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Zugunglück in Spanien: Suche nach Opfern dauert weiter an

Emergency services work at the scene of a collision between two trains in Urda, Spain, on Wednesday, Oct. 28, 2026. (AP Photo/Manu Fernandez)
Spain Train Crash
Die Suche nach Opfern in Spanien dauert an.Bild: keystone

Zugunglück in Spanien: Suche nach Opfern geht nachts weiter – was wir wissen

29.10.2026, 08:4429.10.2026, 08:44

Was ist neu?

Nach der zweiten schweren Bahnkatastrophe in Spanien mit Dutzenden Toten innerhalb von nur neun Monaten ist die Suche nach möglichen weiteren Opfern in der Nacht weitergegangen. Viele Menschen suchten in der Nacht noch nach vermissten Familienangehörigen, wie Mercedes Martin, die Sprecherin der Polizeibehörde Guardia Civil in der spanischen Hauptstadt, dem Sender sagte. DNA-Proben würden in Madrid sowie in Toledo, Cordoba und Sevilla entnommen. «Wir werden hier die ganze Nacht lang bleiben», sagte die Sprecherin.

epa13337125 Rescue team members with heavy machinery at the scene where two high-speed trains (AVE in Spanish symbols), one of Renfe and another of Iryo, that have crashed in the village of Urda, Tole ...
In der Nacht wurde unerbittlich weiter nach Opfern gesucht.Bild: keystone

«Hier wird mit Hilfe von Flutlicht auf Hochtouren gearbeitet», sagte auch ein Reporter des staatlichen TV-Senders RTVE am Unglücksort in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Mit drei Kränen wollten die Einsatzkräfte zwei besonders schwer beschädigte Waggons anheben. Die Einsatzkräfte schlossen laut RTVE nicht aus, dass sich in den Wracks weitere Opfer befinden.

Video: watson/nina bürge

Wie viele Opfer gibt es?

Nach aktuellem Kenntnisstand sind beim Unglück 68 Menschen gestorben. Zudem wurden mehr als 100 Personen verletzt, 53 werden noch in Spitälern behandelt, mehrere davon in kritischem Zustand. Insgesamt befanden sich mehr als 540 Passagiere in den beiden Zügen, welche kollidiert sind.

Was sind die Kenntnisse zur Ursache?

Verkehrsminister Oscar Puente deutete auf mögliches menschliches Versagen hin. Das Unglück sei auf eine «unerklärliche» und «falsche» Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen. Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte, habe die Leitstelle dem Renfe-Zug grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben, während der Iryo-Zug noch stand. Ob allerdings tatsächlich menschliches Fehlverhalten vorlag, müsse die Untersuchung klären, sagte Puente.

Cranes lift wrecked train carriages as rescuers search for victims following a collision between two trains in Urda, Spain, Thursday, Oct. 29, 2026. (AP Photo/Manu Fernandez)
Spain Train Crash
Eine falsche Entscheidung soll zum Unglück geführt haben.Bild: keystone

Das auf der Strecke Madrid-Sevilla eingesetzte deutsche Zugsicherungssystem LZB (linienförmige Zugbeeinflussung) überwacht kontinuierlich das Fahrverhalten der Züge und übermittelt dem Lokführer Fahranweisungen direkt ins Führerhaus. Überschreitet ein Zug die zulässige Geschwindigkeit oder missachtet er bestimmte Vorgaben, kann das System automatisch bremsen. Bei einer grösseren Störung übernimmt die Bahnleitstelle weitgehend die Kontrolle.

Warum der zuständige Fahrdienstleiter die Gefahr nicht rechtzeitig erkannte, ist eine der zentralen offenen Fragen. Zwischen den beiden Zügen lagen rund 25 Kilometer, die der Renfe-Zug in etwa 17 Minuten zurücklegte. Beamte der Polizei und der unabhängigen Behörde für die Untersuchung von Unfällen (AITAT) befragten bereits den Mitarbeiter. Die AITAT hält es derweil für «viel zu früh», Hypothesen zu den Ursachen des Zusammenstosses aufzustellen.

KEYPIX - epa13336925 The scene of a collision between two high-speed trains, Iryo and AVE, in the village of Urda, Toledo, Spain, 28 October 2026. At least 64 people have been killed in the accident,  ...
Für abschliessende Beurteilungen ist es noch zu früh.Bild: keystone

Die spanische Eisenbahngewerkschaft kritisiert den Zustand des Bahnnetzes. Die Lokführergewerkschaft Semaf hält an ihrem für heute angekündigten Streik fest, mit dem sie Verbesserungen bei der Sicherheit fordert. Der Ausstand war bereits am 16. Oktober und damit vor dem Unglück angekündigt worden.

Was sind die politischen Folgen?

Die Lage ist angespannt. In Madrid kam es vor dem Transportministerium zu Ausschreitungen. Rechtsextreme Gruppen hatten nach dem schweren Zugunglück zu einer Protestkundgebung aufgerufen. Dabei kam es zu Spannungen zwischen Teilen der rund 1500 Demonstranten und der Polizei, wie der Fernsehsender TVE berichtete.

Zudem ist die Trauer im Land gross. Um Punkt 20 Uhr gedachten die Menschen in ganz Spanien der Opfer mit einer Schweigeminute vor den Rathäusern. Die landesweiten Gedenkveranstaltungen fanden unter anderem auch in Madrid, Barcelona, Valencia und Saragossa statt.

epa13337498 Mayor of Madrid Jose Luis Martinez-Almeida with other members of the municipal government team and representatives of political groups, attends a minute of silence in memory of the victims ...
Die Schweigeminute in Madrid mit Bürgermeister Jose Luis Martinez-Almeida.Bild: keystone

Ministerpräsident Pedro Sanchez rief eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag aus – und versprach eine umfassende Aufklärung. «Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen», versicherte er vor Journalisten an der Unglücksstelle.

«Für ein Land wie Spanien ist es nicht hinnehmbar, innerhalb eines Jahres zwei schwere Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen zu erleben», sagte Sanchez mit Blick auf das Zugunglück von Adamuz in Andalusien, bei dem im Januar 46 Menschen ums Leben gekommen waren. Sollten sich Fehler im Sicherheitssystem herausstellen, werde man mit aller Konsequenz reagieren. Vorrang hätten zunächst die Betreuung der Opfer und ihrer Angehörigen.

epaselect epa13337000 Spanish Prime Minister Pedro Sanchez (C), next to the President of Castilla-La Mancha Emiliano Garcia-Page (R), makes statements to the media at the scene of a collision between  ...
Ministerpräsident Pedro Sanchez am Unglücksort.Bild: keystone

Sanchez steht auch deshalb unter Druck, weil er einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl von der konservativen und rechtspopulistischen Opposition für das Unglück verantwortlich gemacht wird. «Korruption tötet», die linke Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der aufstrebenden rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal.

Was genau war passiert?

Am Mittwochmorgen waren zwei Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda kollidiert. Ein Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo auf. Mehrere Waggons stürzten einen Bahndamm hinunter.

Das neue Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe im Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals war ein Iryo-Zug entgleist und mit einem entgegenkommenden Renfe-Zug zusammengestossen. 46 Menschen kamen ums Leben. Sanchez sagte den Gewerkschaften damals zusätzliche 1,8 Milliarden Euro für Massnahmen im Bahnnetz zu, darunter für die Wartung in den Jahren 2026 bis 2030. (dab/sda/dpa)

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Zugkollision in Spanien fordert mindestens 46 Tote
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