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Luxus-Prepper: Mark Zuckerberg baut in Hawaii Bunker für Weltuntergang

Mark Zuckerberg und Priscilla Chan.
Legen grossen Wert auf Privatsphäre: Priscilla Chan (38) und Mark Zuckerberg (39).Bild: imago-images.de

Mark Zuckerberg, der Prepper – so bereitet er sich im Geheimen auf den Weltuntergang vor

Der Facebook-Gründer lässt auf Hawaii eine autarke Luxus-Wohnanlage bauen – inklusive riesigem unterirdischem Bunker. Er ist nicht der erste Techmilliardär, der sich für einen Zusammenbruch der Gesellschaft rüstet.
19.12.2023, 14:2502.12.2024, 17:30

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ausgerechnet Mark Zuckerberg, der mit dem Verkauf von User-Daten steinreich wurde, auf höchste Geheimhaltung pocht.

Der 39-jährige Multimilliardär will unbedingt verhindern, dass Aufnahmen seines Mammut-Bauprojekts auf Hawaii veröffentlicht werden. Privatsphäre über alles.

Tatsächlich zeigen Recherchen des «Wired»-Magazins, dass Zuckerberg auf einer der hawaiianischen Hauptinseln einen Prepper-Traum für Superreiche realisiert. Dazu gehört auch, die vom Landkauf und den Bauarbeiten betroffene Bevölkerung mit wohltätigen Aktionen für sich zu gewinnen.

«Zuck» ist aber bei Weitem nicht der einzige Superreiche, der sich für einen gesellschaftlichen Kollaps rüstet ...

«Es ist ‹Fight Club›. Wir sprechen nicht über den ‹Fight Club›.»
«Wired»-Informant

Woher wissen wir das trotz der Geheimhaltung?

Das US-Magazin «Wired» hat am 14. Dezember eine Exklusiv-Story zum 270-Millionen-Projekt veröffentlicht. Titel: «Inside Mark Zuckerberg’s Top-Secret Hawaii Compound».

Die US-Journalisten haben bei ihren Recherchen Gespräche mit mehreren Informanten geführt, die mit dem Projekt in Verbindung stehen oder standen, und sie konnten amtliche Aufzeichnungen und Gerichtsdokumente auswerten.

Niemand, der an dem Projekt arbeite, dürfe darüber sprechen, schreiben sie im Artikel. Praktisch jeder, der die Sicherheitsschleuse am Eingang zum Gelände passiere, sei an eine strikte Geheimhaltungsvereinbarung, ein NDA («Non-Disclosure Agreement»), gebunden – und zwar vom Tischler über den Elektriker und Maler bis zur Security.

Das Projekt sei dermassen gross, dass «ein nicht unerheblicher Teil der Insel» an das NDA gebunden sei.

Quellen zufolge werden verschiedene Bautrupps innerhalb der privaten Grossbaustelle für unterschiedliche Projekte eingesetzt und den Arbeitern sei es verboten, mit anderen Trupps über ihre Tätigkeiten zu sprechen.

Ein lokaler Architekt meinte scherzhaft, dass ihn das Vorgehen an frühzeitliche Herrscher erinnere, die der Legende nach die Konstrukteure ihrer ehrgeizigsten Bauprojekte töten liessen, damit sie die Geheimnisse mit ins Grab nahmen.

Kein Wunder, schiessen angesichts der Geheimniskrämerei die Spekulationen und Gerüchte ins Kraut. Eine Person will laut «Wired» gehört haben, dass die Zuckerbergs «eine riesige unterirdische Stadt» bauten. Viele Leute vermuteten, dass der Ort im Falle eines Zusammenbruchs der Zivilisation zu einer Art postapokalyptischem Bunker werde.

Was wissen wir zu den Prepper-Aspekten des Projekts?

Den Planungsunterlagen zufolge umfasst das Bauvorhaben der Zuckerbergs zwei luxuriöse Villen, elf miteinander verbundene Baumhäuser sowie eine Bunkeranlage.

Im Mittelpunkt der Anlage stünden zwei Villen mit einer Gesamtfläche von 5300 Quadratmetern. Sie verfügten über mehrere Aufzüge, Büros, Konferenzräume und eine Küche in Industriegrösse.

Im Bericht heisst es, es sei «ein opulentes Techno-Xanadu» geplant, komplett mit unterirdischem Unterschlupf und einer Panzertür, die Explosionen standhalten soll.

Die Anlage soll autark funktionieren, also eine eigene Energie- und Lebensmittelversorgung haben und mit den Grundstückskaufpreisen über 270 Millionen US-Dollar kosten.

Die teilweise fertiggestellte Anlage soll schliesslich aus mehr als einem Dutzend Gebäuden mit insgesamt mindestens 30 Schlafzimmern und 30 Badezimmern bestehen.

