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Migration als Waffe: Welche Rolle Trump im Konflikt in Ceuta spielt

Migrants cross from Morocco into the Spanish enclave of Ceuta, Thursday, July 30, 2026. (AP Photo/Antonio Sempere)
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Migranten aus Marokko kommen in der Exklave Ceuta an.Bild: keystone
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Migration als Waffe: Welche Rolle Trump im Konflikt in Ceuta spielt

Marokko will den Migrantensturm auf Ceuta nicht geplant haben. Doch die Zweifel bleiben. Das liegt auch am US-Präsidenten.
03.08.2026, 21:0103.08.2026, 21:18
Manuel Meyer, Madrid / ch media

Nach tagelangen Spekulationen, die marokkanische Regierung könnte wahrscheinlich hinter dem jüngsten Migrantensturm auf Ceuta stecken, meldete sich am Montag nun Rabat zu Wort. Der Sturm von fast 60'000 hauptsächlich jungen Marokkanern auf die spanische Nordafrika-Exklave sei nicht staatlich organisiert gewesen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

In einer von der marokkanischen Nachrichtenagentur MAP veröffentlichten Erklärung wies Rabat darauf hin, der Zustrom von Migranten sei auf bewusst verbreitete Falschinformationen im Internet zurückzuführen. Fake News zu einem jüngsten spanischen Gerichtsurteil zur Einschränkung von Rückführungen illegaler Migranten hätten die Menschen nach Ceuta gelockt.

Rabat lehnt nicht nur eine direkte Verantwortung für den Ansturm auf die spanische Exklave ab. Sie bezeichnet sich als «zuverlässigen» Partner im Kampf gegen irreguläre Migration und Menschenhandel. Das zweifelt Spanien allerdings an. Auch wenn die spanische Zentralregierung anscheinend versucht, eine diplomatische Krise zu vermeiden, indem sie die Schuld an dem Migrationsdrama mit mindestens 72 Toten ebenfalls in Fake News und kriminellen Schleuserbanden sucht.

Laut Medienberichten vom Montag kommt auch der spanische Geheimdienst CNI zum Schluss, Rabat habe den Migrantensturm in der Nacht auf Freitag nicht geplant und organisiert. Dennoch habe Marokko die Lage bewusst nicht unter Kontrolle gebracht und sie eskalieren lassen. Migranten schilderten, dass sie von der marokkanischen Grenzpolizei nicht gestoppt, sondern vielmehr zum Grenzübertritt ermuntert worden seien. Auch Fernsehaufnahmen zeigten die absolute Passivität und Untätigkeit der marokkanischen Beamten an der sonst eigentlich streng bewachten EU-Aussengrenze.

«Besetzte Städte auf marokkanischem Territorium»

Gründe dafür fehlen Marokko selten. Am vergangenen Donnerstag feierte das Land zeitgleich zum Migrantensturm auf Ceuta den wichtigsten staatlichen Feiertag des Jahres – das Thronfest. Es erinnert an die Thronbesteigung des autoritär regierenden Mohammed VI. am 30. Juli 1999.

Anlässlich des Festes bezeichnete die dem Präsidentenpalast nahestehende marokkanische Zeitung «Le 360» Ceuta und Melilla als «besetzte Städte auf marokkanischem Territorium, deren gegenwärtiger Status nicht tragbar ist». Es sei also keine Frage, ob die Städte am Ende wieder in Marokko «reintegriert» würden, sondern wann dies geschehen werde, so die Zeitung, die als inoffizielles Sprachrohr des Königs gilt.

Zwar ist die Exklave Melilla seit 1497 spanisch und Ceuta seit 1640, also lange vor der Unabhängigkeit des heutigen Königreichs Marokko im Jahr 1956. Doch erhebt Rabat «historische» Ansprüche auf die Gebiete und untermauert diese immer wieder damit, regelmässig den Migrationsdruck auf beide Städte zu erhöhen. So ist auch nun wieder die Sprache vom «Grünen Marsch auf Ceuta».

Es handelt sich dabei um einen Begriff, der eng mit einem weiteren Grund für eine mögliche Beteiligung Marokkos an dem Migrantensturm verbunden ist – die Westsahara. Als Spanien diese südlich von Marokko liegende Kolonie 1975 nach dem Tod von Diktator Franco aufgab, annektierte Marokko das Gebiet, indem König Hassan II. rund 350'000 marokkanische Zivilisten, begleitet von 20'000 Soldaten, auf einem «Marsch» in das Gebiet schickte und es dadurch mit Menschenmassen faktisch besetzte.

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grafik: schweiz heute / chm

Doch sofort bildete sich die bewaffnete Frente Polisario-Bewegung, die seitdem für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft. Für die marokkanische Monarchie ist die Westsahara weit mehr als ein Territorialkonflikt. Rabat betrachtet das Gebiet als Teil des historischen Marokkos und die Rückgewinnung gilt in der offiziellen Geschichtsschreibung als Vollendung der territorialen Einheit des Landes.

