An diesem Herrscher beisst sich Trump die Zähne aus
Eigentlich amtiert Scott Bessent als Finanzminister des amerikanischen Präsidenten. Am Montag aber klang der 64-Jährige, als stehe er neuerdings dem Verteidigungsministerium vor. In einer Pressekonferenz, an der Bessent neue Sanktionen gegen sämtliche Staaten ankündigte, die immer noch Geschäfte mit dem Iran tätigten, griff er auf ein ausgesprochen martialisches Vokabular zurück.
Von einem «onslaught» war da die Rede, einem Ansturm, und einer «Schlinge», die sich zuziehe. Der Iran, sagte Bessent, solle nun vollständig isoliert werden. Und natürlich haben die wirtschaftspolitischen Vergeltungsmassnahmen auch einen militärischen Code-Namen: «Operation Economic Outcast», Operation wirtschaftlicher Verstossener.
Seinen Chef, den amerikanischen Präsidenten, mag der Möchtegern-General mit dieser feurigen Rhetorik überzeugt haben. Aber in Peking, bei einem der wichtigsten Handelspartner des Irans, erntete Bessent bloss ein müdes Lächeln. Denn die chinesische Staatsführung durchschaute den Plan des US-Finanzministers umgehend: Washington ist auch sechs Monate nach Kriegsbeginn nicht bereit, sämtliche Einnahmequellen des Regimes in Teheran zu kappen und harsche Sanktionen gegen chinesische Rohstoffhändler, Raffinerien und Banken zu verhängen. Damit kann China weiterhin verdeckt Hunderttausende Fässer Öl aus dem Iran importieren und verarbeiten.
Bessent würde dies natürlich nie zugeben. Er behauptete am Montag stattdessen, dass die Regierung Trump «stille Diplomatie» betreibe und versuche, Irans Handelspartner im direkten Gespräch umzustimmen. Schliesslich verfolge er nicht die Absicht, die gesamte Weltwirtschaft ins Taumeln zu bringen, indem er einen neuen Handelskrieg zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften anzettle.
Das klingt vernünftig, mag man sich sagen, löst allerdings das Iran-Problem nicht, mit dem sich Trump konfrontiert sieht. Wobei: Der Präsident scheint ebenfalls kein Interesse daran zu haben, den Bruch mit Peking zu wagen. Er würde dies wohl mit der guten Beziehung begründen, die er zu Staats- und Parteichef Xi Jinping nach dem Covid-Schock wieder aufgebaut hat.
So scheint sich Trump richtig darüber zu freuen, dass Chinas Herrscher Ende des nächsten Monats nach Washington reisen will, um dort einen Staatsbesuch anzutreten. Der amerikanische Präsident schwelgt noch immer in den Erinnerungen an seine kürzliche Visite in Peking, wo Xi ihn im Frühjahr 2026 aufwändig bewirtete und die historische Pracht der chinesischen Hauptstadt zeigte. Dafür will er sich nun revanchieren.
Die Schonfrist für China beträgt also mindestens einen Monat. Und vielleicht wird Peking in den nächsten Tagen gar so weit gehen und einige kurzfristige Zugeständnisse gegenüber Washington machen. Schliesslich profitiert auch Xi davon, wenn Trump ihn umschwärmt – so geht in Washington das Gerücht um, dass die nächste Strafzoll-Runde, die gerade vorbereitet wird und zum Beispiel auch die Schweiz hart treffen könnte, ausgerechnet für China milde ausfallen soll.
Im Kern aber wird Chinas Staatsführung nicht nachgeben. Xi wird sich von Trump nicht sagen lassen, mit wem er Geschäfte machen darf. Und letztlich ist Peking auch der Meinung, dass es am längeren Hebel sitzt. Erstens ist die amerikanische Volkswirtschaft immer noch auf billige Güter aus chinesischer Produktion angewiesen. Und zweitens zählt man darauf, dass Trumps wichtigste Waffe – seine irren und wirren Drohungen gegen ausländische Staaten – immer stumpfer wird.
Der Auftritt von Scott Bessent am Montag ist der jüngste Beweis für diese These. (schweizheute.ch)

