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Die blutigen Anschläge in Kabul – eine Übersicht in 4 Punkten

Gestern kam es um den Flughafen in Kabul zu zwei grossen Explosionen, die Dutzende Menschenleben kosteten. Die Terrormiliz «IS» bekannte sich zum Anschlag. Was du dazu wissen musst.
27.08.2021, 10:3227.08.2021, 12:07

Was ist passiert?

Zwei Bomben explodierten gestern inmitten grosser Menschenmengen am Flughafen in Kabul. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz «IS» bekannte sich zum Anschlag.

Gestern um 15:44 MESZ bestätigte Pentagon-Sprecher John Kirby die erste Explosion ausserhalb des Flughafens. Betroffen war das Gelände rund um das Abbey Tor beim Flughafen.

Bei der Attacke soll es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben. Direkt im Anschluss hätten eine Reihe von anderen Tätern das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, berichtet US-General Kenneth McKenzie.

Nur etwa eine halbe Stunde später kam es zu einer zweiten Explosion in einem nahe gelegenen Kabuler Hotel. Auch dort hielten sich grosse Menschenmengen auf – hauptsächlich britische Staatsbürger und gefährdete Afghanen und Afghaninnen, die dort auf ihre Evakuierung nach Grossbritannien vorbereitet werden.

Verwundete Afghanen nach den Attacken in einem Kabuler Spital.
Verwundete Afghanen nach den Attacken in einem Kabuler Spital.
Bild: keystone

Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul am Donnerstag mindestens 13 bis 20 Zivilisten getötet worden. Dabei handelt es sich allerdings noch nicht um endgültige Opferzahlen. Kursierende Videos von den Tatorten im Netz deuten auf eine viel höhere Opferzahl hin.

Die BBC sprach bereits gestern Abend von mindestens 60 Toten und 140 Verletzten.

Gemäss des US-Verteidigungsministerium seien 18 US-Soldaten umgekommen. Auf der Seite der Taliban beläuft sich die Zahl der Toten auf 28.

Bei den meisten Opfern handelt es sich um Menschen, welche darauf warteten, in den Flughafen zu gelangen. Sie hielten sich eng gedrängt um einen Kanal vor dem Flughafen auf.

Wie konnte das passieren?

Bereits wenige Stunden vor dem Anschlag wurde von diversen Stellen eine Terrorwarnung ausgerufen. Menschen wurden dazu aufgefordert, das Flughafengelände zu verlassen. Der britische Verteidigungsminister James Heappey sprach gar von «sehr, sehr glaubwürdigen Berichten über einen bevorstehenden Anschlag», berichtet Reuters. Gemäss ZDF informierte die deutsche Bundeswehr bereits am Dienstag darüber, dass potenzielle Selbstmordattentäter des «IS» in Kabul unterwegs seien. Dennoch hielten sich zum Zeitpunkt der Anschläge noch immer unzählige Menschen am Flughafen auf.

Die Gefahr von Anschlägen ist aufgrund der unübersichtlichen Lage am Flughafen in Kabul sehr gross.
Die Gefahr von Anschlägen ist aufgrund der unübersichtlichen Lage am Flughafen in Kabul sehr gross.
Bild: keystone

Eine Kontrolle der Menschenmassen war angesichts der Unübersichtlichkeit und des Chaos allerdings unmöglich.

Wie reagiert die internationale Politik?

US-Präsiden Joe Biden erklärte mit Blick auf die Gruppe, die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhalten – und würden auch ohne grosse Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen, «wo auch immer sie sind». Seine eindringlichen Worte an die Terroristen: «Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen.»

Auch der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis hat die tödlichen Anschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul vom Donnerstag verurteilt. «Ich bin zutiefst betrübt», schrieb der Bundesrat am Abend auf Twitter. «Meine Solidarität und meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer, die tragische Verluste erlitten haben.»

Der britische Premierminister Boris Johnson äusserte sich auf Twitter ebenfalls über die Anschläge und sprach all den Betroffenen sein Beileid aus.

Wie geht es weiter?

Trotz der beiden Anschläge führte die US-Luftwaffe ihre Evakuierungs-Mission fort. Ab Donnerstag-Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) sind rund 7500 Menschen evakuiert worden. Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100'100 angestiegen, erklärte ein Vertreter des Weissen Hauses. Auch die Briten werden ihre Bemühung zur Evakuierung fortsetzen, wie Boris Johnson auf Twitter betont.

Noch immer wird vor weiteren Terroranschlägen gewarnt, doch die Lage bleibt unübersichtlich und chaotisch. Videos auf Twitter zeigen, wie sich nach wie vor riesige Menschenmengen um den Flughafen aufhalten. Eine Kontrolle der Menschen durch die Soldaten bleibt unmöglich. (saw)

Mit Material der Nachrichtenagentur sda.

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Die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan

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Die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan
quelle: keystone / zabi karimi
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