AfD-Mails geleaked: Nazi-Parolen und interne Mails im Netz aufgetaucht
Unbekannte haben bei einem Hackerangriff auf einen Dienstleister der AfD Daten aus mehreren E-Mail-Postfächern der Partei erbeutet. Ein Parteisprecher bestätigte den Vorfall am Dienstag. Am Montag tauchte im Internet ein Datensatz auf, der insgesamt 421'179 E-Mails enthalten soll. Er umfasst mehr als 280 Gigabyte und ist im Internet mit grösserem Aufwand abrufbar.
Leichter zugänglich ist eine Website, die zahlreiche E-Mails mithilfe künstlicher Intelligenz zusammengefasst und nach Themen geordnet hat. Die Originalnachrichten lassen sich dort allerdings nicht nachvollziehen. Die Echtheit und der genaue Zusammenhang einzelner Inhalte sind daher bislang nicht unabhängig bestätigt.
Hinzu kommt: Ein grosser Teil der mutmasslichen Korrespondenz stammt offenbar lediglich von AfD-Anhängern, die der Partei ihre Meinung mitteilten. Andere Nachrichten waren an mehrere Parteien gerichtet, die AfD stand lediglich in Kopie. Letztere lassen sich deshalb weder der AfD noch ihrer Parteiführung zurechnen.
Der Angriff ereignete sich nach Darstellung der AfD bereits im September. Dabei seien «Teile einiger weniger Mail-Postfächer» kopiert worden, erklärte die AfD. Die meisten davon seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Aktuelle Postfächer – zumindest des Bundesverbands – seien nicht betroffen.
Unter den veröffentlichten Nachrichten befinden sich aber auch aktuelle Mails zu Verfahren des AfD-Landesschiedsgerichts in Nordrhein-Westfalen, ältere E-Mails der AfD-Chefin Alice Weidel und des früheren Parteivorsitzenden Alexander Gauland sowie von Hans-Holger Malcomess, dem langjährigen Chef der Bundesgeschäftsstelle. Zudem sollen Ausweisdokumente, Kontoauszüge, Rechnungen und Mitgliederlisten enthalten sein.
Ein Beispiel für die mutmasslich veröffentlichten Nachrichten verbreitete das Cybersicherheitsportal International Cyber Digest auf X. Laut dem Beitrag soll ein AfD-Mandatsträger Weidel im November 2018 während der Affäre um Wahlkampfspenden aus der Schweiz geraten haben, das Geld als verzinstes Darlehen zu verbuchen. Der Absender bezeichnete das als einzigen Ausweg. Ob die Nachricht echt ist, tatsächlich bei Weidel einging oder der Vorschlag aufgegriffen wurde, ist nicht geklärt.
Hinweise auf interne Parteiausschlussverfahren
Besonders brisant könnten die Unterlagen zu Parteiordnungs- und Parteiausschlussverfahren sein. In dem veröffentlichten Datenindex finden sich nach ersten Hinweisen Einträge zu internen Anträgen, Stellungnahmen und Entscheidungen zu umstrittenen Parteimitgliedern. Teilweise sollen sich in den Verfahrensunterlagen auch Beiträge finden, die kurz nach ihrer Veröffentlichung wieder gelöscht wurden.
Die Übersicht enthält unter anderem Hinweise auf Verfahren gegen den früheren AfD-Politiker Dubravko Mandic aus Freiburg und den ehemaligen stellvertretenden Bundesschatzmeister Frank Pasemann. Auch das letztlich gescheiterte Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke, das unter der damaligen Parteichefin Frauke Petry angestrengt wurde, taucht darin auf. Ob die jeweiligen Originalunterlagen vollständig und authentisch vorliegen, ist noch nicht abschliessend geklärt.
