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Kafi, Venus zwischen Wogen, Gischt und Schaum. Perfekt? Sicher nöd! Zufrieden mit sich? Aber sowas von! Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Badiwetter und Ferienzeit sind für mich immer ein Stress. Alle rennen im Bikini rum ...



... und ich fühle mich schrecklich und möchte mich am liebsten bis Ende Herbst zuhause einschliessen. Ich wiege auf 1,69m 66 Kilo. Bis Ende zwanzig konnte ich mein Gewicht auf 59 Kilo halten, seither schaffe ich das nicht mehr. Am liebsten würde ich in ein Coaching zu Ihnen kommen und mich von Ihnen unterstützen lassen, das alte Gewicht wieder zu bekommen. Aber das kann ich mir leider nicht leisten ... Darum frage ich Sie hier bei watson: Welche Diät hilft wirklich und wie kann ich das Gewicht halten? Ich versuche möglichst lowcarb zu essen und mache Dinner Cancelling, aber das wirkt alles nichts. Dazu jogge ich zweimal in der Woche eine halbe Stunde. Muss ich mehr Sport machen? Danke für Ihren Tipp! Fabienne, 32

Liebe Fabienne 

Was bin ich doch froh, dass Sie sich das Coaching bei mir nicht leisten können, denn mir würde bei Ihrem Thema vermutlich das Gesicht einschlafen. Sie mäkeln bei einem Körpergewicht, das in gesundem und ausgeglichenem Verhältnis zu Ihrer Körpergrösse steht, an sich herum und möchten den Sommer am liebsten aus dem Kalender streichen. Das kann es doch auch nicht sein, oder?

In meiner Praxis habe ich ab und an Menschen, die tatsächlich Probleme mit ihrem Gewicht haben. Aber da reden wir dann nicht von 5 bis 6 Kilos zu viel. Sondern doch eher von 30 oder so. Diese Klienten kommen mit dem Thema Körpergewicht und müssen nach wenigen Sitzungen merken, dass das Problem in aller Regel ein darunterliegendes ist. Bei vielen dient das Übergewicht als eine Art Pufferzone, die gegen Verletzungen schützen soll. Andere sind dick geworden, um sich möglichst von der schlanken Mutter zu distanzieren. Dick sein hat sehr viele Ursachen und die wenigsten gründen wirklich ausschliesslich auf der Zufuhr von Nahrung. Darum bringt es dann auch wenig, wenn man eine Diät macht. Wenn man sein Denken weiterhin auf das Dicksein programmiert hat, dann hilft auch eine reduzierte Kalorienzufuhr nix. Oder zumindest nicht längerfristig.

Die Lösung liegt in der Beziehung. In der Beziehung zu sich selber. In der Beziehung zum Essen. Wenn man Krieg gegen sich selber führt und Nahrung als den kriegerischen Gegner anschaut, dann muss man sich nicht wundern, wenn man keinen Frieden mit sich finden kann. Anstatt sich selber im Sportwahn davonzulaufen, würde man besser Freundschaft schliessen mit der Ausgangslage, die man mitbekommen hat. Wer sich mit angeblich 5 Kilo zu viel nicht ausstehen mag, wird sich auch mit 5 Kilo weniger nicht mögen. Weil das Gefühl für sich selber nicht ein gewichtsabhängiges ist, sondern viel mehr mit der eigenen Wahrnehmung zu tun hat. Es gibt stark magersüchtige Frauen, die sich im Spiegel als übergewichtig sehen. Das Eigenbild und das Spiegelbild müssen nicht zwangsläufig kongruent sein.

Ich kenne Frauen, die als Model arbeiten und sich dennoch nicht entspannt in die Badi legen können, weil sie überall nur Makel sehen. (An sich selber, versteht sich). Und dann kenne ich Frauen, die bei Weitem nicht als Model arbeiten und sich mit all ihren Makeln im neonfarbenen Bikini in die randvollste Badi begeben und sich ganz offensichtlich auch noch wohlfühlen. Welch Verschwendung ist also ein gestählter und stromlinienförmiger Körper, wenn deren Besitzerin nicht das Selbstvertrauen hat, ihn mit gesundem Bewusstsein zu besitzen. Für mich ist es beelendend zu sehen, wie unzufrieden Frauen auch noch im reiferen Alter mit sich sein können. Welch Tragik, wenn man bedenkt, dass der Körper im Laufe der Zeit stetig verwelkt und die besagten Frauen nie auf einen Lebensabschnitt in ihrem Leben werden zurückschauen können, in dem sie sich sauwohl gefühlt haben mit sich. In sich.

