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Kommentar: Techmilliardär Peter Thiel setzt sich nach Argentinien ab

Peter Thiel, Techmilliardär und Palantir-Gründer.
Peter Thiel gehört wie Mark Zuckerberg zu den superreichen Preppern.Screenshot: YouTube
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Techmilliardär Peter Thiel flüchtet vor dem Weltuntergang? Das steckt dahinter

Der Palantir-Gründer zeigt, was superreiche Nerds von freien, demokratischen Staaten halten, die sie überhaupt erst reich gemacht haben.
06.06.2026, 14:0906.06.2026, 14:36

Warum ergreift einer der reichsten und politisch einflussreichsten Tech-Investoren der Vereinigten Staaten ausgerechnet jetzt die Flucht und setzt sich nach Südamerika ab?

Techmilliardäre denken in Worst-Case-Szenarien. Und richten ihr Handeln danach aus. Dies erklärt den jüngsten Schachzug von Peter Thiel. Am vergangenen Wochenende machte die «New York Times» (NYT) publik, dass sich der Palantir-Gründer für ca. 12 Millionen Dollar ein Anwesen in einem exklusiven Viertel von Buenos Aires gekauft habe.

Thiel, der bereits die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzt und auch einen maltesischen Pass in der Tasche hat, bastelt in Südamerika an seinem neuesten «Plan B».

Martin Varsavsky, ein spanisch-argentinischer Tech-Unternehmer aus dem Umfeld Thiels, hat in der argentinischen Stadt Mendoza eine Ranch errichtet, die er im Falle eines Dritten Weltkriegs als potenziellen Schutzraum betrachtet. Laut «New York Times» hat Varsavsky die Hypothese aufgestellt, dass Argentinien völlig unberührt bliebe, wenn die Nordhalbkugel durch einen Atomkrieg ausgelöscht würde.

Laut NYT hat sich Thiel stillschweigend auch noch ein Grundstück in Uruguay gekauft, das an der östlichen Grenze Argentiniens liegt – ein Grundstück, bei dem Beobachter spekulieren, dass es einen Bunker beinhalten könnte.

Die Ironie könnte kaum grösser sein.

Der Big-Data-Prediger, der sich vor dem Rechtsstaat fürchtet

Thiels Verhalten offenbart den Zynismus der tonangebenden Silicon-Valley-Elite und eines wachsenden Heeres von überbezahlten «Expats». Für sie sind Nationalstaaten keine demokratischen Gemeinschaften, in die man sich einbringt oder für deren Zusammenhalt man Verantwortung trägt.

Stimmt das staatliche Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr, wechselt man einfach den Anbieter. Argentinien, ein Land, das unter massiven wirtschaftlichen Krisen leidet, aber aktuell von einem Präsidenten geführt wird, der den Rechtsstaat am liebsten komplett abschaffen würde, scheint für solche Akteure der perfekte neue Tummelplatz zu sein.

Dazu passt, dass Thiel bei Dinnerpartys in Buenos Aires laut Quellen am liebsten über den «Antichristen» philosophiert – eine angeblich drohende totalitäre Weltregierung. Thiel fürchtet staatliche Kontrolle zutiefst – ausser natürlich, seine eigenen Firmen können die entsprechenden Überwachungswerkzeuge an genau diese Staaten verkaufen.

Zur Erinnerung: Thiel ist einer der einflussreichsten Geldgeber der politischen Rechten in den USA und einer der Architekten einer immer engeren Verschmelzung von Big Tech und staatlichem Überwachungsapparat.

Als Hauptaktionär des Palantir-Konzerns verdient er massiv an der Massenüberwachung und einer umfassenden Auswertung aller gesellschaftlich relevanten Daten. Als Risikokapitalgeber investiert er auch in Unternehmen, die mithilfe von generativer KI die Welt revolutionieren wollen. Und krempelt damit die Zukunft von Millionen Menschen radikal um.

«Es ist nicht abwegig anzunehmen, dass die Reichsten der Welt Zugang zu Insider-Informationen über drohende Naturkatastrophen haben.»
Kommentar von David Futrelle, einem US-amerikanischen Journalisten, in der «Washington Post»

Wenn Super-Nerds flüchten

Thiels Rückzug auf die Südhalbkugel ist weit mehr als nur die exzentrische Immobilieninvestition eines Multimilliardärs. Es ist eine moralische Bankrotterklärung.

Ausgerechnet jene Nerds, die einst mit dem Versprechen angetreten sind, die Welt durch Computer-Technologie zu einem besseren Ort zu machen, bauen sich Fluchtburgen vor den Auswüchsen ihrer eigenen Schöpfungen. Und ihre feuchten Postapokalypse-Träume finanzieren sie mit dem Geld, das sie den demokratischen Strukturen entzogen haben.

Zurück bleibt eine Gesellschaft, die mit den zunehmenden Folgen des KI-Booms, der massiven gesellschaftlichen Spaltung durch algorithmusgesteuerte Social-Media-Plattformen und der Überwachungsmaschinerie zu kämpfen hat.

