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Knackig oder verschrumpelt: Der kalifornische Apfel sorgt für Schlagzeilen.
Knackig oder verschrumpelt: Der kalifornische Apfel sorgt für Schlagzeilen.
bild: shutterstock
Analyse

Was zum Geier ist bloss mit Apple los? 

Mitten im Sommerloch schlagen Medien und sogenannte Finanzexperten Alarm: Glaubt man dem Geschrei, dann hat der iPhone-Konzern ernsthafte Probleme. Bullshit, meint der watson-Redaktor. 
05.08.2015, 19:1730.01.2019, 11:08

Zurzeit ist mal wieder unglaublich viel Bullshit über Apple zu lesen. Zum Beispiel:

Oder auch:

Dabei müsste die Schlagzeile eigentlich lauten: Was ist bloss mit den Journalisten los?

Die Berichterstattung über Apple erreicht dieser Tage einen neuen Tiefststand, passend zum gesunkenen Börsenwert des Unternehmens. 

Halbwahrheiten und reine Spekulationen werden herangezogen, um das Lied vom Niedergang anzustimmen. Wetten, dass es nicht mehr lang dauert, bis erneut das Wehklagen über die mangelnde Innovationskraft einsetzt?!

Fakt ist: Die Apple-Aktie ist unter Druck. Das hat aber nichts mit der Wirtschaftsleistung, sondern mit Spekulanten zu tun. Von den Turbulenzen dürften einige profitieren.

Sehr ärgerlich ist aus meiner Sicht, wenn Vermutungen als Tatsachen verkauft werden. So ist es mittlerweile gängige Praxis, die Apple Watch als Misserfolg abzutun. Dabei gibt es noch überhaupt keine Verkaufszahlen

Deal.
Deal.
Bild: Getty Images

Und auch beim neuen Streaming-Dienst Apple Music herrscht Bullshit-Alarm. Zwar muss Apple zurecht Kritik einstecken für das mangelhafte Software-Design. 

Doch sollte man daraus keine Rückschlüsse auf den wirtschaftlichen Erfolg des schon heute grössten Spotify-Konkurrenten ziehen. Noch läuft bei den meisten Kunden die kostenlose Probephase. Seriöse Rückschlüsse sind frühestens im September möglich.

Kein neues Phänomen

Zur Erinnerung: Es ist keine zwei Jahre her, da hiess es bei vielen Medien, Samsung mache Apple platt. Die Südkoreaner setzten mit ihren Galaxy-Smartphones zum Höhenflug an und eroberten scheinbar mühelos die Marktführerschaft. 

Bis die Kalifornier im Herbst 2014 erstmals iPhones mit grossem und sehr grossem Display auf den Markt brachten. Was folgte, ist bekannt: Apple erzielt ein Rekordquartal nach dem nächsten. Sogar in den traditionell schwächeren Sommermonaten läuft es dank iPhone 6 und 6 Plus hervorragend.

Und wie reagieren die Anleger? Sie lassen sich von Analysten ins Bockshorn jagen. Trotz Rekordzahlen hätte man noch mehr iPhones verkaufen müssen, heisst es. 

Sofort kommt auch wieder das Totschlag-Argument, dass Apple zu stark von einem einzigen Produkt (dem iPhone) abhängig sei. Bleibt anzumerken: Der Konzern erzielte mit anderen Produkten als dem iPhone im letzten Quartal einen Umsatz von 18.2 Milliarden Dollar. Googles Gesamtumsatz betrug im gleichen Zeitraum 17.7 Milliarden ...

Nicht zuletzt geht es darum, dass Player innerhalb der Finanzbranche mit dubiosen Machenschaften Kurse manipulieren.
Die Geldmaschine.
Die Geldmaschine.
bild: shutterstock

Für das äusserst unwahrscheinliche Szenario, dass das Smartphone-Zeitalter bereits in wenigen Jahren endet, scheinen die Kalifornier ebenfalls gerüstet. Mit der Apple Watch sammeln sie Erfahrungen im Bereich der Wearables. Und mit der HomeKit-Plattform haben sie schon einen Fuss in der Tür, was das Internet der Dinge betrifft. Nicht zu reden von Geheimprojekten wie dem Apple Car.

So zeigt der aktuelle Sinkflug der Apple-Aktie etwas Anderes: Der Börsenkurs hat nichts mit dem realen Wert eines Unternehmens und dessen Wirtschaftsleitung zu tun. Es geht um Psychologie, um die Gier, mit hochspekulativen Deals innert kürzester Zeit viel Geld zu machen. Nicht zuletzt geht es darum, dass Player innerhalb der Finanzbranche mit dubiosen Machenschaften Kurse manipulieren.

Die nächste S-Generation kommt

Panikmache im Sommerloch: Dazu passt die kürzlich verbreitete Meldung, wonach Apple im derzeit wichtigsten Wachstumsmarkt von Xiaomi entthront worden sei. Der iPhone-Hersteller finde sich in China gar nur noch auf dem dritten Platz, auch noch hinter Huawei. So what?

Tatsächlich liegen keine verlässlichen Zahlen zu den Marktanteilen im Reich der Mitte vor. Es handelt sich um Schätzungen einer Drittfirma. 

screenshot: seeking alpha

Fakt ist: Apple verkauft in China so viele iPhones wie nie zuvor. Und was in vielen Berichten unerwähnt blieb: Im Gegensatz zu den billigeren Android-Konkurrenten macht Apple mit jedem verkauften iPhone enorm Profit.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Im September präsentieren die Kalifornier die neuen iPhones: das iPhone 6S und das 6S Plus. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass sehr viele Besitzer eines älteren iPhones ein neues Modell kaufen werden – die Rede ist von über 70 Prozent. Hinzu kommt eine immer grössere Zahl von Android-Umsteigern.

#JustGiveUsYourMoney

Aber ganz egal, wie gut die Vorzeichen sind: Die Skeptiker werden wieder das Lied vom Niedergang anstimmen. Und Apple wird neue Verkaufsrekorde erzielen.

Dass bei der Apple-Berichterstattung in jedem Fall gesunde Skepsis angebracht ist, zeigt ein weiteres Beispiel. Gerade erst haben viele Medien berichtet, dass Apple zum Mobilfunk-Anbieter werde. Dabei berief man sich auf einen unbestätigten Bericht des amerikanischen Wirtschaftsblogs Business Insider. Einen Tag später musste man zurückrudern.

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