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Kafi steht auf Menschen und Firmen, die für was brennen.
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Bild:kafi freitag
FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Jedes Jahr im November wird man von allen Seiten bekniet, man möge doch seine Krankenkassenprämien einmal genauer anschauen. 

27.11.2015, 10:4627.11.2015, 11:17

Mit einem Wechsel zu einem anderen Institut, der übrigens ganz flott von der Hand ginge, könne man Unsummen einsparen. Und Gleiches wird einem auch zu den Handyabos gesagt und natürlich auch zu den Hypotheken, richtig verhandeln müsse man können ... Was rätst du dem mündigen Bürger, mitmachen und auspressen oder seine Energie lieber anders einsetzen? Remo, 41

Lieber Remo,

Mir ist ja durchaus bewusst, dass gewisse Detailhändler einem einzureden versuchen, Geiz sei was besonders Geiles. Aber für mich persönlich gibt es kaum etwas, was mir mehr auf die Libido schlägt, als Knauserei. Ich muss sogar noch einen Zacken zulegen und zugeben, dass Menschen, die jedes Jahr bei gewissen Plattformen ihre Prämien berechnen lassen und dann zur günstigsten Kranken- oder Autoversicherung wechseln, höchst unsympathisch sind.

Mag sein, dass ich da sehr alte Schule bin, aber für mich zählt Loyalität halt schon noch öppis. Ich bin gerne treu. Sei es dem Mobilfunkanbieter oder meinem Partner. Dennoch ist selbst mir jüngst auch ein Ausrutscher passiert, den ich in der Zwischenzeit bitter bereue. Das neuste Iphone-Gerät war auf den Markt gekommen und ich war, wie jeder anständige Apple-Slave sehr spitz darauf. Ich ging zur Swisscom, um dort nach den Rahmenbedingungen für ein neues Abo und ein neues Handy zu fragen. Der Deal gefiel mir gar nicht. Drum wechselte ich leichten Herzens zur Konkurrenz Sunrise. Dort bediente mich ein junges Fräulein und schon eine Viertelstunde später, war ich stolze Besitzerin eines masslos überteuerten Geräts aus China. Die Freude war gross.

Für mich persönlich gibt es kaum etwas, was mir mehr auf die Libido schlägt, als Knauserei.


Bis ich vor wenigen Tagen auf einem Podium sass, auf welches ich eingeladen worden war, um vor HR-Fachleuten über mein Jobportfolio und meine Selbständigkeit zu reden. Neben mir hockten der ehemalige Skirennfahrer Dani Mahrer und zwei Menschen von der Swisscom, meinem ehemaligen Netzanbieter. Der eine war der Ausbildungschef über etwa 1000 Auszubildende und der andere eine junge Frau, die kurz vor dem Ende ihrer Lehre stand. Die beiden erzählten aus ihrem Berufsalltag bei der Swisscom. Die Lehrtochter sprach über ihre Ausbildung, die sie in einem Modulsystem selbstständig zusammensetzen konnte, der oberste Chef aller Azubis darüber, dass sie mehr Gewicht auf die Motivation eines künftigen Lehrlings legen, als auf seine Schulabschlussnoten. Das Gespräch dauerte etwa eineinhalb Stunden und je länger je mehr, schämte ich mich für meinen Abowechsel. Ich erkannt alsbald, dass zwar alle Mobilanbieter in ihrer Werbung so tun, als würde der Mensch im absoluten Mittelpunkt stehen, die Swisscom diesen Ansatz aber auch wirklich lebt. Ich war ganz ehrlich sehr beeindruckt über das Engagement, dass dieser Lehrbetrieb für diese jungen Menschen an den Tag legt und ich wünschte mir insgeheim einen Lehrlingschef wie diesen Andri Rüesch für meinen Sohn Konstantin. Die junge Frau, die kurz vor ihrem Lehrabschluss steht, machte mir einen sehr selbstständigen und selbstbewussten Eindruck. Wie sie da zwischen dem Ex-Skiprofi und ihrem obersten Chef sass und frei weg von der Leber über ihre Erfahrungen sprach, das hatte was! Ich hatte echtes Herzblut und Begeisterung gespürt und was soll ich sagen; wenn es etwas gibt, was ich richtig geil finde, dann sind es Herzblut und Begeisterung.


Ich entschied an jenem Abend, die erstbeste Möglichkeit zu ergreifen, um von der Sunrise zurück zur Swisscom zu wechseln. Ich entschied, dass ich mein Geld lieber einem Betrieb in die Hand lege, der sich um Ausbildung unserer Jugend kümmert, als einem, der kaum junge Menschen in die Lehre aufnimmt. Ich entschied, dass ich künftig nicht mehr dem erstbesten Angebot nachhecheln würde.

Als Konsument trage ich mit meinem Kaufentscheid eine Verantwortung und ich will diese künftig noch stärker wahrnehmen. Ich will Loyalität dort leben, wo sie verdient wird und mich nicht von angeblichen Superangeboten locken lassen. Und das empfehle ich jedem mündigen Bürger. Der günstigste Deal ist selten der beste und es lohnt sich wirklich, sich auch mal zu informieren, welche soziale Verantwortung ein Betrieb übernimmt. Weil wenn was sexy ist, dann nicht Geiz, sondern Selbstverantwortung!

Mit bestem Gruss. Ihre Kafi.

P.S. Und bevor meine leicht verschwörungstheoretischen Leser wieder das Schlimmste vermuten: Nein, ich werde für diesen Artikel nicht bezahlt. Also moll schon, klar. Aber vom Hansi und nicht von der Swisscom. 

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.



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