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Putin erhielt Angebot zu Gefangenenaustausch mit Nawalny

Nawalny stand wohl kurz vor Gefangenenaustausch mit Tiergarten-Mörder

Der im russischen Straflager ums Leben gekommene Kremlgegner Alexej Nawalny hätte Angaben seines Teams zufolge gegen den in Deutschland inhaftierten Tiergartenmörder ausgetauscht werden können.
26.02.2024, 13:3726.02.2024, 17:44

«Nawalny sollte in den nächsten Tagen freikommen, weil wir eine Entscheidung zu seinem Austausch erreicht hatten», sagte die politische Direktorin des Nawalny-Fonds für die Bekämpfung der Korruption, Maria Pewtschich, am Montag in einem auf Youtube veröffentlichten Video.

epa11170430 A photo showing late Russian opposition leader Alexei Navalny sits among floral tributes outside the Russian embassy in Berlin, Germany, 21 February 2024. Outspoken Kremlin critic Alexei N ...
Blumen und Kerzen zum Gedenken an Nawalny in Berlin.Bild: keystone

Anfang Februar sei Kremlchef Wladimir Putin ein Angebot unterbreitet worden, wonach der im Dezember 2021 in Deutschland verurteilte Tiergartenmörder Wadim K. an Russland übergeben hätte werden können – im Austausch gegen Nawalny und zwei US-Amerikaner. Wer genau an der Ausarbeitung dieser vermeintlichen Austauschpläne beteiligt gewesen sein soll und wie konkret sie waren, sagte Pewtschich nicht. Von der Bundesregierung gab es zunächst keine Angaben dazu.

Pewtschich warf Putin vor, daraufhin persönlich die Tötung Nawalnys angeordnet zu haben. Er habe Nawalny um keinen Preis freigeben wollen. Er habe erkannt, dass der Westen bereit sei, Wadim K. auszutauschen und dann entschieden, Nawalny als Tauschobjekt loszuwerden, vermutet Pewtschich. «Das ist das absolut unlogische, irrationale Verhalten eines verrückten Mafiosi», sagte sie.

Wadim K. hat 2019 in Berlin einen Exil-Tschetschenen ermordet. K. soll den Mord im Auftrag staatlicher russischer Stellen verübt haben. Immer wieder war spekuliert worden, dass Putin ihn im Zuge eines Gefangenenaustauschs freibekommen wollte. Zuletzt hatte er dies in einem Interview mit dem US-Talkmaster Tucker Carlson quasi bestätigt. (sda/dpa)

Scholz macht Putin verantwortlich

Deutschlands Kanzler Olaf Scholz hat Putin für den Tod des Kremlgegners verantwortlich gemacht. «Auch ich gehe wie alle anderen davon aus, dass es das Regime war, das ihn getötet hat», sagte er am Montag in Berlin.

German Chancellor Olaf Scholz chairs the cabinet meeting of the German government at the chancellery in Berlin, Wednesday, Feb. 21, 2024. (AP Photo/Markus Schreiber)
Olaf Scholz beschuldigt Putin für den Tod Nawalnys.Bild: keystone

Russland sei eine Diktatur. «Sein Tod ist jetzt die Konsequenz einer Diktatur», so Scholz auf der Chefredaktionskonferenz der Deutschen Presse-Agentur.

Es sei schwer zu sagen, ob Nawalnys Tod die Opposition schwächen oder stärken werde, sagte Scholz. «Auf alle Fälle ist klar, dass all diejenigen, die oppositionell sind, sehr viel Mut brauchen.» Dies sei noch gefährlicher geworden als bei seinem letzten Besuch in Moskau. «Gleichzeitig sehen wir, dass sich der russische Präsident und alle die, die ihn politisch unterstützen, sehr fürchten.» Das sei daran zu sehen, dass der einzige Bewerber für die Präsidentschaftswahl mit oppositioneller Zustimmung von der Wahl ausgeschlossen worden sei.

Kreml bestreitet Forderung nach heimlicher Bestattung

Nach dem tagelangen Ringen um die Leiche Alexej Nawalnys hat der Kreml versuchte Einflussnahme auf dessen Angehörige abgestritten.

Kremlin spokesman Dmitry Peskov attends a meeting of Russian President Vladimir Putin and Tajikistan's President Emomali Rahmon at the Kremlin in Moscow, Russia, Tuesday, Nov. 21, 2023. (Alexande ...
Kremlsprecher Dmitri Peskow.Bild: keystone

«Natürlich kann der Kreml keinen Druck ausüben. Das sind weitere absurde Äusserungen der Anhänger (Nawalnys)», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Nawalnys Mutter hat am Wochenende den Leichnam ihres Sohnes erhalten, nachdem sie zuvor Wladimir Putin zu dessen Herausgabe aufgefordert und öffentlich Druck vonseiten der Ermittler beklagt hatte. Diese hätten sie dazu drängen wollen, ihren Sohn heimlich zu beerdigen, sagte sie.

Nawalny war am 16. Februar nach Behördenangaben im Straflager mit dem inoffiziellen Namen «Polarwolf» in der sibirischen Arktisregion Jamal gestorben. Die Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Der durch den Giftanschlag und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Nach Angaben von Nawalnys Team ist im Todesschein von «natürlichen» Ursachen die Rede.

Mehr als eine Woche lang hielten die Behörden die Leiche unter Verschluss. Immer noch ist unklar, wo und wie die Bestattung stattfinden soll. Mutter Ljudmila Nawalnaja forderte eine öffentliche Beerdigung, damit sich nicht nur Familienangehörige, sondern auch Anhänger vom russischen Oppositionsführer verabschieden können. Eine Aufforderung der Ermittler, einer heimlichen Beerdigung zuzustimmen, hatte Nawalnaja abgelehnt und den Behörden öffentlich Erpressung vorgeworfen. (saw/sda/dpa)

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