Warum das neue Nintendo-Game «Star Fox» Kritik einstecken muss
Nintendo tut es immer wieder: Alte Marken und Figuren aus dem grossen Big-N-Kosmos refreshen oder aufwärmen, um sie der Videogame-Gemeinschaft erneut zu servieren. Jüngst bekam der knuffige Yoshi mit «Yoshi and the Mysterious Book» ein unterhaltsames Wimmel- und Suchspiel der etwas anderen Art, der «Zelda»-Klassiker «Ocarina of Time» will dieses Jahr via Remake gleich mehrere Generationen nochmals begeistern und bereits in den Startlöchern steht ein neues «Splatoon»-Game («Splatoon Raiders»), um auf die Fans losgelassen zu werden. Blickt man zurück oder voraus in den Game-Herbst hinein, sind komplett neue Marken und Ideen von Nintendo noch Mangelware. Da überrascht es also nicht gross, dass auch «Lylat Wars» aus der Mottenkiste genommen wurde, um es in ein hübscheres Kleid zu stecken.
Nicht das erste Remake
«Lylat Wars» erschien 1997 für die Spielkonsole Nintendo 64 und wollte am Erfolg des Vorgängers «Star Fox», der in unseren Breitengraden aus Lizenzgründen «Starwing» hiess, anknüpfen. «Star Fox 64», so der Originalname, war eine geradlinige Space-Ballerei, die via Rumble-Pak-Erweiterung sogar den Controller vibrieren liess und damals ein wahrlich neues Spielgefühl vorzeigen konnte.
Das Spiel konnte damals am Riesenerfolg des Vorgängers zwar nicht mehr so kompromisslos wie gewollt anknüpfen, schaffte es aber dennoch, eine riesige Fangemeinde glücklich zu machen. 2011 bekam der Titel bereits seine erste Neuauflage und wurde für den Nintendo 3DS neu umgesetzt. Fünf Jahre später wurde die Wii U mit «Star Fox Zero» beglückt. Dieses Abenteuer war quasi ebenfalls eine Neuinterpretation von «Lylat Wars». Nun hat sich Nintendo noch einmal an das Kultspiel von damals herangetraut und es einer Frischzellenkur unterzogen.
Fliegen, fahren, tauchen
Die Geschichte bleibt dieselbe: Fox McCloud hat sich selbstständig gemacht und nimmt mit seiner tierischen Truppe einen Regierungsauftrag an, um das Lylat-System zu schützen und zu befreien. Denn der Oberfiesling Andross steht kurz davor, seine Herrschaft auszudehnen und zu festigen. Also ziehen die tierischen Helden mit ihren kultigen Awings in die Raumschlacht und kämpfen sich von Planet zu Planet, um am Ende den Bösewicht zu bodigen. Hin und wieder stehen sogar ein Panzer für den Bodeneinsatz oder ein Mini-U-Boot unter Wasser zur Verfügung, damit die Abwechslung auch etwas zu tun hat.
Grafik darf sich sehen lassen
Viel optische Abwechslung bieten auch die einzelnen Planeten, sprich Levels, die wir bereisen dürfen. Von kalten und heissen bis zu verwüsteten oder malerischen Oberflächen mit Südsee-Flair ist alles vorhanden, was das Designer-Herz hervorgebracht hat. Selbstverständlich wurde hier eine neue Grafikoberfläche über das Original drübergelegt, die sich sehen lassen kann. Obendrauf gibt es neue Zwischensequenzen und Missionsbesprechungen, die mit viel Witz inszeniert wurden und das tierische Quartett bestens in Szene setzen.
Geschmeidige Rollen vollziehen
Das Spielprinzip ist und bleibt simpel: Alles wegballern, was vors Fadenkreuz gerät und immer schön brav den Hindernissen in der Luft ausweichen. Wir haben eine Turbo- und Bremsfunktion, können Bomben abwerfen und geschmeidige Rollen vollziehen, um den feindlichen Laserschüssen auszuweichen. Das sieht nicht nur alles toll aus, sondern fühlt sich auch wunderbar flüssig an, wenn wir versuchen, auf dem Schlachtfeld zu überleben. Dazu empfangen wir immer wiedermal Funksprüche mit wichtigen Infos und hauen uns auch schon mal lockere Sprüche mit den Kameraden um die Ohren.
Wie jetzt, schon vorbei?
Kaum ist man warm geworden, ist das Spiel auch schon vorbei. Ungelogen: Ein Durchgang unter zwei Stunden ist kein Problem und der Abspann läuft. Und nun? Wer die Weltraumkarte genau studiert, entdeckt, dass es hier noch ein paar andere Planeten und Systeme gibt, die wir im ersten Durchlauf noch gar nicht besucht haben. Der Clou: Nur wer in den einzelnen Levels genau aufpasst und bestimmte Anforderungen erfüllt oder durch bestimmte Objekte hindurchfliegt, kann dann eine neue Route wählen oder gar Portale öffnen, um einen anderen Weg einzuschlagen.
Für Kenner des Originals und der Spielmarke ist das Basiswissen, aber Neulinge werden zu sehr zurückgelassen, weil innerhalb des Spiels diese Möglichkeiten nicht konkret genug kommuniziert und vermittelt werden. Doch auch wenn man dann schliesslich alle neuen Levels abgeklappert hat, sind nur ein paar wenige Spielstunden mehr verbucht worden und das Schulterzucken beginnt von vorne.
Nette Spielereien
Um dem Spiel dann doch noch ein paar Stunden mehr Aufmerksamkeit zu schenken, gibt es noch ein paar Schwierigkeitsgrade, diverse kleine Herausforderungen und sogenannte Privatschlachten, also einen Mehrspielermodus, in dem dann sogar via GameChat-Funktion Charakter-Avatare Kopfbewegungen und Gesichtsausdrücke widerspiegeln, sofern man über eine USB-C-Kamera verfügt.
Diese nette Spielerei funktioniert ganz ordentlich, bleibt aber halt eine nette Spielerei, die jetzt nicht zusätzlich stundenlang an den Controller bindet. Wer möchte, kann das Spiel übrigens auch mit dem Maus-Zielmodus spielen, was tatsächlich gut funktioniert und kurzweilig Spass macht.
Einfach viel zu schnell vorbei
Fazit: «Star Fox» macht durchaus Spass, allerdings bleibt das Unterhaltungszeitfenster nicht sehr lange offen. Zu schnell ist die Kampagne durch, zu schnell hat man alle anderen Planeten entdeckt und zu schnell sind alle anderen Herausforderungen und Spielmodi konsumiert.
Obwohl sich die optische Frischzellenkur und die knackige Action mit schickem Sound und leichtfüssigem Humor wunderbar spielen lässt, ist die Luft aus dieser «Lylat Wars»-Neuauflage leider viel zu schnell raus und lässt uns etwas gar ratlos zurück. Da hätte man sich als Liebhaber des Originals dann doch etwas mehr Inhalt und Substanz gewünscht, um mit dem Spiel noch mehr Zeit zu verbringen.
Wen es dennoch in den Fingern juckt und wer unsicher bleibt, ob die 50 Franken für die Retro-Baller-Gaudi nicht zu viel sind, lädt sich am besten die Gratis-Demo herunter, bei der der Funke vielleicht doch noch überspringen mag.
«Star Fox» ist ab dem 25. Juni erhältlich für Nintendo Switch 2. Freigegeben ab 7 Jahren.
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