International
Deutschland

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

epa13065744 Police officers lead defendant Taleb al-Abdulmohsen (C) into the courtroom on the day the verdict is announced in his trial for murder in the 2024 Magdeburg Christmas market attack, in Mag ...
Polizisten führen den Todesfahrer von Magedburg ins Gericht.Bild: keystone

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

26.06.2026, 09:5926.06.2026, 10:17

Wegen des Anschlags von 2024 auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg mit sechs Toten hat ein Gericht in der ostdeutschen Stadt den Todesfahrer die Höchststrafe verhängt.

Es verurteilte den Angeklagten aus Saudi-Arabien unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Eine Anordnung der Sicherungsverwahrung bleibt vorbehalten. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.

Am 20. Dezember 2024 war Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Mietwagen mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde über den belebten Weihnachtsmarkt gerast. Ein Neunjähriger und fünf Frauen starben, Hunderte Menschen wurden teils schwer verletzt. Der Mann, der hinter dem Steuer sass, wurde gleich nach der Tat aus dem Auto heraus festgenommen.

Mehr als 200 Betroffene sind als Nebenkläger vertreten

Mehr als 200 Betroffene sind im Prozess als Nebenkläger vertreten. Viele von ihnen waren zur Urteilsverkündung gekommen, auch nahezu alle Plätze im Zuschauerbereich waren besetzt. Das deutsche Bundesland Sachsen-Anhalt hatte angesichts der Dimension des Prozesses eigens ein Interims-Gerichtsgebäude in Leichtbauweise errichten lassen.

Während der Verkündung kam es zu einer technischen Panne. Der Verteidiger wies darauf hin, dass die Worte des Vorsitzenden Richters im Glaskasten, in dem der Angeklagte sitzt, nicht zu hören waren. Das Gericht unterbrach daraufhin die Begründung des Urteils, um die technischen Probleme zu lösen.

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Todesfahrer gefordert, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und eine Sicherungsverwahrung. Die Nebenkläger schlossen sich der Forderung nach der Höchststrafe an. Die Verteidigung des Angeklagten sah die Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverwahrung nicht gegeben.

Tat war laut der Anklage lange vorher geplant

Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge hatte der Mann aus Saudi-Arabien die Tat lange vorher geplant. Er habe keine ernsthaften ideologischen Ziele verfolgt, sondern vor allem aus persönlichen Motiven gehandelt. «Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst.» Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und ein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit bescheinigt.

Der Täter hatte vor vielen Jahren in Deutschland Asyl erhalten. Dort bekam er auch seine Facharztanerkennung – bis unmittelbar vor der Tat arbeitete er als Psychiater im Massregelvollzug für psychisch kranke Straftäter in Bernburg in Sachsen-Anhalt. Er selbst stellt sich als Aktivisten für die Rechte saudischer Frauen dar. Jahrelang lag er mit einer Kölner Flüchtlingshilfeorganisation im Clinch und geriet immer wieder mit Behörden aneinander. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Anschlag in Magdeburg
1 / 20
Anschlag in Magdeburg
In Magdeburg war ein Autofahrer am Freitagabend auf einem Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge gerast. Diese Tat zog fünf Todesopfer und 200 Verletzte nach sich.
quelle: keystone / heiko rebsch
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Iran vollstreckt weiteres Todesurteil nach Massenprotesten
Die iranische Justiz hat im Zusammenhang mit den Massenprotesten zum Jahreswechsel einen weiteren Mann hingerichtet. Wie die justiznahe Nachrichtenagentur Misan mitteilte, wurde das Todesurteil gegen Siavasch Jamschidi im Morgengrauen vollstreckt.
Zur Story