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EU

Pille für den Mann: Deutsche Abgeordnete wollen lockerere Zulassung

Europaabgeordnete fordern Pille für den Mann

17.10.2025, 20:50

Die deutschen Europaabgeordneten Peter Liese (CDU) und Katarina Barley (SPD) drängen auf lockerere Zulassungsvorschriften bei Verhütungsmitteln für Männer. Eine «Pille für den Mann» könne viele Probleme lösen, so die Politiker. In einem Brief an die Chefin der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), Emer Cooke, fordern sie, dass die EMA in dieser Frage aktiv werde.

«Wir fordern die EMA nachdrücklich auf, in diesem Bereich eine Führungsrolle zu übernehmen», heisst es in dem Brief. Es müssten neue Leitlinien auf Grundlage von Gleichberechtigung entwickelt werden, um die Zulassung neuartiger Verhütungsmittel für Männer zu unterstützen. Unter dem Begriff Pille für den Mann werden verschiedene Mittel verstanden, deren Ziel es ist, die Spermienbildung stark zu senken.

Nebenwirkungen im Fokus

Liese kritisiert, Zulassungsbehörden achteten bei Präparaten für Männer deutlich stärker auf Nebenwirkungen als bei Mitteln für Frauen. In der Vergangenheit wurden unter anderem Studien abgebrochen, weil Männer über zu starke Nebenwirkungen klagten. So kam es beispielsweise zu Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen.

Liese, der auch Arzt ist, und Barley, Vizepräsidentin des Europaparlaments, betonen, dass Präparate, die dem Mann verabreicht werden, eine grosse Hilfe sein könnten. Derzeit gibt es für Männer vorrangig zwei sichere Möglichkeiten: Kondom oder Vasektomie – also ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Samenleiter durchtrennt wird.

EMA: Vorschriften behindern nicht

Die EMA teilte auf Anfrage mit, man unterstütze Entwickler bei der Förderung neuer Therapien, darunter auch Verhütungsmittel für Männer. Die aktuellen Vorschriften enthielten keine Bestimmungen, die die Entwicklung von Verhütungsmitteln für Männer behindern, hiess es.

In den vergangenen 20 Jahren hätten sich alle Anträge auf wissenschaftliche Beratung durch die EMA ausschliesslich auf die Entwicklung von Verhütungsmitteln für Frauen konzentriert. «Wir möchten jedoch betonen, dass unsere Türen offen bleiben», so die EMA. Man unterstütze Entwickler gerne bei regulatorischen Fragen. (sda/dpa)

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59 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ELMatador
17.10.2025 22:31registriert Februar 2020
Ich verstehe immer noch nicht, warum so viele Menschen ein Problem mit dem Kondom als Verhütungsmittel haben. Es schützt nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch vor einer ganzen Reihe übertragbarer Krankheiten.

Natürlich muss die Anwendung gelernt sein, und ein Unfall kann immer passieren. Trotzdem gehört das Kondom zu den zuverlässigsten Verhütungsmitteln – mit den geringsten Nebenwirkungen.
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Nirantali
18.10.2025 00:48registriert Juli 2020
Am besten kreiert man eine Kombipille, die Potenzsteigerung und Verhütung in einem bietet, dann kaufen und nutzen Männer sie garantiert und mögliche Nebenwirkungen spielen dann plötzlich auch keine grosse Rolle mehr. 😊
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Doppellottotreffer
18.10.2025 05:57registriert September 2021
"Zulassungsbehörden achteten bei Präparaten für Männer deutlich stärker auf Nebenwirkungen als bei Mitteln für Frauen."

Aus diesem Grund zu fordern, Zulassungsbehörden sollen generell weniger auf Nebenwirkungen achten statt bei Pillen für die Frau mehr darau zu achten ist eine "interessante" neue Spielart der Misogynie!
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