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Edvin Uncorked

Weinblog: Apéroweine, die du kennen musst

Weisswein, Glas
Bild: shutterstock
Edvin Uncorked

Apéroweine, die du kennen musst

13.11.2020, 10:3013.11.2020, 12:31
Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen

Diese Woche hat mich ein watson Wein doch! sehr, sehr fest zum Lachen gebracht. Irgendwie stiess ich auf den Clip, wo der Walliser Sergio über die Zürcher herzieht und das Wallis verteidigt. Er meint, die Zürcher hätten keine Ahnung von einem richtigen Apéro. Bei ihnen im Wallis sei der Apéro eine Kultur, fast schon eine Religion.

Wie gerne wäre ich eine Walliserin.

Knallhart sagte er, dass in Zürich um 17.00 Uhr alle nach Hause gehen. Feierabend tschüss zäme. Im Wallis gehen um 17.00 Uhr alle noch in den Apéro. Komme was wolle.

Während er von der Walliser Kultur erzählt, welche auf dem Apéro fundiert, wird mir klar, dass für die Walliser der Apéro nicht Apérol-Spritz und e «Gsprützte suur» bedeutet, sondern eine Zelebration des Zusammenseins. Der Gemeinschaft. E gueti Rundi.

Diese Geselligkeit habe ich im Wallis auch schon erlebt. Aber dann war ich hackedicht im Après-Ski und habe kein Johannisberg genossen, sondern mir einen Jägermeister-Ski gegönnt. Selbstverständlich habe ich diesen nicht geteilt. Schon nur wenn ich daran denke, wird es mir anders.

Jägermeister

Sergio hat eine Sehnsucht in mir geweckt. Ich vermisse die Apérorunden unter Freunden, wo ich sie umarmen und ihre Gesichter in meine Hände nehmen kann, leicht drückend bis zu zerquetschend...weil ich sie so liebe.

Ich nehme an, ich bin nicht die Einzige, die sich nach Geselligkeit sehnt.

HEBED DURE!!!!

Es kann sehr gut sein, dass Sergio recht hat. Wir kennen den Ausdruck und Trinkstil «Ballon bündig» effektiv nicht. Für alle ratlosen Apéröler hier: «Ballon» steht für 1 Glas. In der Gastro wäre dies 1dl. «Ballon bündig» trinkt man, wenn das Glas stets und nach jedem Schluck wieder aufgefüllt wird. «Bündig» mit dem Glasrand? Das ist eine Annahme von mir.

Ich habe es mir nun vorgenommen, bis zur Covid-19-Impfung nur noch «Ballon bündig» zu apérölen. Du bist herzlich dazu eingeladen, diese Tradition mit mir im «Ausserwallisergebiet» zu implementieren.

Welche Weine ich dafür empfehlen würde

Für einen Apéro serviere oder empfehle ich immer Weissweine, die eine etwas höhere Säure haben. Das erfrischt (ein Glas Wasser erfrischt auch, macht aber keinen Spass) und weckt die Partygeister. Schaue bei deiner Weinauswahl auf folgende 4 Punkte und/oder greife einfach nach den Weinen, die unten aufgeführt sind:

  • Präsente Säure
  • Wenig bis viel Frucht
  • Keinen Restzucker (Apérosnacks passen besser zu trockenen Weissweinen)
  • Alkoholgehalt zwischen 10% und 12,5%

Schaumwein

Unbedingt mal einen Schweizer Schaumwein auswählen. Prosecco durfte nun genug lang der Platzhirsch sein.

Sauvignon Blanc

Ob aus der Schweiz, aus Sancerre (F), aus dem Südtirol oder aus Österreich. Sauvignon Blanc kommt immer knackig daher.

Roero Arneis

Ein sehr fröhlicher Weisswein, der fast allen schmeckt. Deswegen ist er auch auf praktisch jeder Weinkarte.

Räuschling

Räuschling ist ein wunderbar ausgewogener Wein. Und man soll ja gefällig mehr Schweizer Weine trinken! Gopf!

Kann man auch Rotwein als Apéro servieren/trinken?

Ja selbstverständlich! Es ist wirklich an der Zeit, dass wir von diesen alten Regeln wegkommen. Darüber habe ich schon Mal im Artikel «Fondue und Rotwein» geschrieben.

Hier ist es einfach wichtig, dass du keine schweren, gehaltvollen Weine ausschenkst. So vermeidest du schläfrige Gäste.

Wähle einen Pinot Noir oder Gamay aus. Aber da hört es dann auch schon wieder auf.

ballon-bündige Gruess, Madelyne

Bild

Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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«Ihr Zürcher sagt Inzucht, wir Walliser nennen es ‹gesellige Runde›»
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Das Schwierige beim Ausmisten sind ja immer die Gefühle und Erinnerungen, die an den Sachen haften, von denen man sich trennen soll. In meinem Leben sind die Folgen dieses Umstands nicht nur ein Bestand von aktuell 26 (!?) Pullis, sondern auch zwei proppenvolle Bücherregale, deren Inhalte ich bei jedem Umzug aufs Neue verfluche. Und doch behalte ich sie alle: die Französischromane, die wir in der Schule lesen mussten und die mir aber so gut gefielen, dass sie mich über alle elf Wohnungswechsel meines Lebens begleitet haben, Bücher voller Eselsohren und Notizen, die ich liebte zu lesen, und solche, von denen ich glaube, sie noch lieben zu werden. Aber auch ein paar Klopper, bei denen mich einfach Titel oder Cover überzeugten oder von denen ich denke, sie machen sich besonders gut in einem wohl sortierten Bücherregal (niemand hat doch jede Seite von Ulysses gelesen?).
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