Google Pixel Watch 5 vs. Samsung Galaxy Watch 9: Es gibt einen klaren Testsieger
Nebeneinander auf dem Tisch wirken die beiden Uhren wie Gegenentwürfe. Googles Pixel Watch 5 ist kreisrund und lässt sich über eine Drehkrone bedienen. Samsungs Galaxy Watch 9 hat ein eckiges Gehäuse mit stark abgerundeten Ecken und Tasten, ihr Display liegt flach.
Im Datenblatt überwiegen dagegen die Gemeinsamkeiten. Beide Displays leuchten mit bis zu 3000 Nits, beide Uhren laufen mit Wear OS 7. Auch die Preise liegen sehr nah beieinander. Im Alltag trennt sie allerdings mehr als die Optik. Ein Unterschied fällt so deutlich aus, dass er die Kaufentscheidung fast allein bestimmt.
Erster Eindruck: rund gegen eckig
Die von uns getestete Pixel Watch 5 misst 45 Millimeter im Durchmesser und wiegt ohne Armband 36,7 Gramm. Die Galaxy Watch 9 (44 Millimeter) ist mit 34 Gramm etwas leichter und misst 46 mal 43,7 Millimeter. Welche Form besser gefällt, muss jeder selbst entscheiden. Google setzt auf fliessende Rundungen, Samsung auf eine Mischung aus Kreis und Quadrat, die schon den Vorgänger geprägt hat.
Auf dem Papier trennt die beiden vor allem die Bauhöhe. Mit 12,3 Millimetern ist die Pixel Watch 5 deutlich dicker als die Galaxy Watch 9 mit 8,6 Millimetern. Am Handgelenk verschwindet dieser Unterschied allerdings. Die Rückseite der Google-Uhr ist nach unten gewölbt und sinkt dadurch etwas ein, die Samsung-Uhr liegt flach auf. Im Ergebnis tragen beide gleich hoch auf.
Verarbeitung: Die Kanten machen den Unterschied
Beide Gehäuse bestehen aus Aluminium, beim Displayglas gehen die Wege auseinander: Samsung schützt den Bildschirm mit Saphirglas, Google mit etwas weniger resistentem Gorilla Glass 5. In unserem Test bekam allerdings keine der beiden Uhren einen Kratzer ab, und auch bei Material und Haptik merkt man im Alltag keinen Unterschied. Beide sind nach IP68 gegen Staub und Wasser geschützt und bis zu einem Druck von 5 ATM wasserdicht.
Im Alltag liegt die Pixel Watch 5 enger an. Die Galaxy Watch 9 stört nicht, ist wegen ihrer Kanten aber spürbarer. Nachts sind sie gewöhnungsbedürftig, beim Basketball wurden sie zum Problem: Die Samsung-Uhr drückte am eigenen Handgelenk und hinterliess beim Gegenspieler Kratzer. Mit der Google-Uhr passierte das nicht.
Übermässig geschwitzt haben wir unter keinem der mitgelieferten Sportarmbänder, auch der Wechsel klappt bei beiden problemlos. Beim Verschluss liegt Google vorn: Dort wird das Bandende nach innen geschoben und sitzt fest. Bei der Galaxy Watch 9 steckt es – anders als beim Vorgänger – in Schlaufen und rutschte beim Sport immer wieder heraus.
Display und Bedienung
In puncto Helligkeit liegen beide Uhren mit jeweils bis zu 3000 Nits gleichauf. Beide Displays waren im Test auch in der Sonne gut ablesbar. Bei starkem Gegenlicht spiegeln sie, gestört hat uns das nie. Heller als bei den Vorgängern wirken sie im direkten Vergleich allerdings nicht.
Google verbaut ein AMOLED-Display mit 320 Pixeln pro Zoll, das seine Bildwiederholrate zwischen 1 und 60 Hertz anpasst und so Strom spart. Gewölbt ist dabei nicht nur das Deckglas, sondern auch das Display darunter. Samsung setzt auf ein flaches, 1,47 Zoll grosses Super-AMOLED-Display mit 480 mal 480 Pixeln. Eine dauerhaft eingeschaltete Anzeige, das Always-on-Display, beherrschen beide.
Bei der Bedienung setzt Google auf eine drück- und drehbare Krone mit spürbarer Rückmeldung und eine zusätzliche Taste, Samsung auf zwei Tasten ohne Drehfunktion. Beides funktioniert gut, welches Konzept besser liegt, ist Geschmackssache. Beide Uhren lassen sich zudem per Handgeste steuern, etwa durch doppeltes Zusammentippen von Daumen und Zeigefinger oder eine kurze Drehung des Handgelenks. Das klappt ähnlich gut, aber nicht immer auf Anhieb. Ein praktisches Detail bietet Samsung bei der Taschenlampe: Durch Wischen am Displayrand lässt sie sich dimmen.
