Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
LONDON, ENGLAND - JANUARY 07:  A man holds a phone displaying

Ohne Worte. Bild: Getty Images Europe

Der Enthüller

Der Enthüller

Nach Anschlag in Paris: 
Satiremagazine können sich vor Bewerbern kaum retten 

Pavel Kulicka



Paris/Zürich/Berlin (den). Über 24 Stunden sind seit dem grausamen Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris vergangen. Vermutet wird ein Zusammenhang mit Mohammed-Karikaturen, welche das Magazin über die Jahre publiziert hat. Was für Absichten die Täter auch antrieben, mit einem haben sie garantiert nicht gerechnet: Weltweit melden Satireredaktionen einen schwindelerregenden Anstieg an Bewerbungen. 

«Heute Morgen hatte ich 16 Zuschriften im Posteingang», sagt Buzz Orgler, Chefredaktor des «Enthüllers». «Wahrscheinlich sind es so viele, weil etliche Schweizer erst seit gestern wissen, dass so etwas wie Satire existiert. Bisher dachte man hierzulande ja, Satire sei ein Brotaufstrich.»

Nachdem wir die verschiedenen Dossiers durchgelesen haben, sind wir jedoch ernüchtert: «Viele der Bewerber hatten das Gefühl, Satire richte sich nur einseitig gegen den Islam und sie haben gehofft, hier ihren Anti-Islamismus ungehemmt auszuleben zu können. Dafür sind wir allerdings der falsche Ansprechpartner. Ich habe einige Schreiben direkt an die ‹Weltwoche› weitergeleitet. Wir vom ‹Enthüller› verfolgen das klare Credo, uns nur über Gruppierungen lustig zu machen, deren Anhänger uns nicht nach dem Leben trachten. Vom Islam, dem Christentum, der SVP und dem Chüngelizüchterverein Niederwangen lassen wir darum schön brav die Finger.»

Doch auch ein anderes Problem erkennt Orgler. «Humor, speziell die Satire, ist ein schwieriges Metier. Nicht jeder, der unter angetrunkenen Freunden mit einem schlechten Witz für Lacher sorgt, hat auch das Zeug zum Satiriker, das beweisen täglich unzählige Schweizer Online-Redakteure und auch wir vom ‹Enthüller› von Zeit zu Zeit.» 

Der Satiriker Andreas Thiel spricht bei der Delegiertenversammlung der FDP, am Samstag, 27. Oktober 2012 in Thun. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der selbsternannte Koranexperte Thiel hat grosse Anforderungen an einen möglichen Bühnenpartner. Bild: KEYSTONE

2000 Mails in 15 Stunden

Auch Andreas Thiel kann sich vor Bewerbungen kaum retten. Der Satiriker und Koranexperte wurde mit Mails regelrecht überflutet. «Leider suche ich keine Gag-Lieferanten. Und auch als Bühnenpartner kann ich nicht einfach jemanden verpflichten. Mit mir auftreten darf nur, wer den Koran, das Alte und Neue Testament, ‹Mein Kampf›, das tibetanische Totenbuch sowie alle Bücher von Max Frisch mindestens dreimal gelesen hat», so Thiel.

Überrascht vom Ansturm an Zuschriften ist auch die Webseite Theonion.com. «Leider wird bei uns der Islam seit 2001 nicht mehr durch den Kakao gezogen. Wir fokussieren uns seither auf Nordkorea und haben damit nur gute Erfahrungen gemacht. Sony Pictures hat sogar ein Drehbuch gekauft, das auf einem unserer Artikel basierte», so Chefsatiriker Dick Palin.

«Titanic» sucht händeringend Redaktoren

Mehr Glück könnten die Bewerber beim Magazin «Titanic» haben. «Wir können die Unterstützung gut gebrauchen», heisst es aus der Redaktion. «Seit einem Monat arbeiten zwei unserer Redaktoren nur noch am Pegida-Dossier. Die tapferen Demonstranten lassen so viel satirisches Gold raus, dass wir da nur noch mit der Transkription beschäftigt sind und uns gar keine eigenen Pointen mehr ausdenken müssen. Und wenn man bedenkt, was der Anschlag von gestern bei den Pegidas für Gegenreaktionen hervorrufen wird, werden unsere Redakteure an dieser Front bald Verstärkung brauchen.»

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über einen Schwangerschaftstest fürs iPhone oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.

www.der-enthüller.ch
Der Enthüller auf Facebook
Der Enthüller auf Twitter

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HappyMe 08.01.2015 19:22
    Highlight Highlight Vive la Liberté!
    • HappyMe 08.01.2015 20:14
      Highlight Highlight Von Lucille Clerc
      Benutzer Bild
  • nightsnake 08.01.2015 19:17
    Highlight Highlight Geht gar nicht dieser Text!!!
    • MM 08.01.2015 21:27
      Highlight Highlight Brotaufstrich.
    • dave1771 09.01.2015 08:40
      Highlight Highlight Naja MMA... dies ist wohl mehr ein politisches Statement der Redaktion als Satire! Satire macht sich über alles lustig und nur über: Christen, SVP und alle andern anders denkenden, als die liebe Redaktion, die auf der politischen Landkarte wohl eher im linken Bereich aufzufinden ist!
    • MM 09.01.2015 13:29
      Highlight Highlight Naja dave 1771... Wenn man dies einem politischen Statement der linken Redaktion gleichsetzt, hat man den Text wohl wirklich falsch verstanden. Ich sage ja, Brotaufstrich.
    Weitere Antworten anzeigen
  • maru67 08.01.2015 17:17
    Highlight Highlight "Satire" in Ehren, aber diesen Beitrag finde ich nun vollkommen deplatziert.

Der Enthüller

Clever! FDP druckt absichtlich verunstaltete Wahlplakate – Vandalen haben keine Chance

Zürich (den). Seit ein paar Tagen hängen sie wieder und zeigen jedem, dass bald noch mehr davon folgen werden: Die übergrossen Wahlplakate. Noch hängen sie nur an einigen Wänden in Zürich und kündigen den Wahlkampf für den Kantonsrat an. Doch schon bald wird der nationale Kampf um die prestigeträchtigeren Sitze in Bern eingeläutet und man wird in der Schweiz keinen öffentlichen Meter mehr gehen können, ohne dass man von Politikerköpfen angestrahlt wird. Nicht selten löst diese …

Artikel lesen
Link zum Artikel