Lula schlägt Trump-Verbündeten Bolsonaro und gewinnt vierte Amtszeit
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro gewonnen. Der 80-Jährige sichert sich damit eine historische vierte Amtszeit – und stoppt vorerst den Rechtsruck an der Spitze des grössten Landes Lateinamerikas.
Für Lula ist es ein historischer Erfolg: Er wird als erster brasilianischer Präsident zum vierten Mal ins Amt gewählt. Zudem gelang seit der Rückkehr zu direkten Präsidentschaftswahlen 1989 noch keinem Kandidaten der Sieg, nachdem er im ersten Wahlgang nur den zweiten Platz belegt hatte.
Bolsonaro lag nach erster Runde noch vorne
Am 4. Oktober hatte Flávio Bolsonaro überraschend 47,03 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, Lula lediglich 45,16 Prozent. Rund 2,2 Millionen Stimmen trennten die beiden Kandidaten damals.
Besonders die wirtschaftliche Lage belastete Lula. Zwar ist die Arbeitslosigkeit vergleichsweise tief und die Inflation zuletzt zurückgegangen, viele Brasilianer spüren davon im Alltag jedoch wenig. Gleichzeitig blieb Lula vor allem bei Frauen und ärmeren Bevölkerungsschichten stark.
Chaotisches Ende des Wahltags
Der Wahltag selbst verlief turbulent. Nach Problemen mit Bussen zu Wahllokalen und starken Regenfällen wurde die Abstimmung kurzfristig um zwei Stunden verlängert.
Die Entscheidung sorgte für Verwirrung, weil zahlreiche Wahllokale bereits geschlossen hatten. Sowohl Lulas als auch Bolsonaros Lager hatten zuvor Verlängerungen in betroffenen Gebieten verlangt. Bolsonaros Kampagne kritisierte die konkrete Umsetzung danach jedoch scharf.
Rückschlag für Bolsonaro-Lager und Trump
Lulas Sieg ist auch international von Bedeutung. Flávio Bolsonaro gilt als politischer Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte nach dem ersten Wahlgang Bolsonaros starkes Ergebnis gelobt und erklärt, die Wahl sei «sehr wichtig».
Ein Sieg Bolsonaros hätte Brasilien aussenpolitisch stärker an Washington heranführen können. Lula setzt dagegen auf mehr Eigenständigkeit, engere Beziehungen zum sogenannten Globalen Süden und insbesondere zu China, dem wichtigsten Exportmarkt Brasiliens.
Damit stemmt sich Brasilien zugleich gegen einen regionalen Trend. Seit 2025 haben in mehreren lateinamerikanischen Staaten rechte oder mitte-rechte Kandidaten Präsidentschaftswahlen gewonnen.
Regieren dürfte trotzdem schwierig werden
Lulas Wahlsieg bedeutet allerdings nicht, dass er politisch freie Hand bekommt. Bei den gleichzeitig stattgefundenen Parlamentswahlen hat sich Brasiliens Kongress deutlich nach rechts verschoben. Rechte und konservative Parteien verfügen dort über grossen Einfluss und könnten viele Vorhaben des Präsidenten blockieren.
Auch wirtschaftlich warten schwierige Aufgaben. Die Staatsverschuldung ist hoch, die Zinsen bleiben auf einem hohen Niveau und viele Haushalte kämpfen mit Schulden und hohen Preisen.
Für das Bolsonaro-Lager ist die Niederlage dagegen ein erneuter Rückschlag. Bereits Jair Bolsonaro war 2022 an Lula gescheitert. Nun gelang es auch seinem Sohn nicht, die politische Bewegung der Familie zurück ins Präsidentenamt zu führen.
Lula schafft damit ein weiteres politisches Comeback: Vom Gewerkschafter über zwei Präsidentschaften, Gefängnis und die Rückkehr ins höchste Staatsamt führt sein Weg nun in eine historische vierte Amtszeit. (mke)