Leistung: Samsung jubelt zu früh
In der Galaxy Watch 9 arbeitet der neue Snapdragon Wear Elite von Qualcomm mit fünf Rechenkernen, dazu kommen 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und 32 Gigabyte Speicherplatz. Google nutzt einen Snapdragon W5 der zweiten Generation mit 3 Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte Speicherplatz; ein zusätzlicher sparsamer Chip übernimmt die dauerhaften Messungen. Im Alltag reagiert die Samsung-Uhr etwas schneller. Langsam ist die Pixel Watch 5 deshalb nicht, Hänger gab es bei keiner. Auch der KI-Assistent Gemini reagiert auf beiden gleich schnell.
Grössere Unterschiede zeigen sich beim Sport: Die Galaxy Watch 9 beendete Trainings immer wieder von selbst, sobald wir eine kurze Pause einlegten, und gratulierte gleich zur Leistung. Die Pixel Watch 5 wartete ab und zeigte erst später eine Zusammenfassung, die das Training korrekt wiedergab. Auch die automatische Trainingserkennung der Samsung-Uhr springt (zu) schnell an: Beim Abholen des Kindes von der nur 300 Meter entfernten Schule meldete sie «Super, weiter so» und verteilte überhaupt für fast alles Lob. Manche werden das als Motivation schätzen, im Test wirkte es eher aufdringlich. Immerhin lässt sich die Erkennung für einzelne Aktivitäten abschalten.
Beim GPS liegen beide nah beieinander, beide empfangen auf zwei Frequenzen. Google will die Aufzeichnung zusätzlich per Software verbessert haben, unter anderem mit 3D-Gebäudemodellen aus Google Maps. Im Test zeichnete die Pixel Watch 5 tatsächlich etwas genauer auf, gut ist aber auch die Galaxy Watch 9. Ähnlich beim Puls: Verglichen mit einem Blutdruckmessgerät am Handgelenk lag Google minimal näher am Referenzwert.
Beim Akku zeigt sich der grösste Unterschied
Auf dem Papier ist der Unterschied gering. Der Akku der Pixel Watch 5 fasst 465 Milliamperestunden, der der Galaxy Watch 9 445. Google verspricht bis zu 40 Stunden Laufzeit mit Always-on-Display und bis zu 72 Stunden im Energiesparmodus. Samsung nennt für die 44-Millimeter-Version gar keine Laufzeit.
Im Test hatte hingegen die Galaxy Watch 9 nach 24 Stunden mit Always-on-Display noch 20 Prozent Akku übrig, die Pixel Watch 5 mehr als 60 Prozent. Ohne Always-on-Display lagen beide jeweils rund 10 Prozentpunkte höher. Hochgerechnet übertrifft die Google-Uhr damit sogar die eigene Herstellerangabe. Die Galaxy Watch 9 muss praktisch täglich an die Ladestation.
Ebenso auffällig ist der Abstand beim Laden. Aus vollständig entladenem Zustand liess sich die Pixel Watch 5 in 50 Minuten vollständig aufladen – die Galaxy Watch 9 brauchte zwei Stunden. Was das im Alltag bedeutet, zeigte sich an einem Morgen mit leeren Akkus: Nach zehn Minuten am Ladegerät hatte die Samsung-Uhr elf Prozent erreicht, die Google-Uhr knapp 50. Die Pixel Watch 5 kam damit durch den Tag, die Galaxy Watch 9 musste zu Hause bleiben.
Für Samsung ist das mehr als ein Schönheitsfehler. Das Unternehmen bewirbt die Uhr als Gesundheitsbegleiter, der rund um die Uhr getragen werden soll. Die Funktion «Vitals» etwa wertet Messwerte aus dem Schlaf aus und braucht Daten aus mindestens sieben Nächten. Wer täglich zwei Stunden lädt, hat zwangsläufig Lücken – und nachts laden kommt nicht infrage, wenn die Uhr den Schlaf messen soll.
