Pakistan kopiert erfolgreich eine «Verteidigungsstrategie» der Ukraine
Weisse Fischernetze spannen sich über den Eingang eines Polizeipostens: Im Norden Pakistans haben die Sicherheitskräfte diese ukrainische Taktik übernommen, um sich vor Angriffen von Aufständischen zu schützen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
In der an Afghanistan grenzenden Provinz Khyber Pakhtunkhwa werden Drohnen immer häufiger von Kämpfern eingesetzt, die sich gegen die Zentralregierung stellen – etwa von den pakistanischen Taliban (TTP). Die Waffen sind günstig und lassen sich einfach herstellen und umrüsten. Waqar Ahmad, Polizeioffizier im Distrikt Khyber, erklärt:
«Deshalb haben wir begonnen, diese Fischernetze anzubringen, um unser Personal zu schützen», sagt er.
Dank ihrer widerstandsfähigen Maschen können sie von aussen abgeworfene Geschosse oder Granaten aufhalten, fügt er hinzu. Laut Ahmad wurde diese «Verteidigungsstrategie» vom Krieg in der Ukraine übernommen. Dort wurden in Regionen nahe der Front zahlreiche Strassen mit Netzen überspannt, die an Pfosten befestigt sind und vor russischen Angriffen schützen sollen. Nähern sich Drohnen, verfangen sie sich darin wie Insekten in einem Spinnennetz.
Tausende Kilometer entfernt, in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa, wo es regelmässig zu tödlichen Angriffen auf Polizisten kommt, sind diese Netze inzwischen ein zusätzliches Schutzmittel für Polizeistationen und Kontrollposten. Sie ergänzen schwere Betonblöcke und andere Metallbarrieren, wie ein ranghoher Polizeibeamter in Peshawar unter der Bedingung der Anonymität erklärte. Er ist nicht befugt, mit der Presse zu sprechen.
Die TTP-Aufständischen setzen Drohnen nicht nur für Angriffe, sondern auch zur Überwachung ein:
Die TTP-Kämpfer sind der Ansicht, dass Drohnen Selbstmordattentäter wirksam ersetzen können. «Ein Selbstmordattentäter kommt höchstens bis zum Eingangstor, während eine Drohne in das Innere eines Militär- oder Polizeikomplexes gelangen kann», erklärt ein TTP-Kommandant unter der Bedingung der Anonymität. Seinen Angaben zufolge verfügt seine Gruppe über «tausende» Drohnen.
Die pakistanische Polizei wiederum verstärkt ihre Bemühungen, ihre Teams im Umgang mit den neuen Fluggeräten auszubilden, und beschafft gleichzeitig Störsender. Im vergangenen Monat nahmen 52 Polizisten an der ersten Drohnenschulung teil, die von der Einheit für autonome Luftfahrzeuge in der Provinz organisiert wurde. Allerdings seien 30 Prozent der Polizeistationen noch immer nicht mit solchen Geräten ausgestattet, räumt der ranghohe Beamte in Peshawar ein.
Die Netze hätten die Risiken bereits «erheblich» reduziert, sagt Muhammad Amir, ein 38-jähriger Polizist, der an einem Strassenkontrollposten arbeitet. Die Bewohnerinnen und Bewohner wünschen sich jedoch mehr Schutz durch die Polizei, denn die Drohnenschutznetze können selbstverständlich nicht die gesamte Provinz überspannen.
«Wir wollen Frieden und Sicherheit. Entweder sollte es an diesem Ort keinen Kontrollposten mehr geben, oder die Behörden sollten die Bedrohung durch die pakistanischen Taliban in dieser Region beseitigen», sagt der Maisverkäufer Gul Haleem.
