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Anschlag am CSD in Berlin: Nachbarn sprechen über mutmasslichen Täter

epa13133034 A police officer carrying a machine gun walks near the scene where several people were injured on the sideline of the Christopher Street Day (CSD) parade in Berlin, Germany, 25 July 2026.  ...
Der Anschlag von Abdul B. zog einen Grosseinsatz der Polizei nach sich – und eine Fahndung.Bild: keystone

Das sagen die Nachbarn über den mutmasslichen CSD-Attentäter

Am Tag nach dem Attentat auf den CSD in Berlin wird das Wohnhaus des Tatverdächtigen durchsucht. Nachbarn erinnern sich an ihn – und zeigen sich schockiert.
26.07.2026, 22:4026.07.2026, 22:44
Leonie Lang / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die Strasse vor dem fünfstöckigen Gebäude ist lang und schmal. Vom Bürgersteig aus sind die Fenster einer Wohnung im oberen Stockwerk zu sehen, doch sie geben kaum Einblick. Darunter befindet sich der Eingang zu dem Haus, zu dem gerade nur Anwohner und Beamte Zutritt haben.

Hier soll die Familie des mutmasslichen CSD-Attentäters wohnen: Ein Mann hat am späten Samstagabend einen weissen Kleintransporter in die feiernde Menschenmenge des Berliner Christopher Street Days (CSD) gesteuert. Nach Angaben der Polizei wurden dabei 29 Menschen verletzt, eine Person kam ums Leben. Tatverdächtig ist der 21-jährige Abdul Ballout.

Links neben dem Eingang des Hauses ist eine Spielothek. Der Schriftzug leuchtet, aber die Tür ist geschlossen. Vereinzelt stehen Menschen herum. Nicht viele. Nur Nachbarn, die sich begrüssen und reden, rauchen und manchmal wieder im Haus verschwinden. «Ich wohne seit 11 Jahren hier», erzählt ein Bewohner des Hauses, der anonym bleiben möchte. «Man kennt sich als Nachbarn. Aber es ist kein Indiz dagewesen dafür, dass ich sage, der würde so einen Anschlag machen.» Er sei schockiert, weil es in der Nachbarschaft passiert sei.

Hochzeitsfeier vor dem Wohnhaus

Ein roter Smart fährt vor. Der Fahrer, ein junger Mann, muss sich als Anwohner ausweisen und darf dann dort parken. Hamza ist 22 und kenne Abdul Ballout noch von «früher aus der Schule». Seine Familie kenne er auch aus dem Haus und habe auch zur Mutter und zu den Schwestern nachbarschaftlichen Kontakt: «Man sagt sich Hallo. Die Schwestern gehen ganz normal zur Schule». Abdul Ballout selbst sei vor etwa vier bis fünf Jahren plötzlich weg gewesen.

Vor einigen Monaten sei er wieder aufgetaucht und unregelmässig gesehen worden. Geredet habe Hamza nicht mit ihm, aber er erinnere sich noch, dass dieser in der Zeit geheiratet habe: «Danach kam er immer mal zu Besuch, aber ich glaube, er wohnt hier nicht.» Die Feier habe hier in der Strasse vor dem grau-beigen Wohnhaus stattgefunden.

Ein lauter Knall und ein Treppenhaus voller Rauch

Einige Minuten später treten mehrere, teils vermummte Beamte aus dem Gebäude. Sie tragen einen Karton mit der Aufschrift «Spusi Papiertüten» zu einem Auto. Dann fahren sie los. Es seien immer noch Beamte in dem Mehrfamilienhaus und in der Wohnung, bestätigt ein Polizist, mehr Auskunft könne er aber gerade nicht geben. Ein Spürhund wird die Strasse entlang geführt und verschwindet mit einigen Beamten im Treppenhaus. Später ist er schnüffelnd durch die verstaubten Fenster der Wohnung zu sehen.

Gegen 1.30 Uhr war ein lauter Knall zu hören, berichten fast alle Anwohner der Strasse, wenn sie sich an die letzte Nacht erinnern. Auch Hamza erinnert sich daran, was er nach dem lauten Geräusch gemacht hat: «Ich war einer der Ersten im Treppenhaus. Überall war Rauch, ich konnte schwer atmen. Man hat den Hubschrauber gehört und die Polizei, die im Treppenhaus gerufen hat.» Ob die Polizei Rauchbomben eingesetzt hatte, kann vor Ort nicht bestätigt werden. Der Knall muss so laut gewesen sein, dass ihn selbst Nachbarn im Nebenhaus hörten.

«Wir hatten erst mal keine Ahnung, was los war»

Eine Bewohnerin des Nachbarhauses und ihr Freund hatten selbst am Christopher Street Day teilgenommen und dort seit dem Morgen mitgefeiert. Als sie den lauten Knall hörten, waren sie bereits einige Stunden zu Hause. Auf Englisch schildern sie die Nacht: «Wir hatten erst mal keine Ahnung, was los war. Aber dann kamen die Autos.» Sie berichten, wie die Strasse kurz darauf voller Einsatzfahrzeuge war und die Polizei das Haus betrat.

Vor dem Wohnhaus ist weiterhin Bewegung. Der Spürhund wird zurück zum Einsatzwagen gebracht. Auf die Frage, ob der Hund Sprengstoff erschnüffeln soll, entgegnet der Polizist: «Negativ». Ob es um das Erschnüffeln von Datenträgern geht, wird nicht beantwortet. In der Strasse stehen kleine Gruppen von Menschen zusammen. Einige rauchen, sie unterhalten sich, andere gehen mit ihren Kindern zu dem weiter hinten gelegenen Spielplatz.

Die Bewohnerin aus dem Nachbarhaus erzählt weiter von dem Tag beim CSD und von der ausgelassenen Stimmung, bei der viele Menschen aus der ganzen Welt miteinander gefeiert hatten. Doch dann habe sich plötzlich alles geändert. «Wir haben nicht damit gerechnet, dass so etwas passiert. Es ist traurig und schlimm.»

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ursus3000
26.07.2026 23:23registriert Juni 2015
Jetzt wird die Zitrone ausgepresst. Für Klicks machen wir alles
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Bravo
26.07.2026 23:09registriert Juli 2018
Fünf grosse Berichte plus Liveticker. Echt jetzt?
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Aschenmadlen
26.07.2026 23:19registriert Juli 2017
Wie bei dem aus Winterthur. Die Nachbarn haben den Täter meist unauffällig wahrgenommen. Es ist sehr schwierig sowas zu erkennen, gerade in grossen Agglomerationen wo sich kaum alle kennen.
Sogar Eltern sind erstaunt.....Was soll man da nur tun?
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