Der Bunker soll gemäss den von «Wired» eingesehenen «detaillierten Planungsdokumenten» 5000 Quadratmeter Fläche haben. Die Pläne zeigten, dass die beiden zentralen Villen durch einen Tunnel verbunden werden, der in die unterirdische Anlage abzweige. Diese habe einen Wohnraum, einen Maschinenraum und einen Notausstieg.

Die Tür zum unterirdischen Bunker sei aus Metall gefertigt und mit Beton ausgefüllt – die übliche Bauweise bei Luftschutzbunkern, die wir auch hierzulande kennen.

Die Wasserversorgung soll über ein eigenes Pumpsystem gewährleistet sein, gespeist durch einen Tank mit einem Durchmesser von 17 Metern und einer Höhe von 5 Metern.

Auf dem 1400 Hektar grossen Gelände werde durch Viehzucht und Landwirtschaft schon heute eine Vielzahl an natürlichen Nahrungsmitteln produziert, heisst es.

Wo wird gebaut?

Das als Koolau Ranch bekannte Grundstück ist rund 1400 Hektar gross und liegt auf Kauai, der kleinsten der vier Hauptinseln Hawaiis. Ihren Spitznamen «Garteninsel» verdankt sie den tropischen Regenwäldern, die einen Grossteil der 1430 Quadratkilometer grossen Fläche bedecken.

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Auf Kauai leben rund 73'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Laut «Wired» sind es vor allem Nachkommen einheimischer Hawaiianer sowie chinesische, japanische, philippinische und puertoricanische Einwanderer, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert kamen, um auf den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Mit dem wachsenden Tourismus kamen in den letzten Jahrzehnten immer mehr reiche Neuankömmlinge – insbesondere US-Amerikaner vom Festland – hinzu.

Zuckerberg sei bei Weitem nicht der einzige wohlhabende Newcomer – oder gar der einzige Milliardär –, der dort Land kaufe und Kauai seinen Teilzeitwohnsitz nenne. Etwas südlich des Zuckerberg-Grundstücks habe der Melaleuca-Eigentümer Frank VanderSloot kürzlich 51 Millionen investiert. Dessen Unternehmen ist gemäss eigenen Angaben der grösste Online-Wellness-Shopping-Club der Welt.

Gibt es Widerstand gegen das Zuckerberg-Projekt?

Ja, den gibt es schon seit geraumer Zeit.

2016 liessen die Zuckerbergs eine zwei Meter hohe Mauer um ihr Anwesen an der Nordküste der Insel errichten und verärgerten die Anwohner, weil dadurch der Ausblick und Zugang zum nahegelegenen Stand eingeschränkt wurde.

2017 wurde publik, dass die Zuckerbergs juristisch gegen ihre direkten Nachbarn vorgingen, worauf sie einen Rückzieher machten. Nahezu ein Dutzend kleiner Parzellen auf dem Riesenanwesen gehörten einheimischen Familien, die das Recht hatten, das ansonsten private Anwesen der Milliardärsfamilie zu durchqueren. Die Zuckerbergs versuchten, diese Familien zu zwingen, ihr Land im Rahmen einer öffentlichen Gerichtsauktion an den Meistbietenden zu verkaufen.

Im Juni 2020 erreichte eine Online-Petition, mit der aufgerufen wurde, «Mark Zuckerberg daran zu hindern, Kauai zu kolonisieren», mehr als eine Million Unterschriften.

In den letzten Jahren scheinen Zuckerberg und Chan eine Charmeoffensive gestartet zu haben, um sich das Wohlwollen der einheimischen Bevölkerung zu erkaufen sichern. Ihre örtliche Wohltätigkeitsorganisation, der Chan Zuckerberg Kauai Community Fund, habe seit 2018 mehr als 20 Millionen US-Dollar an verschiedene gemeinnützige Organisationen auf Kauai gespendet, hält «Wired» fest.

Mit dem Status als bedeutende Wohltäter seien für die Zuckerbergs politische Verbindungen einhergegangen. Sie hätten eine Beziehung zum Bürgermeister von Kauai, Derek Kawakami, aufgebaut und mehrere Treffen abgehalten, um die Finanzierung lokaler Initiativen zu besprechen.

Vorläufiges Fazit: Durch ihre Spenden, die geschaffenen Arbeitsplätze und die Hunderttausenden Dollar an jährlicher Grundsteuer hat die Milliardärsfamilie bereits einen beträchtlichen Einfluss auf das Leben der Inselbewohner genommen. Und laut «Wired» werden bei Facebook auch Wünsche für weitere Investitionen an sie herangetragen.

«Zuckerbergs Präsenz mag zwar die Wohltätigkeit steigern, wird aber nicht die Grundursachen angehen, warum wir diese Art von philanthropischer Wohltätigkeit überhaupt brauchen.»
Nikki Cristobal, Chefin der hawaiianischen Non-Profit-Organisation Kamawaelualani

Was sagt der Bauherr zum Prepper-Projekt?

So wie es sich für echte Prepper gehört, schweigen Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan zu dem Thema. Die Sprecherin der Multimilliardärsfamilie, Brandi Hoffine Barr, lehnte es ab, sich zum Umfang oder zu den bunkerähnlichen Eigenschaften des Projekts zu äussern.

