Schweiz
AKW

Albert Rösti hebt die Grenzwerte für AKW-Kühlwasser an

Bundesrat Albert Roesti spricht im Verkehrshaus anlaesslich einem Sommer-Gespraech mit Journalisten ueber aktuelle Themen im UVEK, am Mittwoch, 1. Juli 2026, In Luzern..(KEYSTONE/Peter Schneider)
Das AKW Leibstadt darf auch bei über 25 Grad Flusstemperatur Kühlwasser in den Rhein einleiten. Das entschied das Departement unter Bundesrat Albert Rösti.Bild: KEYSTONE

AKW-Abwärme in den Flüssen: Röstis Departement lockerte Regeln für Kernkraftwerke

07.07.2026, 10:2107.07.2026, 10:24

AKW-Betreiber leiten das durch die Kühlung der Brennstäbe erwärmte Wasser in die Aare und den Rhein. Ab einer Flusstemperatur von 25 Grad war dies verboten. Dann hob das Bundesamt unter Albert Rösti die Obergrenze an, zum Unmut von Naturschützern. Das berichtet der Tages-Anzeiger.

Ende Juni mussten aufgrund der Hitzewelle die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Beznau vom Netz gehen. Der Grund: Die Aare wurde zu heiss, was das Ökosystem gefährden kann. Im Jahresdurchschnitt erwärmt das Kühlwasser des Kraftwerks die Aare um 0,7 bis 1 Grad.

Auch die Kernkraftwerke Leibstadt und Gösgen erwärmen durch ihr Kühlwasser die Schweizer Flüsse. Dies jedoch in geringerem Masse, da sie über Kühltürme einen grossen Teil der Abwärme in die Luft abgeben. Das Kraftwerk Leibstadt erwärmt den Rhein zwischen 0,01 und 0,022 Grad. Gösgen erwärmt die Aare weniger als 0,1 Grad. Die Betreiberin sagt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dies sei «vernachlässigbar».

AKW Beznau, Kanton Aargau.
Das AKW Beznau musste aufgrund der Hitzewelle Ende Juni beide Reaktoren vom Netz nehmen.Bild: Axpo

Naturschützer widersprechen. «Für die Fische sind Wassertemperaturen ab 25 Grad jenseits der Schmerzgrenze», meint David Bittner, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischereiverbands (SFV). Für Fische bestehe bei längeren Hitzewellen Todesgefahr.

«Derweil heizen die AKW-Betreiber die Gewässer weiterhin auf», so Bittner. Auch wenn es sich in absoluten Zahlen um scheinbare Kleinigkeiten handle, «gehe es um den berühmten Tropfen, welcher das Fass zum Überlaufen bringen kann».

Die Axpo, Aktionärin des Kraftwerks Leibstadt, ist anderer Meinung. Die Erwärmung des Rheins sei «faktisch nicht messbar» und habe «keinen Effekt auf das Gewässer», teilt sie dem «Tages-Anzeiger» auf Anfrage mit. Ausserdem würden alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten und kontrolliert.

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS DAS AKW LEIBSTADT WIEDER VOM NETZ IST, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Das Atomkraftwerk Leibstadt, aufgenommen am Samstag, 28. Mai 2011. (KEYSTONE/Ale ...
Das AKW Leibstadt kühlt seine Brennstäbe unter anderem mit Wasser aus dem Rhein.Bild: KEYSTONE

Diese gesetzlichen Vorgaben hat das UVEK, unter Bundesrat Albert Rösti 2024 gelockert. Auch bei einer Wassertemperatur des Rheins von über 25 Grad darf Leibstadt Kühlwasser einleiten. Solange das Kraftwerk «alle Massnahmen nach Stand der Technik zur Reduktion des Wärmeeintrags» ergriffen hat. Das eingeleitete Kühlwasser darf dabei bis 33 Grad warm sein, zuvor galt eine Obergrenze von 30 Grad. Für die Temperatur des Rheins gibt es keine Obergrenze mehr. (nil)

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Die beliebtesten Kommentare
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Wandervogel
07.07.2026 10:38registriert Juni 2019
Rösti muss bei der nächsten BR-Gesamterneuerungswahl weg!
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Gurgelhals
07.07.2026 10:42registriert Mai 2015
Tja, die Lobby-Rösti macht halt auch da wieder die typischen Lobby-Rösti Sachen. Ich habe ja schon lange das ungute Gefühl, dass es gerade im sog. "rechtsbürgerlichen" Lager viel zu viele Akteure gibt, welche die grenzenlose Schamlosigkeit eines Trömps leider nicht als abschreckendes Beispiel nehmen, sondern im Gegenteil als Vorbild (im Sinne von "Ist halt schon geil, was man sich alles wieder erlauben kann, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen"). Aber die Portion Rösti ("Ich tendiere eher zu Trömp") unterbietet hierzulande diese ohnehin schon tiefe Messlatte wirklich immer wieder souverän.
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Berner_in
07.07.2026 10:42registriert September 2018
Wir verhalten uns wie Frösche im zunehmend zum Kochen bringenden Wasserkessel.
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