So hat dich dein Auto im Blick
Dieses Warnsystem wird auch Fahrerüberwachung oder Aufmerksamkeitsassistent genannt und soll unterstützen, dich auf die Verkehrssituation zu konzentrieren bzw. dich warnen, wenn eine Ablenkung wahrgenommen wird. Es ist seit dem 7. Juli 2026 für die Zulassung von Neuwagen obligatorisch.
Kamera kann überwachen
Für dieses System ist eine auf die fahrzeuglenkende Person gerichtete Kamera unerlässlich, obwohl die EU eine Kamera nicht explizit vorschreibt. Der Grund: Um eine Ablenkung zu erkennen, sind direkt messende Systeme nötig. Diese erfassen unter anderem Augenbewegungen, die Blickrichtung und die Kopfhaltung. Meistens wird eine Infrarotkamera verwendet, weil diese auch bei Dunkelheit funktioniert. Das System beurteilt in Echtzeit, ob der Fahrer oder die Fahrerin sich aufmerksam dem Verkehrsgeschehen widmet. Es kann zwar abgeschaltet werden, wird aber beim nächsten Neustart des Fahrzeuges wieder automatisch aktiv.
Die EU-Vorschrift definiert welche Bereiche im Innenraum z.B. Fussraum, Mittelkonsole, Touch-Bildschirm oder Beifahrersitz als kritisch eingestuft werden. Blickt der Fahrer oder die Fahrerin während der Fahrt mit über 50 km/h länger als 3.5 Sekunden dort hin, warnt das System optisch oder akustisch. Bei 20 bis 50 km/h toleriert es 6 Sekunden. Bei wiederholter Ablenkung werden die Warnungen eindringlicher: Vibrationen im Sitz, Rütteln am Lenkrad oder am Gurtstraffer.
Unterschied zum Müdigkeitswarner
Schon zwei Jahre länger ist der Müdigkeitswarner obligatorisch. Er wird ab einer Geschwindigkeit von 65 km/h aktiv, lässt sich nicht abschalten und analysiert mithilfe verschiedener Fahrzeugsensoren das Fahrverhalten, um nachlassende Aufmerksamkeit oder Müdigkeit zu erkennen. Typische Anzeichen sind kleine Lenkfehler, die auf längeren Autobahnfahrten häufiger auftreten und dann abrupt korrigiert werden, oder Lenkbewegungen, die nicht zum Strassenverlauf beziehungsweise zu den vom Kameramodul erfassten Fahrbahnmarkierungen passen. Zudem berücksichtigt das System die Fahrtdauer, die Tageszeit und das Blinkverhalten, etwa bei Spurwechseln.
Systeme werden kombiniert
Moderne Fahrzeuge kombinieren die Daten des Müdigkeitswarners mit denen des Aufmerksamkeitsassistenten. Diese sogenannte Sensordatenfusion ermöglicht eine umfassendere Fahrerzustandsüberwachung, indem sie zusätzlich Anzeichen von Ablenkung erkennt, etwa wenn der Blick zu lange auf den Touchscreen oder gar auf das Mobiltelefon gerichtet ist. Durch die Verknüpfung der Sensordaten lassen sich Fehlanzeigen und -warnungen reduzieren und die Zuverlässigkeit erhöhen.
Zugriff auf Daten bei Unfällen
Die mit dem Müdigkeitswarner und dem Aufmerksamkeitsassistenten generierten Daten dürfen nur konform mit der Datenschutzrecht-Verordnung (EU) 2016/679 verwendet werden. Dennoch dürfte es künftig bei Unfällen Begehrlichkeiten geben, auf solche Daten zuzugreifen, etwa auf die letzten Momente vor einem Aufprall oder wie oft das System während der Fahrt gewarnt hat. Auf der anderen Seite dient es der Wahrheitsfindung und dem Opferschutz, wenn nachgewiesen werden kann, ob Ablenkung, Sekundenschlaf oder Fahrlässigkeit einen Einfluss gehabt hat oder nicht.
Pause machen
Wenn das Warnsystem zunehmend reagiert, ist dies auf jeden Fall ein Alarmzeichen. Denn dann bist du offenbar zu oft abgelenkt, schon lange unterwegs oder gar übermüdet ins Auto gestiegen. Wenn die Augen brennen, du häufig gähnst und Mühe hast, dich zu konzentrieren, ist es Zeit für eine Pause. Längere Autofahrten sollten nach zwei Stunden oder rund 200 Kilometern mit einem Halt unterbrochen werden: die Beine vertreten, den Körper strecken, frische Luft schnappen und ausreichend Flüssigkeit zu dir nehmen. Wenn ihr zu zweit unterwegs seid, bietet sich natürlich auch ein Fahrerwechsel an.
