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6 Tote nach Schüssen in Stade: 2 Personen festgenommen

6 Tote nach eskaliertem Sorgerechts-Streit in Stade (D) – das ist bekannt

In einer Jugendeinrichtung in der niedersächsischen Stadt Stade sind sechs Menschen getötet worden. Laut der Polizei wurde der mutmassliche Schütze festgenommen.
29.06.2026, 13:4730.06.2026, 09:03

Das ist passiert

In der Innenstadt von Stade in Niedersachsen sind Schüsse gefallen. Laut der Polizei wurden dabei sechs Personen getötet. Zunächst war auch von mehreren Verletzten die Rede. Am Dienstag jedoch gab sie bekannt, dass nebst den sechs Todesopfern keine weiteren Personen verletzt wurden. Die Polizei fand demnach vier Tote in der Einrichtung auf, eine weitere Person verstarbt trotz Reanimationsversuchen vor dem Haus. Das sechste Opfer verstarb im Spital.

Es sei nicht auszuschliessen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Bei den Opfern handle es sich um vier Frauen und zwei Männer, alle im Erwachsenenalter. Sie seien Mitarbeiter der Jugendeinrichtung gewesen.

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Das Tötungsdelikt ereignete sich in Stade, westlich von Hamburg.Bild: DPA NWM-TV

Das wissen wir zum Täter

Laut der Polizei wurden drei Tatverdächtige festgenommen, darunter der mutmassliche Schütze. Am Abend bestätigte ein Polizeisprecher Gerüchte, wonach der mutmassliche Täter mit einem Auto versucht habe zu fliehen. Die Polizei habe sich eine «kurze Verfolgungsjagd» mit ihm geliefert.

Bei den anderen Festgenommenen handle es sich um zwei Frauen. Eine davon, die Lenkerin des Fluchtwagens, habe eine enge Verbindung zur Familie des mutmasslichen Täters. Bei ihm handle es sich um einen in Deutschland geborenen mit türkischen Wurzeln. Er sei polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht als gewalttätig verzeichnet.

Das wissen wir zum Motiv

Am Abend informierte die Polizei an einer Pressekonferenz zum mutmasslichen Motiv hinter der Bluttat. Vorweg: Die Tat habe keine politischen oder wirtschaftlichen Hintergründe, sagt Daniela Behrens, Innenministerin von Niedersachsen.

Laut der Polizeidirektion sei wohl ein Sorgerechtsstreit Hintergrund der Tat. Der mutmassliche Täter hatte demnach heute einen Termin in der Einrichtung, um über das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter zu sprechen. Das betroffene Kind sei in Sicherheit und unverletzt. Die Mutter sei die zweite festgenommene Frau und weiterhin in Polizeigewahrsam. Wie genau es zur Eskalation gekommen sei, sei weiterhin unklar.

Bereits kurz nach der Tat hatten die Ermittler ein Motiv in Verbindung mit der sogenannten Clankriminalität ausser Verdacht gestellt.

Tatort war eine Mutter-Kind-Einrichtung

Laut der Polizei ereignete sich das Tötungsdelikt in einer Jugendhilfeeinrichtung. Dort gebe es Mutter-Kind-Wohngruppen für junge Mütter. Die Polizei rief die Menschen während des Einsatzes dazu auf, den abgesperrten Bereich zu meiden.

Gegen 14.15 Uhr berichtete die Polizei, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und dem Tatablauf würden andauern.

Nahe dem Tatort befinden sich eine Kita und eine Grundschule. Ein Sprecher der Stadt Stade sagte, für beide Orte habe keine Gefahr bestanden. Die Stadt habe nach den ersten Meldungen umgehend Kontakt zu den Einrichtungen gesucht. Die Kita-Kinder seien zum Zeitpunkt der Schüsse im Gebäude gewesen, sagte der Stadtsprecher. Eltern konnten ihre Schulkinder inzwischen abholen.

Von den Opfern wurden vier im Innern der Einrichtung getötet, eine weitere Person wurde vor dem Gebäude erfolglos reanimiert.

Das sagen Zeugen

«Ich hab’ Schüsse gehört», erzählt Zeuge Vitali Martens, der zu dem Zeitpunkt gerade vom Einkaufen kam, dem «Stader Tageblatt». Dann sah er überall Polizisten. Gegenüber «Focus online» berichtet ein anderer Zeuge, er habe gesehen, wie ein Mann und eine Frau mit einem Auto hätten fliehen wollen. Als sie der Aufforderung eines Polizisten stehenzubleiben nicht Folge leisteten, hätten mehrere Beamte das Feuer eröffnet.

So reagiert die Stadt

«Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht, und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage», sagte Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung.

Der Kommunalpolitiker der Freien Wählergemeinschaft zeigt sich erschüttert: «Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen.» Noch seien die Hintergründe der Tat nicht bekannt. Er vertraue darauf, dass diese bald ermittelt würden. Angehörigen, Zeugen und Einsatzkräften steht ein Care-Team zur Verfügung.

Stade gehört zur Metropolregion Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem grössten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Stadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt. (vro/cpf/sda/dpa)

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