Merz bittet um Rückhalt – doch das CDU-Statement sorgt für neue Zweifel
Seit den Landtagswahlen im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt wird die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz immer lauter. Acht CDU-Ministerpräsidenten veröffentlichten diese Woche eine Erklärung, um sich hinter den deutschen Kanzler zu stellen. Nur: Sie erwähnten den Namen «Friedrich Merz» kein einziges Mal. Das wirft die Frage auf, wie ernst sie den Rückhalt tatsächlich meinen.
Merz' Name sei bewusst weggelassen worden, heisst es laut der Bild aus drei CDU-Regierungszentralen. Ein weiterer Regierungschef habe das Fehlen des Namens «gar nicht gemerkt», schreibt die Zeitung weiter.
Ronzheimer: Merz hat um Unterstützung gebeten
Der stellvertretende Bild-Chefredaktor Paul Ronzheimer gibt in der Talkshow «Markus Lanz» weitere Einblicke hinter die Kulissen der Christdemokraten. Merz habe angefangen, mit den Ministerpräsidenten zu telefonieren, was er laut Ronzheimer «sonst nie gemacht hat».
Im Zuge dessen habe er es geschafft, unter anderem Gordon Schnieder, den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, dazu zu bewegen, eine Initiative für ihn zu starten. Merz habe die Politiker also dazu bewogen, ihn mittels eines Statements zu unterstützen.
Es habe mehrere Versionen des Briefes gegeben, sagt Ronzheimer bei Lanz. Denn Merz habe gewollt, dass sein Name in dem Statement auftaucht. In einer ersten Version sei das auch der Fall gewesen, doch nach einer erneuten Prüfung durch die Ministerpräsidenten sei Merz' Name wieder entfernt worden.
Inhalt lässt Spielraum für Interpretationen
«Der Weg zu neuem Vertrauen der Menschen in die Christdemokratie führt über das Zuhören und politisches Handeln, nicht über Personaldiskussionen», steht etwa in dem Brief. Oder: «Vertrauen wird wieder entstehen, wenn Politik die Probleme und Fragen löst, die die Menschen in ihrem Alltag beschäftigen.» Der Inhalt lässt Spielraum für Interpretationen: Manche sehen darin Unterstützung für Merz, andere Kritik.
«Zwischen den Zeilen tritt das Misstrauen gegenüber Merz klar hervor», schreibt etwa Spiegel-Redaktorin Marina Kormbaki in einem Kommentar. Und weiter: «Sie haben genug von Merz, aber sie haben keinen Plan, wie sie ihn loswerden könnten.»
Am Sonntag stehen in Deutschland zwei weitere wichtige Wahlen an: in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. Auch dann geht es wieder um die politische Zukunft von Friedrich Merz, der für den Wahlabend bereits zu einer formellen Sitzung des CDU-Parteipräsidiums eingeladen hat, um über die Ergebnisse und die Folgen zu beraten. (hkl)
