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Wahlgericht: Präsident Lula gewinnt Stichwahl in Brasilien

SAO PAULO, BRAZIL - OCTOBER 25: Presidential candidate and incumbent president Luiz Inacio Lula da Silva of Brazil celebrates after the results of the general election day at Hotel Intercontinental on ...
Brasiliens alter und neuer Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.Bild: Getty Images South America

Lula schlägt Trump-Verbündeten Bolsonaro und gewinnt vierte Amtszeit

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro gewonnen. Der 80-Jährige sichert sich damit eine historische vierte Amtszeit – und stoppt vorerst den Rechtsruck an der Spitze des grössten Landes Lateinamerikas.
26.10.2026, 01:2326.10.2026, 03:45

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro gewonnen. Der 80-Jährige sichert sich damit eine historische vierte Amtszeit – und stoppt vorerst den Rechtsruck an der Spitze des grössten Landes Lateinamerikas.

Für Lula ist es ein historischer Erfolg: Er wird als erster brasilianischer Präsident zum vierten Mal ins Amt gewählt. Zudem gelang seit der Rückkehr zu direkten Präsidentschaftswahlen 1989 noch keinem Kandidaten der Sieg, nachdem er im ersten Wahlgang nur den zweiten Platz belegt hatte.

Bolsonaro lag nach erster Runde noch vorne

Am 4. Oktober hatte Flávio Bolsonaro überraschend 47,03 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, Lula lediglich 45,16 Prozent. Rund 2,2 Millionen Stimmen trennten die beiden Kandidaten damals.

Besonders die wirtschaftliche Lage belastete Lula. Zwar ist die Arbeitslosigkeit vergleichsweise tief und die Inflation zuletzt zurückgegangen, viele Brasilianer spüren davon im Alltag jedoch wenig. Gleichzeitig blieb Lula vor allem bei Frauen und ärmeren Bevölkerungsschichten stark.

Presidential runoff election in Brazil RIO DE JANEIRO, BRAZIL - OCTOBER 25: A voter casts their ballot on an electronic voting machine during the second round of the presidential election at a polling ...
Eine Wählerin gibt während der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen in einem Wahllokal in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro, Brasilien, ihre Stimme ab.Bild: www.imago-images.de

Chaotisches Ende des Wahltags

Der Wahltag selbst verlief turbulent. Nach Problemen mit Bussen zu Wahllokalen und starken Regenfällen wurde die Abstimmung kurzfristig um zwei Stunden verlängert.

Die Entscheidung sorgte für Verwirrung, weil zahlreiche Wahllokale bereits geschlossen hatten. Sowohl Lulas als auch Bolsonaros Lager hatten zuvor Verlängerungen in betroffenen Gebieten verlangt. Bolsonaros Kampagne kritisierte die konkrete Umsetzung danach jedoch scharf.

Rückschlag für Bolsonaro-Lager und Trump

Lulas Sieg ist auch international von Bedeutung. Flávio Bolsonaro gilt als politischer Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte nach dem ersten Wahlgang Bolsonaros starkes Ergebnis gelobt und erklärt, die Wahl sei «sehr wichtig».

Ein Sieg Bolsonaros hätte Brasilien aussenpolitisch stärker an Washington heranführen können. Lula setzt dagegen auf mehr Eigenständigkeit, engere Beziehungen zum sogenannten Globalen Süden und insbesondere zu China, dem wichtigsten Exportmarkt Brasiliens.

Damit stemmt sich Brasilien zugleich gegen einen regionalen Trend. Seit 2025 haben in mehreren lateinamerikanischen Staaten rechte oder mitte-rechte Kandidaten Präsidentschaftswahlen gewonnen.

261025 -- RIO DE JANEIRO, Oct. 25, 2026 -- Brazilian Senator Flavio Bolsonaro C, presidential candidate of Brazil s Liberal Party, attends a presidential campaign rally in Rio de Janeiro, Brazil, Oct. ...
Flavio Bolsonaro am letzten Tag des Wahlkampfes.Bild: www.imago-images.de

Regieren dürfte trotzdem schwierig werden

Lulas Wahlsieg bedeutet allerdings nicht, dass er politisch freie Hand bekommt. Bei den gleichzeitig stattgefundenen Parlamentswahlen hat sich Brasiliens Kongress deutlich nach rechts verschoben. Rechte und konservative Parteien verfügen dort über grossen Einfluss und könnten viele Vorhaben des Präsidenten blockieren.

Auch wirtschaftlich warten schwierige Aufgaben. Die Staatsverschuldung ist hoch, die Zinsen bleiben auf einem hohen Niveau und viele Haushalte kämpfen mit Schulden und hohen Preisen.

Für das Bolsonaro-Lager ist die Niederlage dagegen ein erneuter Rückschlag. Bereits Jair Bolsonaro war 2022 an Lula gescheitert. Nun gelang es auch seinem Sohn nicht, die politische Bewegung der Familie zurück ins Präsidentenamt zu führen.

Lula schafft damit ein weiteres politisches Comeback: Vom Gewerkschafter über zwei Präsidentschaften, Gefängnis und die Rückkehr ins höchste Staatsamt führt sein Weg nun in eine historische vierte Amtszeit. (mke)

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