Software: Samsung schliesst Nichtkunden stärker aus
Samsung bündelt die Gesundheitsdaten in der App Samsung Health und ergänzt sie um neue Auswertungen, etwa einen Fitnessindex mit persönlichen Zielen und Warnungen bei gefährlich lauter Umgebung. Nicht alle Funktionen stehen jedoch allen Nutzern zur Verfügung: EKG, Blutdruckmessung, der neue Wert «Heart Health Score» und die Erkennung von Anzeichen einer Schlafapnoe funktionieren nur mit einem Samsung-Smartphone. Wer ein Android-Handy eines anderen Herstellers nutzt, muss darauf verzichten. Das ist eine unnötige Einschränkung.
Ganz frei davon ist auch Google nicht. Einige Funktionen der Pixel Watch 5 laufen nur mit Pixel-Smartphones, etwa die Fernbedienung der Handykamera oder die App für Sprachaufnahmen.
Ein grosser Pluspunkt im Test war Googles «Intelligenter Wecker». Die Uhr misst Herzfrequenz und Körperbewegungen und sucht in einem Fenster von 30 Minuten vor der eingestellten Weckzeit die leichteste Schlafphase. In dieser weckt sie mit sanften, stärker werdenden Vibrationen. Im Test fühlten wir uns morgens spürbar frischer, selbst nach kurzen Nächten. Praktisch ist bei Google auch die automatische Schlaferkennung: Die Uhr kann den Schlafmodus selbstständig aktivieren und schaltet Benachrichtigungen stumm. Wer abends vergisst, ihn einzuschalten, wird so nicht von nächtlichen Newslettern geweckt.
Für Notfälle bietet die Pixel Watch 5 einen Notruf über Satellit. Seit Ende September bietet Google zudem die Health-Guardian-Funktionen an: Trends zu Blutdruck und Insulinresistenz sowie eine Auswertung der Schlafatmung. Sie sind kostenlos und laufen auch auf älteren Pixel Watches, anders als bei Samsung ist dafür keine Kalibrierung mit einem Blutdruckmessgerät nötig.
Die App Google Health enthält zudem einen KI-Coach, der Fitness- und Schlafdaten auswertet und Trainingspläne vorschlägt. Er ist durchaus hilfreich, allerdings nur im kostenpflichtigen Abo zu haben. Ob sich der Aufpreis lohnt, muss jeder für sich entscheiden.
Preise und Updates
Die Pixel Watch 5 kostet mit 45 Millimetern 399 Franken; die 41-Millimeter-Version startet bei 369 Franken. Die Galaxy Watch 9 kostet mit 44 Millimetern 379 Franken, mit 40 Millimetern 349 Franken. Die 50 bis 100 Franken teureren LTE-Versionen lohnen sich für alle, die ohne Smartphone telefonieren wollen, setzen aber ein entsprechendes Mobilfunk-Abo voraus. Beim Softwaresupport verspricht Samsung auf Nachfrage fünf Jahre Updates, Google drei.
Fazit
Auf dem Papier sind beide Uhren fast gleichwertig, im Alltag ist die Pixel Watch 5 die klar bessere Wahl. Sie hält mehr als doppelt so lange durch, lädt mehr als doppelt so schnell und trägt sich angenehmer – beim Sport wie nachts. Dazu kommen die unaufgeregte Begleitung beim Training und die Weckfunktion «Intelligenter Wecker». Schwächen hat auch sie: nur drei Jahre Updates, einige Funktionen nur mit Pixel-Handys oder gar nicht in Europa und der KI-Coach kostet extra. Unterm Strich ist sie ein solider, unauffälliger Begleiter, der funktioniert und im richtigen Moment da ist – auch zu 469 bzw. 499 Franken mit LTE eine klare Empfehlung.
Die Galaxy Watch 9 hat Stärken: Sie reagiert etwas flotter, ihr Saphirglas schneidet im Labor besser ab, Samsung verspricht längere Updates, und im Handel ist sie günstiger. Doch der schwache Akku und die langen Ladezeiten wiegen schwerer. Dazu kommen die spürbaren Kanten, ein Armband, das beim Sport verrutscht, und eine Trainingserkennung, die ab Werk zu oft eingreift. Infrage kommt sie für alle, die im Samsung-Ökosystem bleiben wollen, das eckige Design mögen und bereit sind, die Uhr täglich rund zwei Stunden zu laden.
Wer bereits eine Pixel Watch 4 oder Galaxy Watch 8 besitzt, muss nicht wechseln – bei der Galaxy Watch 9 wirkte der Akku im Test sogar eher schwächer als beim Vorgänger. Für Besitzer einer Pixel Watch 3 oder älter lohnt sich der Umstieg dagegen, allein schon wegen der Ladeschale, die Google mit der Pixel Watch 4 eingeführt hat.

