Nach Atomkraft-Flirterei: Leuthard stellt ihre AKW-Aussagen klar

Vorläufig entlastet: Die parlamentarische Aufsicht hat keinen Beleg dafür gefunden, dass die ehemalige Bundesrätin Doris Leuthard von den Buchungstricks bei PostAuto wusste. (Archivbild)
Doris Leuthard hat ihre Meinung bezüglich AKWs doch nicht geändert.Bild: KEYSTONE

Nach Atomkraft-Schwärmerei: Leuthard stellt ihre AKW-Aussagen klar

Alt Bundesrätin Doris Leuthard galt als treibende Kraft hinter dem AKW-Neubauverbot in der Schweiz. Doch vergangene Woche äusserte sie sich überraschend positiv über Kernenergie. Nun sieht sich veranlasst, einige Aussagen klarzustellen.
04.11.2026, 14:5104.11.2026, 14:53

Doris Leuthard gilt als das Gesicht der Energiestrategie 2050 der Schweiz und damit auch des AKW-Neubauverbots, über dessen Aufhebung das Schweizer Stimmvolk im kommenden Februar abstimmen wird. Auch deshalb sorgte es für Aufsehen, als sich die ehemalige CVP-Bundesrätin vergangene Woche überraschend positiv zu Kernenergie äusserte (watson berichtete).

Unter anderem sagte sie, dass man mit Prognosen zum künftigen Energieverbrauch der Schweiz zu ihrer Zeit im Bundesrat danebengelegen sei. Man habe den Bedarf unterschätzt. Auch erklärte sie in dem Gespräch mit Ex-SRF-Moderator Stephan Klapproth im st.gallischen Bad Ragaz, dass sie nie gegen Atomkraft gewesen sei. Sie fände sie bis heute eine «wichtige Energie», der Entscheid gegen sie sei vor allem wirtschaftlich und sicherheitstechnisch begründet gewesen.

Auch zu neuen Reaktortechnologien äusserte sich Leuthard positiv, was ihr von gewissen Beobachtern als Meinungsumschwung in der AKW-Frage ausgelegt wurde. Diesem Schluss widerspricht Leuthard nun gegenüber dem Tagesanzeiger: «Ich habe mit Interesse gelesen, was aus meinem Gespräch mit Stephan Klapproth alles herausgelesen wird.»

Sie stehe zwar zur Aussage, dass man den heutigen Energiebedarf der Schweiz unterschätzt habe. Doch das gleiche gelte für das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren. Dort seien bereits heute Ziele erreicht, die nach der Klimastrategie erst 2035 erfüllt hätten sein müssen.

«Die Energiestrategie funktioniert. Ich sehe keinen Grund, davon abzurücken.»

Sie wolle sich vor der Abstimmung im Februar zudem nicht von einer Seite vereinnahmen lassen, so die Aargauerin. Sie sei nicht von ihrer Meinung über AKW abgerückt und sehe im Moment keine neue Technik, «die weniger kostet oder weniger Risiken hat, als damals. Dass nun über Steuergelder und staatliche Garantien für neue AKW nachgedacht werde, erstaune sie.

Die neuen Technologien, von denen sie in Bad Ragaz schwärmte, bezeichnete sie nun zudem als «Zukunftsmusik». Zudem bräuchte es für deren Erforschung keine Aufhebung des Neubauverbots. Ob sie bei der Abstimmung im Februar aber tatsächlich Nein stimmen wird, wollte die ehemalige Bundesrätin gegenüber der Zeitung nicht verraten.

Die Schweiz stimmt Ende Februar 2027 über die Aufhebung des AKW-Neubauverbots ab. Angeregt wurde dies von Energieminister Albert Rösti, der AKW für eine essenzielle Technologie hält, um den Strombedarf der Schweiz in der Zukunft zu sichern. (con)

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