Hitzewelle in Frankreich: Rekordzahl an Atomkraftwerken offline
Frankreich ächzt schon wieder unter einer Hitzewelle, im Süden des Landes klettern die Temperaturen erneut über die Marke von 40 Grad. Das ist in Frankreich die dritte Hitzewelle des Jahres, und erneut müssen einige Atomkraftreaktoren abgeschaltet werden. Schon bei der zweiten Hitzewelle musste der staatliche Energiekonzern EDF Reaktoren drosseln. Diesmal betrifft es allerdings deutlich mehr Reaktoren als noch vor ein paar Wochen.
So berichtet das Energiefachportal «Montel», dass am Montag insgesamt elf Reaktoren betroffen sind. Vor allem trifft es Kraftwerke an den Flüssen Rhone (Südosten) und Garonne (Südwesten). Insgesamt seien 8,8 Gigawatt an Stromkapazität abgeschaltet worden. Das entspricht knapp 15 Prozent der Gesamtkapazität der französischen AKW-Flotte.
Mit den Massnahmen soll verhindert werden, dass während der aktuellen Hitzewelle zu viel warmes Kühlwasser in die ohnehin wärmer werdenden Flüsse abgeleitet wird.
Auch in der Schweiz gehen zwei AKW-Reaktoren vom Netz
Frankreich verfügt über 57 Atomreaktoren, die rund 70 Prozent des Stroms produzieren. Alle befinden sich an Flüssen oder am Meer, nutzen das Wasser zur Kühlung der Reaktoren und leiten es erwärmt in den Fluss oder ins Meer zurück.
Um Schäden für die Ökosysteme zu begrenzen, legt die Atomaufsichtsbehörde ASNR für jedes Kraftwerk Höchstwerte für die Wassertemperatur fest. EDF als Betreiber ist verpflichtet, die Leistung seiner Atomkraftwerke unter bestimmten Umständen zu reduzieren.
Im Laufe der Woche, wenn sich das Land und die Flüsse wieder etwas abkühlen, sollen schrittweise die Anlagen wieder ans Netz gebracht werden.
Auch in der Schweiz sind zwei Atomkraftreaktoren aufgrund der Hitze derzeit offline. Nach «Montel»-Angaben sind nur die beiden Reaktoren am Kraftwerk Beznau betroffen. Beznau 1 ist schon seit der letzten Hitzewelle Ende Juni abgeschaltet, der zweite Reaktor war zwischenzeitlich wieder ans Netz gegangen. Am Samstagabend musste dieser allerdings erneut heruntergefahren werden, das soll noch bis Dienstagmittag anhalten.
Die Versorgungssicherheit ist in keinem der beiden Länder durch diese Massnahmen beeinträchtigt. Würde die Stromversorgung durch die Abschaltung eines oder mehrerer Atomkraftwerke beeinträchtigt werden, gälten in beiden Ländern Ausnahmen hinsichtlich der Umweltschutzauflagen. EDF hat zum Beispiel für zwei der Reaktoren am AKW Bugey, ebenfalls an der Rhone gelegen, eine solche Ausnahme beantragt, damit das Stromnetz stabil bleibt.

