International
Drogen

Cannabis-Legalisierung Deutschland: So viele Häftlinge wurden entlassen

epa11542236 A participant holds a placard reading 'Be aware, Stoner' in front of the Berlin town hall during the Hemp Parade (Hanfparade) rally in Berlin, Germany, 10 August 2024. The annual ...
Seit dem 1. April legal: Cannabis in Deutschland.Bild: keystone

Nach Cannabis-Legalisierung in Deutschland: Hier wurden die meisten Häftlinge freigelassen

Seit dem 1. April ist Cannabis in gewissen Mengen in Deutschland legal. Da das Gesetz rückwirkend gilt, mussten einige Gefangene freigelassen werden.
04.09.2024, 16:5304.09.2024, 17:41

Bereits vor der Cannabis-Legalisierung in Deutschland warnten Kritiker, dass Häftlinge von einer Gesetzesänderung profitieren würden. Nun zeigen erste Zahlen, wie viele Menschen seither aus den deutschen Gefängnissen entlassen wurden.

Seit dem 1. April dürfen in Deutschland Erwachsene zu Hause bis zu 50 Gramm Cannabis aufbewahren und auch im Freien bis zu 25 Gramm mit sich herumtragen. Weitergabe oder Verkauf sind aber weiterhin illegal. Erlaubt ist jedoch seit dem 1. Juli der Anbau von bis zu drei Pflanzen im Eigenheim oder der gemeinschaftliche Anbau in speziellen Vereinen. Wer nun vor der Legalisierung etwa wegen des Besitzes von 25 Gramm Cannabis in Haft kam, musste durch die Gesetzesänderung freigelassen werden.

Für die deutschen Behörden bedeutet das: Tausende Akten müssen händisch (Digitalisierung verschlafen) neu geprüft werden, um zu schauen, ob die Fälle durch das neue Gesetz nicht zur Strafe hätte führen dürfen. Wie das niedersächsische Justizministerium gegenüber der «Frankfurter Rundschau» mitteilt, dauert die Überprüfung einer Akte zwischen 28 und 44 Minuten.

Bundesweit müssten über 200’000 Akten geprüft werden, was einen Aufwand von über 4000 Tage ausmache – doch die Zahl sei nicht abschliessend, weil nicht alle Bundesländer Daten geliefert hätten. Seit dem ersten April wurden inzwischen bereits tausende Akten geprüft, freigekommen sind jedoch nur wenige.

Drogenschmuggler frei

13 Bundesländer teilten gegenüber «Ippen.Media» mit, wie viele Menschen aus den Gefängnissen freigelassen wurden: Nach knapp 115'000 geprüften Akten wurden 71 Personen freigelassen.

Am meisten Häftlinge kamen in Bayern frei: insgesamt 33 Personen. Danach kommt Baden-Württemberg mit 19 Personen. Keine Zahlen zu den Freilassungen kamen beispielsweise vom grössten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Es wird erwartet, dass dort am meisten Menschen freikommen werden.

Immer ganz einfach ist die Beurteilung für die Behörden nicht. In Deutschland für Gesprächsstoff sorgt ein Fall des Mannheimer Landgerichts.

«Ein 36-jähriger Mann schmuggelte 450 Kilogramm Marihuana nach Deutschland. Gesamtwert 1,9 Millionen Euro. Obwohl das Landgericht Beweise für die im Jahr 2020 begangene Tat hatte, konnte es diese nach neuem geltenden Recht nicht mehr verwenden. Es ging um verschlüsselte Chats des Anbieters Encrochat, deren Verwendung nur bei besonders schweren Straftaten zulässig ist. Cannabis zählt nun nicht mehr dazu, der Mann kam frei», schreibt die «Frankfurter Rundschau». Straftäter, die neben früheren Verletzungen gegen das Betäubungsmittelgesetz auch wegen anderen Delikten inhaftiert sind, werden jedoch nicht freigelassen. (kma)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Zum Internationalen Marihuana-Tag: Das sind die schönsten Joints der Welt
1 / 14
Zum Internationalen Marihuana-Tag: Das sind die schönsten Joints der Welt
Der internationale Marihuana-Marsch wird weltweit in über 100 Städten durchgeführt. Jedes Jahr gibt es einen, der es ein wenig übertreibt ...
quelle: epa/efe / luis eduardo noriega
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Lässt sich mit Kiffen die AHV finanzieren?
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Gewaltsame Proteste an Frankreichs Schulen – 164 Festnahmen
Bei zum Teil gewaltsamen Protesten an Schulen in mehreren Städten Frankreichs sind Dutzende Menschen verletzt und mindestens 164 festgenommen worden. Betroffen von den Aktionen seien etwa 180 Einrichtungen gewesen, grösstenteils in den Schulbezirken Créteil und Versailles bei Paris, aber auch in Städten wie Lille, Lyon, Grenoble und Nizza, sagte Innenminister Laurent Nuñez. Für Dienstag wird erwartet, dass die Proteste weitergehen.
Zur Story