Geopolitisch und militärisch höchst interessant

Zudem verfügt die Westsahara über bedeutende Phosphatvorkommen und äusserst fischreiche Atlantikgewässer, die zu den produktivsten Fanggebieten der Welt zählen. Zudem vermuten Experten hier enorme Öl- und Erdgasvorkommen. Doch auch die Lage der Region mit mehr als 1000 Kilometern Atlantikküste und die Nähe zur Sahelzone macht die Westsahara geopolitisch wie militärisch höchst interessant für Rabat.

Seit Anfang 2026 spricht sich die EU für Verhandlungen zwischen der Westsahara und Marokko auf der Grundlage des «marokkanischen Autonomieplans» aus. Dennoch erkennen Spanien und seine EU-Partner die Souveränitätsansprüche Marokkos nicht an. «Hier versucht Rabat Madrid und Brüssel zu neuen Positionen zu bewegen, indem sie mit Aktionen wie in Ceuta zeigt, dass Europa mit Blick auf die Migrationsströme aus Afrika vollkommen von Marokko abhängt», erklärt der spanische Politologe Pablo Simón im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dabei dürfte sogar US-Präsident Donald Trump die Marokkaner indirekt dazu ermutigt haben. Marokko ist in Nordafrika der wichtigste strategischer Partner für die USA. Aus Sicht Washingtons ist Marokko einer der stabilsten Verbündeten in einer Region, die von Krisen geprägt ist und unersetzlich bei der Terrorismusbekämpfung dschihadistischer Gruppen in der Sahel-Zone. Zudem kontrolliert Marokko den südlichen Teil der Strasse von Gibraltar, dem Eingangstor zum Mittelmeer.

Politisches Kapital aus der Krise

Marokko ist einer der wenigen nordafrikanischen Staaten, die weiterhin eng mit den USA kooperieren, anstatt mit Russland und China. Rabat half Trump zudem, sein Abraham-Abkommen zwischen Israel und mehreren arabischen Ländern voranzubringen, was Trump bereits 2020 in seiner ersten Amtszeit damit belohnte, Marokkos Souveränität über die Westsahara anzuerkennen.

President Donald Trump speaks to reporters onboard Air Force One while returning to the White House, Sunday, Aug. 2, 2026. (AP Photo/Jacquelyn Martin)
Donald Trump
Für US-Präsident Donald Trump ist Marokko ein wichtiger Partner.Bild: keystone

Vor wenigen Monaten beauftragte der von Trumps Republikanern dominierte US-Kongress Aussenminister Marco Rubio, den «künftigen Status» der beiden «auf marokkanischem Territorium» liegenden und von Spanien «verwalteten» Städte Ceuta und Melilla zu klären. Als einer der grössten Trump-Kritiker in Europa ist die spanische Regierung dem US-Präsidenten zudem ein Dorn im Auge.

Dabei kam der jüngste Migrantensturm auf Ceuta Trump auch selbst zugute. Auf Fox News nannte er die Bilder «schrecklich». «So wird es uns in drei Jahren ergehen, wenn die falsche Seite an die Macht kommt», sagte er in Anspielung auf einen möglichen Gewinn der Demokraten bei der US-Präsidentschaftswahl 2028. (schweizheute.ch)

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Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta
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Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta

In Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, herrscht Ausnahmezustand.

quelle: keystone / antonio sempere
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Ausnahmezustand in Ceuta: Zehntausende Migranten überrennen spanische Exklave in Marokko
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Mentos
03.08.2026 21:23registriert Mai 2020
Die wiederholten Angriffe Trumps auf Spanien und die engen Bindungen Marokkos an Washington und Tel Aviv zeichnen ein interessantes Bild. Es steht der Verdacht im Raum, dass die USA das marokkanische Königshaus instrumentalisiert haben könnten, um über die Krise in Ceuta gezielt Druck auf Spanien auszuüben und die Europäische Union zu schwächen.
Trump ist es zuzutrauen.
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Chönnt ja si....
03.08.2026 21:35registriert April 2023
Ich (versuche) es mit einer einfachen, logistischen Frage.

Wo und wie kamen die zig-tausenden "Schwimmhilfen" koordiniert in den Besitz der "Migranten"????!
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derEchteElch
03.08.2026 21:21registriert Juni 2017
Wir müssen aufhören mit dieser Vorstellung, die Aussenpolitik ausserhalb Europas wäre uns „freundlich“ gesinnt! Es geht immer um Macht, Einfluss und auch Ausweitung des eigenen Einflussgebietes. Immer!

Marokko ist nicht unser Freund!
Die USA sind nicht unser Freund!
Russland und China sind nicht unsere Freunde!

Und genau deswegen braucht es radikale Pushbacks und eine rigorose, konsequent Nationalistische Aussenpolitik!

Wir müssen zuerst zu unser eigenes Land, unsere eigene Bevölkerung und für Europa schauen, bevor all so anderen an die Reihe kommen.
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