International
Deutschland

Kanzler unter Druck: Kritik aus der CDU an Friedrich Merz wird lauter

«Führen hier einen Existenzkampf»: CDU-Kritik am Kanzler wächst

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz gerät in seiner eigenen Partei immer stärker in die Kritik. Nun äussern sich auch mehrere prominente Parteimitglieder.
11.09.2026, 17:1711.09.2026, 17:17
Ein Artikel von
t-online

In der CDU formiert sich wachsender Widerstand gegen den Parteivorsitzenden, den deutschen Kanzler Friedrich Merz. Der CDU-Arbeitnehmerflügel (CDA) erklärte den von Merz vertretenen Kurs einer «CDU pur» am Freitag für gescheitert und forderte eine Kursänderung.

epa13224503 German Chancellor Friedrich Merz looks on during a debate at the German parliament, the Bundestag, in Berlin, Germany, 09 September 2026. Members of parliament discuss, among other topics, ...
Die Kritik am CDU-Chef aus der eigenen Partei wächst.Bild: keystone

Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, ging auf klare Distanz zu Merz: «Wir führen hier einen Existenzkampf.» Die Bundesregierung beschwichtigte: Ein «Aufstand» gegen den Kanzler sei nicht zu erkennen, sagte ein Regierungssprecher.

Arbeitnehmerflügel rechnet mit «CDU pur» ab

Der Chef des Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, rechnete in einem Brief an die CDA-Mitglieder mit Merz ab. «Wir haben in den vergangenen Monaten erlebt, dass die Vorstellung von ‹CDU pur› nicht funktioniert», schrieb Radtke. «Deshalb braucht es jetzt einen Kurswechsel – bei den Inhalten, bei der politischen Erzählung, bei der Kommunikation.»

Mit «CDU Pur» sei «eine Linie verkauft worden, die maximal hart und kantig sein soll», schrieb Radtke. Damit habe Merz die Partei aber zu einseitig konservativ aufgestellt, zulasten der liberalen und christlich-sozialen Strömungen in der Partei.

epa12912790 National Chairman of the CDU Dennis Radtke delivers a speech during the CDU Party Convention in Marburg, Germany, 25 April 2026. Speaking at an event organised by the German Banking Associ ...
Dennis Radtke: Der CDU-Arbeitnehmerflügel regt an, die Strategie der Partei zu überdenken.Bild: keystone

In einem Interview mit dem «Focus» formulierte Radtke seine Kritik an Merz noch deutlicher. «Wenn der Bundeskanzler regelmässig das halbe Land mit bestimmten Aussagen gegen sich aufbringt, ist das kontraproduktiv», sagte der CDU-Politiker. «Wenn die Union immer wieder solche Debatten lostritt – sind die Leute zu faul? Nutzen alle nur das System aus? –, dann ist das keine falsche Kommunikation», sagte er. «Dann hat die Union schlicht nicht verstanden, um was es geht.»

«Am einstmaligen Erfolgskonzept von Christdemokratie vorbei»

In dem Brief an die CDA-Mitglieder beklagte Radtke, dass der Sozialflügel zum Schaden der ganzen Partei in der Merz-CDU marginalisiert worden sei:

«Wer das christlich-soziale Element als Gedöns und seine Vertreterinnen und Vertreter zu Nervensägen erklärt, geht konsequent am Kern und am einstmaligen Erfolgskonzept von Christdemokratie vorbei.»

Dem Anspruch, «die Partei der fleissigen Menschen» zu sein, «werden wir als Partei aktuell erkennbar nicht gerecht», kritisierte Radtke. «Wenn 70 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die wir in Sachsen-Anhalt verloren haben, sagen, dass die CDU sich nicht um Arbeitnehmer kümmert, dann müssen die Alarmglocken schrillen.»

