder, wehrt sich gegen die Homo-Ehe und könnte ohne Maske in «Mary Poppins» auftreten.

«Er ist der blaue Pass in menschlicher Form, oder die Fleisch gewordene rote Telefonkabine», spottet der «Economist». «Er ist die königliche Yacht ‹Britannia› in einem Nadelstreifenanzug; er erinnert uns an eine Welt, in der sich traditionelle Briten für nichts zu entschuldigen brauchten und sich nicht vor den Göttern des Multikulturalismus, des Feminismus, und vor Gesundheit und Sicherheit verbeugen mussten.»

epa06480124 Britain's opposition Labour Party Leader Jeremy Corbyn arrives for an interview at British Broadcasting Corporation's (BBC) Broadcasting House in London , Britain, 28 January 2018.  EPA/NEIL HALL

Lachender Dritter: Castro-Fan und Labour-Chef Jeremy Corbyn.  Bild: EPA/EPA

Die Eigenschaften, die Rees-Moog bis vor kurzem zu einer Witzfigur gemacht hätten, machen ihn jetzt zu einer Kultfigur. Gerade junge Konservative bezeichnen ihn, anders als die auswechselbaren Tories wie David Cameron, als «authentisch». Für sie ist er eine Art Gegenpol zu Jeremy Corbyn geworden, dem ebenfalls kauzigen Anführer der Labour-Partei.

Politisch wäre Rees-Moog an der Spitze der Tories eine Katastrophe. Doch seine Chancen stehen nicht schlecht. Zwei Drittel der Mitglieder der konservativen Partei wollen einen harten Brexit, ohne Rücksicht auf Verluste. «God save the Queen», kann man da nur wünschen. Es besteht jedoch noch Hoffnung: Rees-Mogg erklärte einst, er werde eher Papst als Premierminister.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • obi 08.02.2018 21:02
    Highlight Highlight True Story: Rees-Mogg sah sich der Lächerlichkeit ausgesetzt, als er während seines Studiums in Oxford stets von seiner Nanny begleitet wurde. Sein Kommentar: "Das war purer Sexismus. Hätte ich mein Butler oder persönlicher Diener dabei gehabt, hätte sich niemand beschwert."
  • icarius 07.02.2018 20:15
    Highlight Highlight Ein verstockter Aristokrat aus dem 19. Jahrhundert. Genau was UK braucht um nach dem Brexit den Anschluss an die Moderne nicht zu verpassen 😂

«Wollte ihm in den Arsch treten» – Churchills Enkel rechnet mit Boris Johnson und Co. ab

Sir Nicholas Soames ist ein in der Wolle gefärbter Konservativer. Doch weil er sich gegen Boris Johnons No-Deal-Brexit stellte, warfen ihn die Tories aus der Partei. Nun findet der Enkel des legendären Kriegspremiers Winston Churchill deutliche Worte.

Der 71-Jährige galt als graue Eminenz der Konservativen Partei: Seit 37 Jahren vertrat Nicholas Soames die Tories im britischen Unterhaus. Er hat die Eliteschule Eton absolviert, diente in der Armee und war in den neunziger Jahren Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Doch weil er und 20 andere Tory-Abgeordnete am vergangenen Dienstag gemeinsam mit der Opposition für ein Gesetz gestimmt hatten, das Premierminister Boris Johnson einen No-Deal-Brexit verbietet, entzog ihm die Parteileitung …

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