Darum wird dich das Sommermärchen «The Adventures of Elliot» in seinen Bann ziehen
In den ersten Spielminuten mögen kritische Augen mit dem Zeigefinger wedeln, weil das Spiel seine Retro-«Zelda»-Wurzeln nicht verleugnen kann. Die Parallelen sind inhaltlich als auch spieltechnisch durchaus nicht von der Hand zu weisen. Wenn man Rubine einsammelt, Gräser mit dem Schwert kürzer macht und ein Junge ein inniges Verhältnis mit einer Prinzessin beginnt, scheint der Fall klar zu sein. Doch je länger man spielt und sich in die Geschichte und die Mechanik hineinbegibt, desto mehr wird klar, dass «The Adventures of Elliot» durchaus auf eigenen Füssen steht.
Mit Hut, Schwert und Schild
Held Elliot ist quasi ein freischaffender Abenteurer, der mit Hut, Schwert und Schild Aufträge annimmt, um dem Königreich Huther zu dienen. Auch wenn Menschen oder Gegenstände vermisst werden, ist er stets zur Stelle, um auszuhelfen. Kurz: Der Typ ist einfach eine ganz sympathische Seele, der man stets vertrauen kann und die perfekt dazu geeignet ist, um eine grössere Mission zu bestreiten.
So wird er vom König höchstpersönlich zu einer alten Ruine geschickt, um zu untersuchen, ob dort angeblich magische Überreste angezapft werden können. Warum? Heuria, die Prinzessin des Landes, ist persönlich für einen Schutzzauber rund um das Schloss verantwortlich, um Monster und böse Mächte von den Burgmauern fernzuhalten. Da wäre es natürlich von Vorteil, wenn die holde Maid etwas Unterstützung und Ressourcen bekommen würde. Also beginnt Elliot ein neues Abenteuer, das bald richtig schön ausartet und alle Figuren auf der Bühne miteinbeziehen wird. Denn die entdeckte Magiequelle ist, wie könnte es anders sein, nicht wohlgesinnt und im Hintergrund plant der böse Minister Kaifried gar ein Komplott.
Zeitreise? Zeitreise!
In der Begleitung einer Fee, die dem Helden im Kampf beisteht und manchmal etwas gar viel redet, besucht Elliot diverse Dungeons, fremde Gebiete im Königreich und reist auch in der Zeit zurück, weil wir den Bösewicht aufhalten wollen und in der Vergangenheit diverse Dinge anstellen und richtigstellen müssen, damit der Plan auch wirklich aufgeht.
Die Auswirkungen und Konsequenzen, die dabei in den Zeitlinien entstehen, sind wahrlich faszinierend und zeigen wunderschön, wie clever sich die Entwickler und Designer hier ausgetobt haben, um uns ein aussergewöhnliches Videospiel zu präsentieren. Dieses Prinzip sorgt zusätzlich dafür, dass sich die Spielfläche weiter ausdehnt und sich somit vier unterschiedliche Welten präsentieren, die wir entdecken dürfen.
Ein bisschen Rollenspiel
Auf der Heldenreise wird natürlich auch ordentlich gekämpft und diverse Bossgegner werden angegangen. Kämpft Elliot zu Beginn noch brav mit Schwert und Schild gibt es im Verlauf der Geschichte weitere Waffen, die in seine Tasche wandern. Vom klassischen Pfeil und Bogen bis zum Hammer mit ordentlichem Wums ist alles vertreten, was man in einem Action-Rollenspiel so benötigt. Die Kampf-Werkzeuge können dann auch nach Lust und Laune mit sogenannten Maginiten verbessert oder aufgewertet werden, um sich so seinen eigenen Kampfstil zu basteln. Maginiten-Teile werden u.a. von den Gegnern hinterlassen. Wer fünf Teile sammelt, bekommt schliesslich ein ganzes Stück, das sich dann zufallsbedingt einer Waffe zuordnen lässt.
Wer neugierig ist, wird belohnt
Auch freiwillige Nebenaufgaben warten auf uns, die uns noch tiefer in die Welt(en) eintauchen lassen. Dabei lernen wir nicht nur die simplen Abenteuer-Nebenrollen kennen, sondern machen auch Bekanntschaft mit sehr vielen interessanten Figuren, deren Schicksale uns doch sehr nahe gehen können. Auch wer abseits der Hauptpfade wandert und auf Entdeckung geht, wird belohnt. Es warten Schätze, Herausforderungen, Rätsel und kleine Überraschungen weit versteckt im Hinterland. Das Spiel schafft es, uns regelmässig zu kitzeln und uns mit kleinen Erfolgen zu befriedigen, so dass wir auch mal abseits der dramatischen Geschichte nach Luft schnappen können.
Einfach nur herzallerliebst
Audiovisuell ist «The Adventures of Elliot» eine Pracht, die Stunde um Stunde mehr verzückt. Die knuffige Pixelgrafik im HD-2D-Style aus der Vogelperspektive erinnert an viele charmante Retro-Titel, die wir damals geliebt haben. Hinzu kommen wunderschöne Lichteffekte und Gewässeranimationen, wo wir einfach nur innehalten und zusehen, wie sich alles vor unseren Augen entfaltet.
Die Figuren sind allesamt herzallerliebst gezeichnet und verlangen jederzeit einen grossen Jöh-Applaus. Zusätzlich gibt es in den Dialogen handgezeichnete Porträts von den Heldinnen und Helden, die Anime-Fans zusätzlich verzücken. Das Ganze wird mit einem Soundtrack umrahmt, der für jede Szenerie eine passende Stimmung verbreitet. Egal, ob es mal hektisch, ruhig oder total emotional wird, die Musik unterstützt aufkommende Gefühle perfekt und zieht uns noch mehr in das Drama hinein.
Ein wunderschönes Sommermärchen
Fazit: Lasst euch von den ersten Eindrücken nicht täuschen: «The Adventures of Elliot: The Millennium Tales» ist kein simpler «Zelda»-Klon, auch wenn dies zu Beginn die unterschwellige Botschaft sein mag. Dieses eine Abenteuer besitzt durchaus eine Eigenständigkeit, die vor allem inhaltlich ordentlich auf den Tisch haut. Hier wird keine gewöhnliche Gut-Gegen-Böse-Geschichte präsentiert, sondern alles geht viel tiefer, hat inhaltliche Konsequenzen und zieht uns immer mehr in seinen Bann. Zusätzlich bekommen wir ein Videospiel serviert, das über 30 Stunden audiovisuell einfach nur begeistert und an dem man sich nicht sattsehen oder -hören kann – ein wunderschönes Sommermärchen, das noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
«The Adventures of Elliot: The Millennium Tales» ist erhältlich für Nintendo Switch 2, Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 12 Jahren.
