Warum Nintendo mit dem Remake eines 28 Jahre alten Zelda-Spiels alle in den Bann zieht
Schon beim Titelbildschirm ist es sofort da, dieses selige Lächeln, das nicht mehr weggehen wird. Wer den Klassiker kennt, weiss, was ihn erwartet, und wird dennoch immer wieder aufs Neue überrascht. Wer zum ersten Mal diese eine Reise beginnt, wird schnell fühlen, warum sich gerade dieses Videospiel in so viele Herzen von Spielerinnen und Spielern geschlichen hat und dort auf ewig weilen wird.
Ein Weckruf aus der Vergangenheit
Es war jenes Spiel für die Konsole Nintendo 64, das uns 1998 eine Welt offenbarte, die wir uns vorher kaum zu träumen wagten. Das Abenteuer mit Link und all den kauzigen Figuren berührte uns, sorgte für Tränen und lange Nächte vor dem Röhrenfernseher, die sich in unser Langzeitgedächtnis brannten. Und wir staunten ab dem ersten 3D-Ausflug mit dem Helden in Grün, fühlten uns frei wie nie und sahen das Medium Videospiel auf seinem Höhepunkt angekommen. Nun wollen alle diese Gefühle von damals mit dem Remake reaktiviert werden.
Übrigens: «Ocarina of Time» bekam sogar schon mal ein kleines Update im Jahr 2011 verpasst. Damals entschloss sich Nintendo das Spiel für den Handheld Nintendo 3DS nochmals zu veröffentlichen. «The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D» war allerdings nur eine leicht überarbeitete Fassung des Originals. Jetzt erst darf der Begriff Remake ohne Wenn und Aber verwendet werden.
Ein kleiner Junge mit einer Fee
Wie üblich tauchen wir mit dem ewigen Helden Link in das «Zelda»-Abenteuer hinein, der zum Start noch ein kleiner Junge ohne heldenhafte Fähigkeiten ist. Von einem grossen, alten Deku-Baum, der im Sterben liegt erfahren wir von unserem Schicksal. Wir werden durch das Königreich Hyrule geschickt, um uns mit der legendären Prinzessin Zelda zu treffen, die uns dann mitteilen wird, was genau abgeht und warum das ganze Land kurz vor dem Untergang weilt.
Damit wir nach dem Verlassen unserer Heimatstätte Kokiri nicht komplett verloren gehen und vereinsamen, gesellt sich Navi an unsere Seite, eine süsse kleine Fee, die uns nicht mehr von der Seite weichen wird und uns stets mit Rat und Tat zur Seite steht. Leider müssen wir auch unsere beste Freundin Salia hinter uns lassen, aber wir wissen sowieso insgeheim, dass wir sie sicher bald wiedersehen werden.
Eine epische Heldenreise beginnt
Kein Abenteuer ohne Bösewicht: Fiesling Ganondorf wird schnell als Antagonist ertappt, der am Hofe der Prinzessin Zelda sein Unwesen treibt und das magische Triforce an sich reissen möchte, um sich eine neue Welt zu formen. Im Auftrag der Prinzessin soll Link das Objekt der Begierde nun beschützen und sicherstellen. Dafür braucht er drei heilige Steine, um sich Zugang zu gewähren, die er jetzt im Königreich beschaffen muss. Das war's? Oh nein, das war quasi nur der Auftakt eines wahrlich epischen Abenteuers, das uns noch stundenlang begeistern wird.
Wir lernen mit der titelgebenden Okarina der Zeit Musik zu spielen, die uns viele Türen und Tore öffnen wird, wir erhalten magische Fähigkeiten und Waffen, um uns in klassischen Dungeons auszutoben, wir treffen auf viele herzige Bewohner und Weggefährten, wir werden auf unserem geliebten Pferd Epona reiten und wir reisen schliesslich durch die Zeit, um als erwachsener Link in die Geschehnisse einzugreifen, Zeiträtsel zu lösen und den Fiesling Ganondorf zu jagen. Das alles und noch viel, viel mehr wartet auf uns.
Wichtiges Spiel für die «Zelda»-Lore
Wer im «Zelda»-Universum nicht so bewandert ist und jetzt schon ein paar Fragen hat, kann sich beruhigen, denn die Geschichte wird behutsam erklärt und ist dann doch simpler, als man meinen möchte. Kenntnisse von anderen «Zelda»-Spielen sind nicht nötig. Im Gegenteil, denn «Ocarina of Time» ist im Grunde genommen ein Prequel zur ganzen Saga und dient auch als Erklärungsgrundlage, warum Link in den kommenden Videospielen immer wieder gefühlt dasselbe tut und sich vieles wiederholen mag. Doch bevor wir noch tiefer in die Lore hinabtauchen und uns mit unterschiedlichen Zeitsträngen befassen, zurück zum eigentlichen Videospiel …
Optische Frischzellenkur und stimmige Welt
Was ist denn jetzt eigentlich neu an diesem Remake? Im Fokus steht natürlich die optische Frischzellenkur, die sich vom Original deutlich unterscheidet und komplett neu animiert wurde. Egal ob Steppe, Wald, Dörfer, Tempel oder Palast, alles wurde überholt und mit einer ordentlichen Portion an Detailgrad übergossen, der uns staunen und innehalten lässt.