Vergessen Sie drum alle Diäten und essen Sie um Gotteswillen auch wieder Pasta und Brot! Dieser Verzicht hat etwas sehr Lebensfeindliches. Und auch Lustfeindliches. Und Körpergefühl hat nun mal verdammt viel mit Lust zu tun. Ich behaupte sogar, dass nur Menschen, die lustvoll essen können auch lustvoll im Bett sind. Und wer lustvoll im Bett ist, hat in der Regel kein allzu grosses Problem mit seinem Körper. Und kann sich demzufolge auch in der Badi zeigen. Was in der verkürzten Form heisst: Lustvoll essen = Badifigur.

Mag jetzt etwas gar komprimiert daher kommen. Aber so ist es nun mal, das Leben. Die Zeit, in der unser Körper seine volle Pracht zeigt, ist auch sehr komprimiert. Wer diese kurze Zeit nicht geniessen kann, hat einen wichtigen Teil des Lebens nicht begriffen. Und noch schlimmer: vertan.

Raus mit Ihnen. Ab ins Bikini. Es ist Ihr Leben. Es ist Ihr Körper. Sie bekommen keine 2. Chance in einer perfekteren Hülle. Der perfekteste Körper, den Sie je haben werden, ist der heute und jetzt. Wenn Sie das nicht begriffen haben, wird Ihnen keine Diät und kein Sportprogramm der Welt helfen. Problem und Chance sitzen in Ihrem Kopf. Nicht in den Zahlen auf der Waage!

Herzlich. Ihre Kafi. 

Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! Hier nachlesen!

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Bild: Kafi Freitag

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • no0815girl 22.02.2016 13:29
    Highlight Highlight Komisch, bei mir funktioniert das mit dem Abnehmen und dem Selbstwertgefühl. Als ich vor 2 Jahren mal auf 56kg runter war, habe ich mich richtig toll gefühlt! Seit ich wieder zugenommen habe, fühle ich mich weniger gut, auch wenn ich früher schon mehr gewogen hatte als jetzt. Aber halt auch schon deutlich weniger. Und hier geht es auch nur um ca. 6kg.

    Ich würde mich sehr gerne auch mit 6kg mehr so gut fühlen, wie mit 56kg, leider bis jetzt erfolglos.
  • 1337pavian 04.07.2015 19:41
    Highlight Highlight Das lasst ihr euch von der Dünnen Kafi einschenken? Na, Prost.
  • annab 30.06.2015 10:10
    Highlight Highlight GRANDE!!! Fasst das ganze Problem wunderbar zusammen! Wow! Ich wette dieser Artikel wird ein paar Frauen die Augen öffnen können.

    http://media.giphy.com/media/1Z02vuppxP1Pa/giphy.gif
  • Inti 29.06.2015 23:49
    Highlight Highlight Danke Kafi!
    Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich abnormal bin, wenn ich mich mit einem Gewicht, das im oberen Bereich des Normalgewichtes liegt, wohlfühle... Einfach wegen all dem, was viele Frauen so von sich geben.
    In diesem Sinn: Vielen Dank!
    • Caprice 30.06.2015 08:36
      Highlight Highlight Du und Kafi, ihr sprecht mir aus der Seele! Daumen hoch!
  • bianca1 29.06.2015 12:23
    Highlight Highlight Liebe Kafi,
    Ich möchte mich bei ihnen von ganzem Herzen bedanken.für diese wundervolle Hommage an den weiblichen Körper. Wir haben nur diesen einen und diesen sollten wir lieben und (ver)Ehren.

FRAGFRAUFREITAG

Hallo :) Facebook macht mich manchmal unglücklich. Ich vergleiche mein Leben mit den Leben meiner 624 «Freunde», und stelle fest, dass sie Partys feiern, reisen, immer Spass haben etc. 

Wenn ich etwas poste, das in der nächsten halben Stunde keine Likes hat, lösche ich es wieder. Und wenn ich einen Freund weniger habe, muss ich herausfinden, wer mich gelöscht hat... Jetzt habe ich mein Facebook-Konto deaktiviert. Aber irgendwie fehlt mir etwas, ich habe das Gefühl, etwas zu verpassen. Soll ich meinen Facebook-Account wieder aktivieren? Lisa, 23

Liebe Lisa  Ich bin der Meinung, dass eine Party, Reise, etc. so spannend nicht sein kann, wenn man dazu kommt, alle fünf Minuten darüber zu posten. Manche Menschen machen mir sogar den Eindruck, dass sie nur deswegen unterwegs sind, dass sie es mit ihren FB-«Freunden» teilen können. Was nicht geteilt wird, findet ergo nicht statt. Dabei ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. Oder sehen Sie sich doch mal selber um: Ist es eigentlich nicht traurig, dass es viele Leute gar nicht …

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