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Malawi hat den ersten Minister mit Albinismus – warum das ein grosses Zeichen ist

09.11.2021, 13:3309.11.2021, 15:49

Overstone Kondowe hat Geschichte geschrieben: Als erster Malawier mit Albinismus wurde der 42-Jährige ins Parlament des Landes gewählt.

Dies sei ein Meilenstein, sagt Kondowe, der seinen Amtseid am Montag ablegte. Denn in Malawi und dem Nachbarland Tansania werden Menschen mit Albinismus als Menschen zweiter Klasse gesehen.

Gleichzeitig werden für Körperteile von Menschen mit Albinismus horrende Summen bezahlt, da ihnen in der traditionellen Medizin magische Kräfte zugeschrieben werden. Darum werden solche Körperteile zu Medizin verarbeitet, in Ritualen verwendet oder sie fungieren als Glücksbringer. Ein Bericht der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung aus dem Jahr 2009 schreibt, dass der Wert eines kompletten Albino-Körpers rund 75'000 US-Dollar (ca. 68'500 Schweizer Franken) betrage. Und weiter:

«Tausende Albinismus-Betroffene können sich nicht mehr frei bewegen aus Angst vor Jägern.»

Viele Kinder würden deswegen nicht zur Schule gehen.

134'636 Menschen mit Albinismus

In Malawi leben 134'636 Menschen mit Albinismus. Um diese zu schützen, hat das Land in den letzten Jahren viel in Aufklärungsprogramme investiert. Kondowe freute sich entsprechend über die Wahl und sagte gegenüber dem Guardian: «Mein Wahlsieg ist ein klarer Beweis dafür, dass die Menschen ihre Einstellung ändern.»

Mai 2016: Razik Jaffalie trägt seine beiden Söhne auf dem Arm. Cassim (links) ist ein Albinismus-Betroffener. Jaffalie lebt mit seiner Familie etwa 200 Kilometer nordöstlich von Blantyre in Malawi. Seine Arbeit als Fahrradtaxifahrer musste er aufgeben, um seinen dreijährigen Sohn (links)  beschützen zu können.
Mai 2016: Razik Jaffalie trägt seine beiden Söhne auf dem Arm. Cassim (links) ist ein Albinismus-Betroffener. Jaffalie lebt mit seiner Familie etwa 200 Kilometer nordöstlich von Blantyre in Malawi. Seine Arbeit als Fahrradtaxifahrer musste er aufgeben, um seinen dreijährigen Sohn (links) beschützen zu können.Bild: keystone

Aufgrund seines Albinismus leidet Kondowe an einer Sehschwäche. Darum plant er nun, sich für eine Gesetzgebung zum Schutz aller Menschen mit Behinderungen einzusetzen:

«Ich verstehe, dass diejenigen, die die Sache nicht unterstützen, dies aus mangelndem Bewusstsein heraus tun. Ich werde dafür sorgen, dass in den Plänen und Budgets die Bedürfnisse und Wünsche von Menschen mit Albinismus und Behinderungen berücksichtigt werden.»

(yam)

Albinismus
Albinismus ist eine vererbte Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper wenig oder gar kein Melanin produziert. Melanin regelt die Haut-, Haar und Augenfarbe. Bei Menschen mit Albinismus sind Haut und Haare weiss und die Augen schimmern blau oder rosa.

Betroffene haben ein höheres Risiko an Hautkrebs zu erkranken. Zudem nehmen ihre Augen infolge des Melaninmangels leicht Schaden – weshalb viele an einer Sehschwäche leiden.

Albinismus kommt weltweit vor, wobei die meisten Fälle in Afrika verzeichnet werden.
Besonders in den Staaten Tansania und Malawi werden Körperteile von Menschen mit Albinismus in traditionellen Ritualen verwendet oder zu Medizin und Glücksbringer verarbeitet. Aber auch in Kenia, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo wurden Tötungen von Menschen mit Albinismus gemeldet oder vermutet. Denn Körperteile von Menschen mit Albinismus sind ein lukratives Handelsgut.

Zurzeit ist Albinismus nicht heilbar.
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Die schönsten Albino-Tiere

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Die schönsten Albino-Tiere
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