Thiel und Co. ziehen es vor, die weitere Entwicklung aus sicherer und steuergünstiger Entfernung mitzuverfolgen.

Was steckt wirklich dahinter?

Der freie US-Journalist David Futrelle kommentierte in einem Meinungsbeitrag in der «Washington Post» süffisant:

«Südamerika übte historisch gesehen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf manche Bewohner der Nordhalbkugel aus, die den Folgen ihrer schrecklichen Taten entfliehen wollten.»

Augenzwinkernd fügte er an: Dies sei wohl eine gute Gelegenheit, alle Oligarchen daran zu erinnern, dass man den Folgen eines Atomkriegs nicht entgehen könne, indem man nach Buenos Aires, an den Wānaka-See oder gar zur Amundsen-Scott-Südpolstation in der Antarktis ziehe.

Für abwegig hält Futrelle auch die Vermutung, dass Thiel Argentinien als Zufluchtsort vor den Gefahren einer «unkontrollierten künstlichen Intelligenz» sehen könnte.

Argentinien sei nicht «Dune», also kein fiktionaler Wüstenplanet, und die Argentinier besässen Computer und nutzten ChatGPT – «wie wir alle». Ausserdem wolle OpenAI dort ein 25 Milliarden Dollar teures Rechenzentrum bauen.

«Ich glaube aber, dass Thiel ahnt, dass etwas Grosses und Schlimmes bevorsteht – nicht unbedingt für uns oder irgendjemanden, den wir kennen, sondern für ihn und andere seiner elitären politischen und sozialen Klasse. Die Nazis flohen nach dem Krieg nach Argentinien, um den Nürnberger Prozessen zu entgehen. Es ist nicht ganz klar, was Thiel genau jetzt befürchtet, aber er hat uns wissen lassen, dass er mindestens 6000 Meilen entfernt sein möchte, wenn es passiert.»

Thiels enge Verbindung zum Trump-Regime sei nicht mehr das, was sie einmal war, so der US-Journalist. Und, was aus seiner Sicht noch viel wichtiger sei: Die öffentliche Kritik an Milliardären sei täglich am Zunehmen. Inzwischen seien 80 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner der Meinung, dass Reiche zu viel politischen Einfluss haben. Und dass sie gerechter, also höher, besteuert werden müssen.

Gemäss einer Anfang des Jahres durchgeführten Befragung befürworteten 70 Prozent der Amerikaner eine eigentliche Milliardärssteuer – und 53 Prozent wollen eine tatsächliche Obergrenze für das Vermögen von Milliardären festlegen. Wobei die meisten Befragten überzeugt seien, dass niemand mehr als 10 Milliarden Dollar besitzen sollte.

«Kein Wunder, dass Thiel besorgt ist. Etwas kommt auf uns zu. Und dieses Etwas wären wir.»
David Futrelle
Ist Peter Thiel rechtsextrem?
Die Einstufung des Techmilliardärs Peter Thiel als «rechtsextrem» greift zu kurz, da seine politische Grundüberzeugung deutlich komplexer ist. Politikwissenschaftler und Medien ordnen ihn meist als rechtsradikalen Libertären, Neo-Reaktionär oder autoritären Techno-Libertären ein.

Er selbst bezeichnet sich als libertär. Was so viel wie freiheitsliebend bedeuten soll und eine politische Philosophie bezeichnet, die die individuelle Freiheit und Autonomie als höchsten Wert ansieht. Doch die Taten Thiels, seine finanziellen Investitionen, sagen etwas Anderes. Er gilt als einer der wichtigsten Geldgeber und Strippenzieher des kulturellen und politischen Rechtsrucks in den USA.

Seine Ideologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom klassischen, oft völkisch oder rassistisch geprägten Rechtsextremismus, teilt jedoch zentrale Berührungspunkte bei der Ablehnung demokratischer Institutionen.

Zu erwähnen ist hier der US-Blogger Curtis Yarvin, Begründer einer Bewegung, zu der auch Elon Musk gehört. Sie lehnt das demokratische Grundprinzip ab, wonach alle Menschen gleich zu behandeln sind, und befürwortet stattdessen autokratische Regierungsformen. Staaten sollen wie Tech-Unternehmen von CEOs geführt werden.
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Curtis Yarvin.archivBild: screenshot X.com

Quellen

So berichtete kürzlich «Der Standard» über Peter Thiel:

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Firefly
06.06.2026 14:19registriert April 2016
Soso ein Flüchtling also!
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goodbunny
06.06.2026 14:17registriert Februar 2026
Vielleicht ist er auch besorgt oder zumindest informiert, was in den USA rund um die Midterms geschehen könnte.
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Paia87
06.06.2026 14:20registriert Februar 2014
oder kurz gesagt:
Zu viel Geld verändert Menschen!
300
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