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Migranten verlassen Ceuta – EU-Innenminister wollen reden

Moroccan security forces detain a man attempting to cross from the Moroccan northern town of Fnideq to the Spanish enclave of Ceuta, Friday, July 31, 2026. (AP Photo)
APTOPIX Morocco Spain Ceuta
Marokkanische Sicherheitskräfte nehmen einen Mann fest, der die Grenze zu Ceuta überqueren wollte. Bild: keystone

Migranten verlassen Ceuta – EU-Innenminister wollen reden

Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika erhöhen mehrere EU-Länder den Druck auf Spanien.
01.08.2026, 21:1201.08.2026, 21:12

In einem Brief, den auch Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet hat, äusserten 22 der 27 Staats- und Regierungschefs grosse Besorgnis über die Lage und warfen Madrid indirekt vor, mit jüngsten Entscheidungen Menschen Anreize gegeben zu haben, den Weg in die EU zu wagen.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez beschwerte sich seinerseits in einem Brief an Irlands Regierungschef Micheál Martin über das Verhalten einiger Mitgliedstaaten in der Ceuta-Krise. Nun hat Martin ein Treffen der EU-Innenminister am Dienstag angekündigt, um die Lage in Ceuta zu erörtern. Sein Land hat derzeit den EU-Ratsvorsitz inne.

50'000 bis 60'000 Menschen hatten es innerhalb kurzer Zeit von Marokko aus nach Ceuta geschafft, mindestens 67 Menschen kamen bei dem Versuch ums Leben. Einsatzkräfte suchten das Meer weiter ab.

Nach Angaben der spanischen Regierung sind mittlerweile fast alle Migranten nach Marokko zurückgekehrt. Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hätten die Menschen enttäuscht und freiwillig die Rückreise angetreten, berichtete die Zeitung «El País».

epa13145392 Migrants board buses provided by Moroccan authorities in Fnideq, Morocco, 01 August 2026, for transport to their home cities after returning from the Spanish enclave of Ceuta. The transpor ...
Aus Ceuta zurückgekehrte Migranten besteigen in der marokkanischen Grenzstadt Fnideq Busse, die sie in ihre Wohnorte zurückbringen. Bild: keystone

Spanien am Pranger

Die Bilder der Zehntausenden Menschen, die sich – auch schwimmend und kletternd – Zugang zur spanischen Exklave verschafften, lösten grosse Unruhe in der EU aus. Es kursieren verschiedene Erklärungsversuche, wie es so weit kommen konnte. Dabei geraten die Menschen in den Hintergrund – auch die Toten werden in dem von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen initiierten Brief an die EU-Spitzen nicht erwähnt.

Stattdessen prangert das Schreiben eine Massnahme der spanischen Regierung gegen den Arbeitskräftemangel zur Legalisierung von rund 500'000 irregulären Migranten an. Man müsse sich mit politischen Massnahmen auseinandersetzen, die Anreize für Migration geben könnten, heisst es – und an dieser Stelle wird ausdrücklich die «Legalisierung einer sehr grossen Zahl irregulärer Migranten» genannt. Profitieren sollen von dieser Massnahme allerdings Asylbewerber, die ihren Antrag vor Ende 2025 gestellt haben – keine Neuankömmlinge.

Zudem stellt der Brief eine Verbindung zwischen dem Ansturm und einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs her. Die Entscheidung sei «benutzt worden, um diesen Angriff auszulösen und unser Migrations- und Asylsystem zu missbrauchen».

Das Gericht hatte entschieden, dass die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig.

Neben Spanien und Irland haben Frankreich, Luxemburg und Portugal das Schreiben nicht unterzeichnet.

Sánchez beschwert sich über einige EU-Mitgliedstaaten

Ministerpräsident Sánchez beklagte indes in seinem Schreiben an Martin, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, dass einige EU-Mitgliedstaaten «von Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen» getrieben seien. Er erinnerte daran, dass Ceuta nicht zum Schengen-Raum gehört. Das bedeute, dass sie von dort nicht einfach in andere EU-Länder weiterreisen können. Einen identischen Brief habe auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von Sánchez erhalten, berichtete der staatliche spanische TV-Sender RTVE.

epa13143990 A handout photo made available by the Spanish Prime Minister's Office shows Spanish Prime Minister Pedro Sanchez (3R) as he chairs the coordination meeting with the Government Delegat ...
Sánchez an einer Koordinationssitzung mit zuständigen Beamten und Spitzen von Polizei und Guardia Civil. Bild: keystone

EU-Kommissar versichert: Kein Migrant ist aufs Festland gekommen

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hatte bereits am Freitag angesichts der politischen Diskussion nach einem Telefonat mit Spaniens Aussenminister José Manuel Albares versichert: «Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.»

Italien hatte am Freitag nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden.

EVP-Chef Weber will mehr Rechte für Frontex

Angesichts der Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta fordert der deutsche Europapolitiker Manfred Weber mehr Befugnisse für die europäische Grenzschutzagentur Frontex. «Ich will, dass wir Frontex, unserer Europäischen Aussengrenzenagentur, also unserem Grenzschutz in Europa, auch wirklich Durchgriffsrechte geben», sagte Weber, der das Parteienbündnis Europäische Volkspartei (EVP) führt, bei RTL Aktuell.

epa13093831 European People's Party (EPP) President Manfred Weber briefs the press during the European Parliament session in Strasbourg, France, 07 July 2026. EPA/OLIVIER MATTHYS
Manfred Weber.Bild: keystone

«Wenn eine linke Regierung in Spanien nicht willens ist, die Aussengrenze zu sichern, dann muss Frontex auch Kommandogewalt bekommen», verlangte Weber. «Dann muss auch Europa an diese Grenze gehen und für Ordnung sorgen.» Weber sagte zudem: «Einen unkontrollierten Zustand, wie wir ihn in den letzten Stunden in Ceuta erlebt haben, darf es in Europa nicht geben. Grenzen müssen gesichert sein.»

Was ist der Schengen-Raum?

Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören insgesamt 29 Länder, darunter EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Ceuta und Melilla gehören nicht zum Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln nicht vorgesehen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien, liess aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken. Bundeskanzler Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. «Der Schutz der Aussengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration», betonte der CDU-Politiker. Der SPD-Co-Vorsitzende Lars Klingbeil forderte Respekt und Solidarität für Spanien. Das Land habe entschlossen gehandelt. «Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht auseinanderdividieren lassen», hob Klingbeil hervor. «Es gilt, mit Spanien zu agieren und nicht über Spanien zu sprechen.»

Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen

Ceuta hat weniger als 85'000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. Die Exklave ist von Marokko und dem Mittelmeer umschlossen. Wegen der Krise in dem Gebiet herrschte auch in der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika, Melilla, Alarmbereitschaft. Am Freitagabend und in der Nacht sollen etwa 1'000 Menschen versucht haben, über die Grenze zu kommen, wie der staatliche Sender RTVE berichtete. Nur wenigen soll der Übertritt gelungen sein. (sda/dpa)

Karte Ceuta und Melilla
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=134828493
Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla liegen in Nordafrika. Karte: Wikimedia/NordNordWest
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Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta
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Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta

In Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, herrscht Ausnahmezustand.

quelle: keystone / antonio sempere
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Ausnahmezustand in Ceuta: Zehntausende Migranten überrennen spanische Exklave in Marokko
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