Niemand will Trumps Gladiatoren
Sogenannte «low-propensity voters», Wähler mit geringem Bildungsstand, haben massgeblich zum Wahlsieg von Donald Trump 2024 beigetragen. Wir sprechen hier von jungen Männern ohne Schulabschluss, die sich meist nicht die Mühe nehmen zu wählen. Mit einem geschickten, auf Macho getrimmten Wahlkampf ist es dem Präsidenten gelungen, sie in überdurchschnittlichem Masse an die Urnen zu locken und dort ihre Stimme für ihn abzugeben.
Die kuriose Momente des UFC-Kampfs:
Diese Wählergruppe liebt auch Kampfsportarten, insbesondere UFC Fights. Hier sprechen wir von einer besonders harten und blutigen Sportart. Anders als bei den Kämpfen der Wrestler, die weitgehend Show sind, ist hier fast alles erlaubt. Auch Trump ist ein Kampfsport-Fan. Schon in den Achtzigerjahren hat er mit dem legendären Box-Promoter Don King Kämpfe in seinen Kasinos in Atlantic City organisiert. Gelegentlich hat er gar selbst an Show-Wrestling-Kämpfen teilgenommen.
Zudem liebt der Präsident Vergleiche mit den Römern und deren Gladiatoren. Historisch sieht er sich in der gleichen Liga wie Julius Caesar. Sein Ballroom ist denn auch eine plumpe Kopie eines römischen Tempels, und sein Triumphbogen soll diejenigen der Imperatoren sogar höhenmässig weit überragen.
Ein UFC-Fight auf dem Rasen des Weissen Hauses lag so gesehen auf der Hand. Ganz im Stil der Römer wurde er auch inszeniert. Eigens wurde ein riesiger Stahlkäfig aufgebaut und wie einst die römischen Imperatoren sass der Präsident zusammen mit seiner Frau in einer Loge, umgeben von Tech-Milliardären und Repräsentanten seiner Partei.
Mit den Gladiatorenkämpfen wollte der Präsident die Low-Propensity-Wähler wieder happy machen und zeigen, dass er den Kontakt zu ihnen nicht verloren hat. So weit die Theorie. In der Praxis ist die Rechnung nicht aufgegangen. Nur 16 Prozent aller Wählerinnen und Wähler finden diese Kämpfe «angemessen», so eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Selbst bei den Republikanern stiess der Anlass auf überschaubare Begeisterung.
Die gleiche Umfrage ergab auch, dass nur ein Drittel von ihnen davon angetan war. Joe Rogan, ein bei jungen Männern äusserst beliebter Podcaster und jemand, der seine Karriere als Speaker bei UFC-Kämpfen begonnen hat, erklärte gar gegenüber der «Washington Post»: «Ich habe schon viele surreale Dinge erlebt – aber das ist das Surrealste. Es ist verrückt.»
Wenn Trump sich mit UFC-Kämpfern umgibt, schmückt er sich mit fremden Federn. Er ist kein Held und hat sich mit einer durchsichtigen medizinischen Ausrede vor dem damals noch obligatorischen Militärdienst – und damit auch vor einem möglichen Einsatz im Vietnamkrieg – gedrückt.
Ebenso entspricht sein Charakter keineswegs dem eines Fighters. «Hyper-Maskulinität ist zwar ein integraler Bestandteil der MAGA-Kultur, und oberflächlich gesehen mag ein UFC-Kampf so theatralisch sein wie eine Trump-Rally», stellt Bhumika Tharoor im «Atlantic» fest. «(…) Aber die Illusion von Stärke ist in den Mixed-Martial-Arts-Kämpfen wenig hilfreich. In diesen Kämpfen kann man sich nicht vor der Verantwortung seiner Aktionen drücken. Die Schläge sind nicht vorprogrammiert. Taten sind wichtiger als Worte. Und niemand entschuldigt sich, wenn du getroffen wirst.»
Kurz: Erfolgreiche UFC-Kämpfer sind die Antithese von Taco-Trump. Sie sind diszipliniert, fokussiert und (im besten Fall) bescheiden.
Im Irankrieg hat der US-Präsident einmal mehr bewiesen, dass er genau dies nicht ist. Selbst wenn es nun zu einem Frieden, oder zumindest zu einem längeren Waffenstillstand kommen soll – sicher ist es ja noch nicht –, hat Trump seinem Übernamen einmal mehr alle Ehre gemacht, unzählige Male den Schwanz eingezogen und Widerspruch an Widerspruch gereiht.
Neuerdings bezeichnet er gar Ayatollah Moijtaba Khamenei als pragmatischen Anführer. Mit viel Brimborium wird Trump seinen «Frieden» verkaufen und behaupten, es sei ein viel besserer Deal als derjenige, den Barack Obama seinerzeit abgeschlossen hat.
Tatsache ist, dass er mit seinem selbst gewählten Krieg ausser dem Tod von Tausenden Zivilisten – darunter 160 Schulmädchen –, 13 amerikanischen Soldaten und Kosten in der Höhe von Dutzenden von Milliarden Dollar nichts erreicht hat, ausser dass jetzt in Teheran ein Regime an der Macht ist, das noch weit schlimmer ist als dasjenige der ermordeten Vorgänger.
Mit Brot und Spielen haben die römischen Imperatoren einst das gemeine Volk bei Laune gehalten. In Zeiten der Erschwinglichkeitskrise funktioniert dies in den USA im 21. Jahrhundert nicht. Weil Trump nichts unternimmt, die explodierenden Kosten für Energie und Lebensmittel in den Griff zu bekommen, sind seine Umfragewerte nach wie vor unterirdisch. Mit dem UFC-Spektakel hat er nichts erreicht – ausser den Beweis geliefert, dass er den Kontakt zu seinen Wählern verloren hat.