Hinzu kommt in dem Datenindex der «finale Beschluss» zum Parteiausschlussverfahren gegen Matthias Helferich. Der Bundestagsabgeordnete hatte sich in einem früheren Chat als «das freundliche Gesicht des NS» bezeichnet, was er später als ironisch darstellte. Das AfD-Landesschiedsgericht in Nordrhein-Westfalen hatte seinen Ausschluss beschlossen. Im Juni 2026 hob das Bundesschiedsgericht diese Entscheidung jedoch auf und verhängte lediglich eine sechsmonatige Ämtersperre. Helferich gehört weiterhin der AfD-Bundestagsfraktion an.
Auch interne Beschwerden über die Aufstellung von Kandidaten finden sich in den Daten. Dabei werden unter anderem Vorwürfe des «Wahlbetrugs» erhoben. Ob diese berechtigt sind, ist nicht geklärt.
Nazi-Parolen und Gewaltfantasien in den Mails?
Nach Recherchen des Berliner Onlinemagazins «HEIST» soll unter anderem eine Weihnachtskarte mit Hakenkreuz und dem Gruss «Heil Hitler» verschickt worden sein. Laut «Cybernews» soll ein AfD-Kreisvorsitzender in einem Rücktrittsschreiben einem anderen Vorstandsmitglied vorgeworfen haben, die Karte verschickt zu haben. Unabhängig bestätigt ist der Vorfall nicht.
Ein weiterer Mailwechsel soll mit den Worten «Heil und Sieg» geendet haben. In anderen Nachrichten soll darüber gescherzt worden sein, Geflüchtete zu Handtaschen und Stiefeln zu verarbeiten. «HEIST» berichtet zudem über einen internen Austausch, in dem Mitarbeiter der AfD-Bundesgeschäftsstelle angeblich darüber diskutierten, einen Fotografen zu einer Parteiveranstaltung zu locken und gewaltsam zu entfernen.
Auch die «taz» berichtet über mutmasslich rechtsextreme Inhalte. Darunter seien interne Diskussionen über antisemitische Äusserungen und mögliche Parteiausschlüsse. In einem Fall soll es um einen AfD-Kreisfunktionär gegangen sein, dem Holocaustleugnung und Hitlerverherrlichung vorgeworfen wurden. Andere Nachrichten sollen sich mit extremistischen Äusserungen weiterer Parteimitglieder befassen.
Parteieigene Firma bietet Mailhosting an
Der Angriff wirft auch Fragen zur IT-Sicherheit der AfD auf. Die Partei verfügt mit der 2021 gegründeten Alternita Dienstleistungs-GmbH über ein eigenes Unternehmen, das unter anderem Server-, Web- und Mailhosting anbietet. Laut Rechenschaftsbericht gehörte die Firma damals vollständig der AfD, laut Handelsregisterunterlagen auch heute noch.
Ob Systeme von Alternita betroffen waren, ist nicht unabhängig bestätigt. Nach Einschätzung der IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann gibt es allerdings Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem angegriffenen Mailserver und Alternita. Demnach ist dem betroffenen Server dieselbe IP-Adresse zugeordnet wie einem Server des parteieigenen Dienstleisters.
AfD prüft Veröffentlichung
Unterdessen berichtet International Cyber Digest über ein mögliches Geldangebot an den Hacker. Nach dessen Darstellung soll ihm jemand 100'000 Euro geboten haben, damit er die Seite mit den AfD-Daten vom Netz nimmt. Das Portal veröffentlichte dazu eine angebliche Nachricht eines anonymen Absenders. Darin ist allerdings nur allgemein von einer Zahlung die Rede, nicht von einer konkreten Summe. Wer hinter dem mutmasslichen Angebot steckt, ist unbekannt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.
Die AfD erklärte, der Hackerangriff sei rasch erkannt und beendet worden. Die betroffenen Nutzer seien informiert worden. Nun werde geprüft, ob die veröffentlichten Daten tatsächlich aus den betroffenen Postfächern stammen.
Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unbekannt. Welche weiteren Informationen die Veröffentlichung offenlegen könnte, bleibt abzuwarten.