Unter dem Schlagwort «CDU pur» hatten Parteichef Merz und sein damaliger Generalsekretär Carsten Linnemann vor der Bundestagswahl 2025 eine Ausrichtung der CDU propagiert. Die war von einer Rhetorik der «klaren Kante» etwa in der Migrations- und Wirtschaftspolitik geprägt und stellte stark darauf ab, dass sich die CDU in ihren thematischen Kernbereichen nicht auf weitreichende Kompromisse einlassen werde.

Mehrere CDU-Politiker kritisieren Merz

Der CDU-Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Peters, sagte dem Sender Welt TV: «Die Bundespolitik steht tatsächlich absolut in der Kritik hier in Mecklenburg-Vorpommern.» Dies werde er «knallhart nach Berlin» kommunizieren. «Friedrich Merz, hin oder her – es geht um die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern», sagte Peters. Es werde in Mecklenburg-Vorpommern keine Auftritte von Merz vor der Wahl mehr geben.

Daniel Peters, CDU-Spitzenkandidat f�r die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im Gespr�ch mit anwesenden Journalisten vor Beginn der PressekonferenzCDU, Pressekonferenz am Tag nach d ...
Daniel Peters, CDU-Spitzenkandidat für die bevorstehende Landtagswahl: Auch er distanziert sich von Merz.Bild: www.imago-images.de

Der stellvertretende Unionsfraktionschef Sepp Müller (CDU) erhöhte in einem Interview mit Welt TV den Druck auf Merz: Der Kanzler müsse bei den Reformen nun liefern. «Wir müssen insgesamt als Union, und das gilt auch für unser Spitzenpersonal, weniger versprechen und lieber mehr umsetzen.» Den Anteil des Kanzlers am schlechten Erscheinungsbild der CDU wollte Müller nicht direkt kommentieren, verwies aber auf dessen schlechte Umfragewerte.

Müller ist Mitglied des von Radtke geleiteten Sozialflügels CDA. Am Montag war er öffentlich von Kanzler Merz gerügt worden, weil er noch vor der Wahl in Sachsen-Anhalt erklärt hatte, der Regierungsauftrag liege bei der AfD.

Die Bundesregierung sieht Kritik aus der Unionsfraktion an ihren Vorhaben nicht als Beleg für schwindenden Rückhalt für Kanzler Merz. Es sei «völlig normal, dass wir als Kabinett Dinge auf den Weg bringen» und diese im Parlament «auch kontrovers diskutiert» würden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. Insofern könne er da «einen Aufstand offen gesagt nicht erkennen».

Verwendete Quellen:

  • Nachrichtenagentur AFP

(hkl)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Aufstieg der AfD
1 / 17
Aufstieg der AfD

Die Alternative für Deutschland wird am 14. April 2013 rund um den Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke gegründet. Sie ist zu Beginn eine EU-skeptische, neoliberale Partei.

quelle: imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Merz: «Remigration ist ethnische Säuberung»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
90 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bikemate
11.09.2026 17:32registriert Mai 2021
Merz macht sehr viel falsch. Ich denke er ist einer der Hauptgründe, dass die AFD gerade so erfolgreich ist.
636
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jaco
11.09.2026 18:12registriert Dezember 2021
Die jetzige Regierung ist der Hauptgrund für den Erfolg der AfD. Allen voran Friedrich Merz.
607
Melden
Zum Kommentar
avatar
Schlaf
11.09.2026 18:20registriert Oktober 2019
Was Merz schon alles für geistigen Dünnschiss von sich gelassen hat ist eigentlich schon schwer zu ertragen.
513
Melden
Zum Kommentar
90
New Yorker Auktionshaus versteigert «Rachekleid» von Lady Di
Eines der berühmtesten Kleider der verstorbenen Prinzessin Diana könnte in New York für mehrere Hunderttausend Dollar versteigert werden. Das als «Rachekleid» bekannte Kleidungsstück soll am 9. Dezember in New York versteigert und vorher unter anderem in London, Hongkong und Genf ausgestellt werden, teilte das Auktionshaus Sotheby's in New York mit.
Zur Story