Australische Abgeordnete verliert nach mutmasslicher Attacke beide Beine
Helen Haines, die den Wahlkreis Indi im australischen Parlament vertritt, sei in einem kritischen, aber stabilen Zustand, sagte ihr Ehemann Phil Haines vor Journalisten. «Sie lebt, und das ist für uns das Wichtigste», erklärte er.
Die Ärzte hätten zunächst gehofft, ihr rechtes Bein retten zu können. Schliesslich hätten die Chirurgen es jedoch ebenfalls amputieren müssen, nachdem Haines ihr linkes Bein schon kurz nach der Tat am Montag verloren habe.
Was war passiert?
Die unabhängige Abgeordnete war vor ihrem Wahlkreisbüro in Wangaratta nordöstlich von Melbourne von einem Geländewagen erfasst worden. Nach bisherigen Ermittlungen soll der Fahrer sein Fahrzeug gezielt gegen die 65-Jährige gelenkt haben.
Die Politikerin wurde mit schweren Verletzungen am Unterkörper in ein Krankenhaus nach Melbourne geflogen und notoperiert. Der Fall schlägt in Australien seit Tagen hohe Wellen. Zahlreiche Menschen legten am Tatort Blumen nieder.
Der 43-jährige Fahrer war noch am Tatort festgenommen worden. Er soll Innenminister Tony Burke zufolge den Wagen zuvor noch einmal zurückgesetzt haben, um Haines erneut anzufahren. Ermittler stellten bei ihm ein Messer sicher.
Premierminister Anthony Albanese hatte schon kurz nach dem Vorfall betont: «Das war kein Unfall.»
Verdächtiger vor Gericht
Am Morgen (Ortszeit) musste sich der mutmassliche Täter vor einem Gericht in Wangaratta verantworten.
Ihm werden unter anderem gefährliches Fahren mit schweren Verletzungen als Folge, vorsätzliche schwere Körperverletzung und das Zufügen von Schaden an einem Amtsträger vorgeworfen. Auch wegen Drogendelikten muss er sich verantworten.
Der Beschuldigte beantragte keine Freilassung gegen Kaution und bleibt in Haft. Sein nächster Gerichtstermin ist für Februar angesetzt. Die Ermittler schliessen weitere Anklagepunkte nicht aus. Das Motiv ist bisher unklar.
Besonders erschütternd: Seine Familie erklärte nach Angaben des Senders ABC, seit mehr als 20 Jahren mit Haines befreundet zu sein. Der Ehemann der Politikerin bedankte sich für die grosse Anteilnahme und sagte, seiner Frau stehe ein langer Weg der Genesung bevor.
Zunehmend Drohungen gegen Politiker
Haines vertritt seit 2019 den Wahlkreis Indi im Parlament und wurde bei der Wahl 2025 für eine dritte Amtszeit bestätigt. Der Wahlkreis umfasst grosse Teile des Nordostens von Victoria, darunter die Städte Wangaratta, Wodonga und Benalla.
Der Angriff ereignete sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zahl von Drohungen gegen Politiker und Politikerinnen in Australien.
Nach Angaben der Bundespolizei ist die Zahl der gemeldeten Belästigungen, Einschüchterungsversuche sowie Todesdrohungen gegen Parlamentarier und andere hochrangige Amtsträger in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. (dab/sda/dpa)