Die Zuckerberg-Sprecherin lehnte es auch ab, sich zu der konkreten Kritik der Nachbarn an den Auswirkungen des Projekts auf das Gebiet zu äussern. Und sie verwies gemäss Bericht darauf, dass die früheren Eigentümer den Bau von 80 Luxushäusern auf dem Grundstück geplant hatten.

Sie äusserte sich nicht zu den Behauptungen der Arbeiter über die strikte Durchsetzung von Geheimhaltungsvereinbarungen und fügte hinzu, dass die Zuckerbergs und ihre Kinder das Anwesen als ihr Zuhause betrachteten.

«Mark und Priscilla [Zuckerberg] schätzen die Zeit, die ihre Familie auf der Koolau Ranch und in der örtlichen Gemeinde verbringt, und setzen sich dafür ein, die natürliche Schönheit der Ranch zu bewahren.

Unter ihrer Obhut wird weniger als ein Prozent des gesamten Landes bebaut, wobei der überwiegende Teil der Landwirtschaft, Viehzucht, Naturschutz, Freiflächen und dem Schutz der Tierwelt gewidmet ist.»
quelle: quelle: wired.com

Was planen andere Techmilliardäre bezüglich Weltuntergang?

Der LinkedIn-Co-Gründer Reid Hoffman sagte schon 2017 dem «New Yorker», er schätze, dass mehr als die Hälfte der Silicon-Valley-Milliardäre in eine Art «Apokalypse-Versicherung», wie einen unterirdischen Bunker, investiert hätten.

Da wäre unter anderem der Oracle-Milliardär Larry Ellison zu nennen: Ihm gehört nun die kleinere hawaiianische Insel Lanai, die der Küste von Maui vorgelagert ist.

Yishan Wong war wie Elon Musk ein Mitglied der sogenannten «Paypal-Mafia», dann ein früher Facebook-Angestellter und später auch noch Chef von Reddit. Zu den Prepper-Motiven der Silicon-Valley-Superreichen erklärte er:

«Die Tech-Prepper halten einen Zusammenbruch nicht unbedingt für wahrscheinlich. Sie halten es für ein fernes Ereignis, das jedoch sehr schwerwiegende Nachteile mit sich bringt. Daher geben sie, wenn man bedenkt, wie viel Geld sie haben, einen Bruchteil ihres Nettovermögens aus, um sich dagegen abzusichern ... ist eine logische Sache.»
quelle: quelle: newyorker.com

Auch der vorübergehend geschasste Chef von OpenAI, Sam Altman, zählt gemäss eigenen Angaben zu den superreichen Preppern. Er habe sich einen Vorrat an Waffen, Gold, Kaliumjodid, Antibiotika, Batterien, Wasser sowie Gasmasken von der israelischen Verteidigungsarmee zugelegt und ein grosses Stück Land in Big Sur, zu dem er fliegen könne.

Sollte es noch schlimmer kommen in den USA, wollte Altman ebenfalls vorsorgen. Er traf eine Vereinbarung mit dem Techmilliardär Peter Thiel (Paypal-Mafia): Die beiden wollten im Falle eines apokalyptischen Ereignisses per Privatjet zu einem von Thiels neuseeländischen Grundstücken fliegen.

Neuseeland werde von einigen als idealer Ort zum Abwarten eines apokalyptischen Ereignisses angesehen, hält «Wired» fest. Und darum seien die Inseln im Südwestpazifik inzwischen «mit Bunkern für die Tech-Elite» durchsetzt. Anzumerken ist, dass sich Peter Thiel noch in einem Rechtsstreit befindet wegen des geplanten Baus einer Luxus-Lodge auf der Südinsel. Der Fall würde nun möglicherweise Anfang 2024 vor dem Umweltgericht verhandelt, hiess es.

Und spätestens hier muss Robert A. Johnson zu Wort kommen. Der Princeton-Absolvent und Geschäftsführer beim Hedgefonds Soros Fund Management weilt regelmässig am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos. 2009, nach Ausbruch der Finanzkrise, wurde er zum Leiter einer Denkfabrik ernannt, dem Institute for New Economic Thinking.

Dann schlug Johnson im Januar 2015 am WEF Alarm: Die durch die wachsende soziale Ungleichheit verursachten Spannungen seien so ausgeprägt, dass einige der vermögendsten Menschen Massnahmen ergriffen hätten, um sich abzuschotten. Er kenne Hedgefonds-Manager auf der ganzen Welt, die Landebahnen und Farmen an Orten wie Neuseeland kauften, «weil sie denken, sie brauchen einen Rückzugsort».

«Warum scheinen Menschen, die wegen ihrer Macht beneidet werden, solche Angst zu haben? Was sagt uns das wirklich über unser System?»
Robert A. Johnson

PS: Tatsächlich wurde die Kluft zwischen der normalen Bevölkerung und den Reichen seither noch grösser.

Quellen

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