Wenn wir über die Felder reiten, bleiben wir oft einfach nur stehen, um uns das alles ganz genau anzuschauen, wir erfreuen uns an dem regen Treiben in den Dörfern und Städten, wo wir uns mit vielen Figuren unterhalten dürfen, wir geniessen die einmalige Atmosphäre im Wald und saugen die Dungeon-Atmosphäre in uns auf. Klar, die puppenartige Optik von manchen Charakteren mag nicht allen gefallen, doch je länger wir uns in dieser Fantasiewelt aufhalten, desto mehr erkennen wir, wie gut das alles zueinanderpasst und uns eine Welt präsentiert, die schlüssig und stimmig daherkommt. Wir fühlen uns sofort wohl und möchten jedes kleine Geheimnis lüften.
Musik fürs Herz und ein stummer Held
Nebst dem neuen optischen Kleid gibt es auch frische Zwischensequenzen, die jetzt sogar teilweise eine Sprachausgabe besitzen. So dürfen wir in einigen Szenen den Worten von bekannten Figuren wie Darunia oder Ruto lauschen. Nur Link nicht, der ist und bleibt stumm. Alles andere als stumm ist der Soundtrack, der mit orchestraler Intensität richtig schön abgeht und uns bekannte «Zelda»-Tracks spendiert. Da geht das Herz sofort und regelmässig auf und wir suhlen uns in diesem legendären Klangteppich.
Weniger Frust und endlich aktives Hüpfen
Auch bei der Steuerung hat sich einiges getan. Wir können jetzt rennen und auf Knopfdruck über Hindernisse hüpfen oder über Abgründe springen. Wer da jetzt die Stirn in Falten legt und sich fragt, warum solche Standardaktionen nicht Usus sind, der kennt das Original nicht, das uns steuerungstechnisch manchmal doch auch ganz viele Nerven gekostet hat. Dann dürfen wir jetzt endlich auch die Kamera frei steuern, die Auswahl von Gegenständen geht viel schneller, da wir nicht mehr pausieren müssen, und wer möchte, kann die Okarina auch via direktes Pfeifen oder Summen in das Mikrofon spielen.
Via Menü «Spuren der Zeit» können wir uns nicht nur über vergangene Inhalte orientieren, sondern erhalten auch mittels eines grossen Wandteppichs unsere aktuellen Ziele abgebildet, damit wir uns im Königreich nicht komplett verirren und nach Anhaltspunkten suchen müssen. Und schliesslich wurden auch die heimlichen Stars des Spiels, die Dungeons überarbeitet, optisch gehörig aufpoliert und von vielen Frustfaktoren befreit, so dass Wutanfälle draussen bleiben müssen. Ja, lieber Wassertempel, du bist gemeint!
Ein Videospiel nimmt sich Zeit
Das Remake macht einem wieder mal klar, was für einen zeitlosen Klassiker Nintendo hier erschaffen hat. Das Spiel besitzt eine perfekt ausbalancierte Lern- und Motivationskurve, die immer wie mehr antreibt und befriedigende Ergebnisse und Erlebnisse hinterlässt. Von der kleinen Schatztruhe, die wir per Zufall finden, bis zum grossen Boss, den wir nach einem intensiven, aber fairen Kampf gelegt haben, das Spiel verwöhnt uns mit kleinen und grossen Erfolgsmomenten, die stets perfekt in der Welt platziert wurden.
Die Geschichte nimmt sich auch immer wieder Zeit für melancholische Momente und Pausen, in denen wir mit den Tränen kämpfen müssen und schiebt uns dann wieder behutsam in Richtung episches Drama. Und immer wenn wir denken, besser kann es gar nicht mehr werden, wird noch eine Portion draufgelegt. Das funktionierte damals hervorragend und ist auch heute noch via Remake an Intensität kaum zu überbieten.
In Watte gepackt
Und dann ist da noch dieser grosse Extrapunkt, den vor allem diejenigen erhalten, die das Originalspiel kennen: Nostalgie. «Ocarina of Time» ist eine pulsierende Nostalgie-Maschine, die uns zuballert und in Watte packt. Unzählige liebgewonnene Szenen, Begegnungen und Herzensmomente werden hier gekitzelt und werfen uns in eine unbeschwerte Zeit zurück, als wir Link auf seiner Reise begleiten durften und die damalige göttliche 3D-Wundertechnik der Videospielkultur erleben durften. Eine nostalgische Umarmung, die uns fest umschliesst, auf den Kopf tätschelt und uns wohlige Erinnerungen schenkt.
Ein verdientes Remake
Fazit: Während diese Zeilen hier entstehen, werden im Kopf die lieblichen Okarina-Melodien nachgepfiffen. Was für ein wunderschöner Trip in die Vergangenheit, der aufzeigt, warum gerade dieses eine Videospiel so viele Menschen berührt und in seinen Bann gezogen hat.
Nintendo hat sich hier absolut richtig entschieden: keine Experimente. Das Grundgerüst wurde in Ruhe gelassen. Keine neuen grossen Abschnitte, keine unnötigen Story-Streckungen oder gar neue, ausufernde Waffen und Fähigkeiten, nein, das Spiel bleibt sich treu und bekommt ein Remake, das es verdient hat und wo an den richtigen Stellen geschraubt wurde, damit es auch heute noch einschlagen darf.
Der Fall ist klar: Wer es bereits kennt und liebt, badet seit Monaten in der Vorfreude und wird in der Geschichte erneut versinken. Wer das Original nicht gespielt hat, und eine unvergessliche Zeit erleben möchte, sollte diesem Remake unbedingt eine Chance geben, sich verzaubern lassen und Momente für die Ewigkeit erleben. Videospiel des Jahres? Für «Zelda»-Fans auf jeden Fall!
«The Legend of Zelda: Ocarina of Time» ist ab dem 5. November für Nintendo Switch 2 erhältlich und freigegeben ab 12 Jahren.
